Aeschi, Vergewaltigungswitze & die Würde des Bundesrates

AeschiTitel

Thomas Aeschi weist nicht die nötige Reife für das Amt eines Bundesrats auf.

Alle sprechen vom SVP-Bundesratskandidaten Thomas Aeschi aus Zug (Wie hiessen die anderen beiden noch gleich?), dem Schützling vom abgewählten Alt Bundesrat Christoph Blocher.

Quer durch alle Parteien ist klar, dass es einen zweiten SVP-Bundesrat braucht, deshalb werde ich hier nicht auf die politische Ausrichtung von Herrn Aeschi eingehen – sondern nur sein Handeln und das dadurch erfassbare Persönlichkeitsbild beleuchten. Darauf fussen auch meine Zweifel an den staatsmännischen Qualitäten des Kandidaten.

Das erste Mal als Aeschi einer breiteren Schweizer Öffentlichkeit bekannt wurde, war, als er sich in einem Video über KO-Tropfen-Vergewaltigungen lustig machte. Was natürlich absolut kein Problem wäre, wenn Aeschi sich für ein Amt als Gemeindeschreiber in Hinterpfupfikon bewerben würde. Als Stammtischtäter sozusagen.

Aber Aeschi war Chef der Zuger SVP und will sich für einen Platz in der Landesregierung anbieten. Natürlich müsste man sich Fragen, ob jemand mit einem offensichtlich berlusconesken Verständnis von Sexualität wirklich die geeignete Person für so ein Amt ist.

Auf jedenfall wird er diesen geschmacklosen Fehltritt nicht so schnell los. Bei jeder Gelegenheit, bei ders um Gender, Gleichstellung oder Frauen im Allgemeinen geht, wird dieses Video wieder auftauchen und einen (möglichen) Bundesrat moralisch diskreditieren.

Ausserdem stand die Partei unter seiner Leitung als der sogenannte Zuger Sexskandal stattfand. Und auch da hat sich die Partei nicht gerade mit Ruhm bekleckert und sich nicht für eine lückenlose, rechtsstaatliche Aufklärung eingesetzt. Aber das hat vielleicht mit dem Zuger Politfilz zu tun, der dem anderer Kleinkantone in nichts nachsteht.

Das wäre Aeschi nur dann anzulasten, wenn er hätte aufklären wollen, aber seine Autorität innerhalb der Partei nicht ausreichte. Was, wenn man seinen Spitznamen bei Parteikollegen – «Das Büebli» – berücksichtigt, durchaus sein könnte.
(Nach dem Video weiter)

 

Nun, das wäre das Eine. Dass jemand mit 36 noch nicht aus der Pubertät ist und nicht die nötige charakterliche Reife für den Umgang mit heiklen Themen aufweisen kann, ist nicht sonderlich selten. Nur, ob man dann so jemanden bereits in den Bundesrat wählen sollte, ist eine Frage, die sich die Parlamentarier aller Parteien sorgfältig stellen sollten.

Eine andere Sache ist die verletzte Geheimhaltung in seiner Gemeinde, als er vertrauliche Inhalte per Leserbrief öffentlich machte. Auch hier wärs nicht sonderlich überraschend, dass jemand aus politischem Kalkül eine Indiskretion begeht. Das kommt vor.

Ist es aber eine Empfehlung für einen Bundesratskandidaten, dass er offensichtlich seine eigenen Bedürfnisse – oder die seiner Partei – über geltendes Recht stellt? Kann man so jemandem guten Gewissens die Geschäfte unseres Landes anvertrauen?

Jetzt würde ich gerne noch mehr über Herrn Aeschi schreiben. Aber leider gibts da nichts. Er ist nicht fassbar. Es ist als sei er ein Geist. Jemand der nur fürs Studium, die Karriere und die politische Macht gelebt hat. Es gibt nichts zu Familie und Freunden. Er sei nicht besonders sozial, sondern immer sachlich (wenn er gerade keine Vergewaltigungswitze reisst), sein menschliches Profil zeigt ein politisches Programm ohne persönliche Tiefe.

Es ist, als ob man ein Linkedin-Profil  zur Wahl stellen würde. Ich hoffe, die Parlamentarier halten eine Sekunde inne, atmen ein, lassen sich nicht von den Erpressungsversuchen der SVP einschüchtern, und überlegen sich nicht nur, was da für ein Politiker zur Wahl steht, sondern auch, was für ein Mensch sich da für den Bundesrat empfiehlt.

14 Gedanken zu “Aeschi, Vergewaltigungswitze & die Würde des Bundesrates

  1. Sicher spricht Aeschi nicht die unwürdigen allgemeinen Fälle an, sondern einen speziellen Fall. Der Beschuldigte wurde freigesprochen, und die Gegenklage läuft noch. So wie jetzt der Stand ist, wäre das Falschbeschuldigung, welche eigentlich strafbar ist. Falschbeschuldigungsopfer haben schweres zu ertragen. Ich habe nie etwas zu diesem Fall geschrieben, jedoch bin ich für Gerechtigkeit. Für die Gerechtigkeit darf schon mal ein Spruch rausrutschen.

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    1. Ja, ein Spruch an einem Stammtisch. Nicht ein Parteivideo. Und eben, er hat sich nicht gerade für die Untersuchung starkgemacht. Er hat Witze darüber gemacht. Wieder: Das zeigt seine menschlichen Qualitäten, nicht seine rechtlichen oder politischen. Das reicht mir. So jemanden würde ich nicht zum Znacht einladen wollen.

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    2. Herr Hürlimann wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Da weder Schuld noch Unschuld beweisbar sind, dürfte auch die Falschbeschuldigung nicht beweisbar sein. Auch wenn Herr Hürlimann zweifellos einiges zu ertragen hat, so hat Frau Spiess-Hegglin gewiss einiges mehr zu ertragen (ausser sie wäre tatsächlich die berechnende Lügnerin, was ich zutiefst bezweifle). Mir ist sehr schleierhaft, wie in einem derartigen Fall die „Gerechtigkeit“ genau aussehen könnte.

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  2. Wenn das in der Schweiz okay ist, dass man sich über Vergewaltigungen als Bundesratsanwärter lustig macht (von der 88 mal abgesehen) dann haben viele Leute vergessen, dass ein Amt als Bundesrat mit Qualitäten wie Menschenwürde, Anstand und Respekt verbunden ist.

    Ich kann mich gut an Bundesrat Ogi erinnern, obwohl ich kein SVP Wähler bin verkörperte er Werte, welche viel mit Menschenwürde, Anstand und Respekt verbunden waren.

    Also … wenn ihr unbedint Euren Aeschi wollt, bekommt ihr ihn. Jeder, der einen Vergewaltigungswitz macht bekommt dann Applaus, aber sind das Vorbilder zu welchen die Jugend aufblicken sollen?

    Ich möchte persönlich nichts mit Aeschi zu tun haben (schon alleine wegen diesem Affront).

    Ihr wollt dahinter stehen? Dann steht dahinter, aber ich werde nie applaudieren, möge er auch Eurer neuer Bundesrat werden. Ich werde niemals gutheissen, dass jemand Witze über Vergewaltigungen macht. Ogi hatte eine Vorbildfunktion. Wählt Eure Könige weise.

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      1. Nein, er hat sich Witze über Vergewaltigungsdrogen gemacht, und einen auf Kosten einer Frau, deren Fall von so grauenhaften Stümpern ermittelt wurde, dass sich in Zürich die Polizisten darüber lustig machen. Über die Zuger Ermittlungsbehörden, nicht über Frau Spiess Hegglin.

        Und eben, wäre der Aeschi irgendein Stammtisch-Vollidiot, kein Problem. Aber als Bundesrat? Sorry, disqualifiziert.

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    1. Nehmt doch mal die Nichtrechten so auseinander und wir hätten schweizweit wohl keine wirklich „gute“ Regierungsräte etc.. Interessant ist, dass immer die der SVP (bin nicht Mitglied, weil ich mich für Themata und nicht Parteien einsetzt) so genau unter die Lupe genommen werden…… wollt ihr nicht mal Levrat’s Leben auseinander nehmen…? oder sonst einen Mitte-Linken? Wäre FAIR!

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      1. Sorry, hier gehts nicht um Rechts oder Links, sondern um persönliche Integrität, Charakter und staatsmännische Qualitäten. Sie dürfen mir gerne die restlichen Bundesräte durchleuchten, egal von welcher Partei, es wird nichts so widerliches herauskommen.

        Was Levrat in seiner privaten Runde sagt, ist eines. Aber der Aeschi hat das selbst als Wahlkampfvideo öffentlich gemacht. Das hat leider eine andere Qualität als dreckige Witze unter Freunden.

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  3. Naja wer mitbekommen hat wie die justiz massiv geschlampt hat und auch das spital in welches frau spiess heglin ging. Der wird sich 100mal an den kopf fassen. Das spital unterliess eine blut und hasrprobe zu nehmen und es auf ghb uä zu testen. Was aber bei vergewaltigungsverdacht absolute vorschrift ist da ghb mach ein paar stunden nicht nachweisbar ist.
    Desweiteten wurde es der anklage wärend dem prozess untersagt neue beweissmittel und zeugen aufzurufen. Was rechtstaatlich ein absoluter witz ist und nur mit der befangenheit der richter erklärt werden kann.
    Ebenso wurde es unter androhung von rechtlichen schritten div . Neutralen medien wie watson etc verboten über diese versäumnisse und fehler zu berrichten.
    Das ganze lässt mich zum schluss kommen das hier eine partei massivst einfluss auf die rechtsfindung nahm !

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  4. Redder, ich gebe Dir recht, Aeschi ist nicht wählbar, er hat zudem ein Kurzzeitgedächtnis, nachdem er noch in diesem Jahr bei Giacobbo-Müller sagte, Bundesrat sei für ihn kein Thema. Aber Stammtischtäter oder Stammtischplauderi muss ich auch Dir vorwerfen. Ein Gemeindeschreiber kann sich solches wie Aeschi nicht leisten, da braucht es mehr. Warum ich das sage? Ich bin Gemeindeschreiber von Hinterpfupfikon… ähm Hinterfultigen, und Hinterfultigen ist ein Dorf in der Gemeinde Rüeggisberg BE. Nüt für unguet!

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    1. Hiermit entschuldige ich mich bei allen Gemeindeschreibern. Natürlich sind das integre Menschen und keine Stammtischplauderis.

      Du bist schon der zweite, der nicht mit Aeschi in einen topf geworfen werden will 🙂

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  5. Herr Aeschi ist für mich absolut untragbar als Bundesrat. Nicht wegen der Parteizughörigkeit, nicht mal wegen seiner Nähe zu Herliberg, sondern wegen seiner menschlichen Unreife. Diese hat sich mit der Nichtbewältigung der Geschennisse im Nachgang zur Zuger Landammannfeier manifestiert.

    Im Blogbeitrag:
    https://grumpyhampi.wordpress.com/2014/12/30/k-o-fur-zuger-kantonal-politiker/
    habe gesagt was ich darüber denke, dem habe ich auch 11 Monate später nichts hinzuzufügen.

    Wie Thomas Aeschi dies treffend im Werbespot darstellt, hat er sich in dieser Angelegenheit selbst ein K.O. verursacht. Eines der Glaubwürdigkeit, es wird lange dauern bis man ihn, trotz seines musterschülerhaften Benehmen ernst nehmen kann. Aufgrund seines Lebenslaufes, welcher aussagt, dass er sich entweder ausbildet oder andere berät, bei seinen Tätigkeiten jedoch nie selbst die Konsequenzen für sein Tun übernehmen musste, ist für mich erwiesen, dass ihm menschliche Reife und Erfahrung fehlen. Wer Ruth Metzlers politische Memoiren Grissini & Alpenbitter gelesen hat, versteht, dass solche politischen Senkrechtstarter mit einem Berater Background, einen Hang zur übertriebenen Ich-Bezogenheit haben. Solchen Personen fehlt die ehrliche Empathie zu anderen Menschen. Deshalb ziehen sie unteranderem das was Frau Spiess wiederfahren ist ins lächerliche. Hauptsache sie können sich selbst darstellen und werden, auf Kosten von Anderen, wahrgenommen.

    Herr Aeschi muss bis er als Bundesrat wählbar ist, zuerst den menschlichen und politischen Nachweis erbringen, dass er mit einer solchen Verantwortung umgehen kann. Denn hat er bis heute eindeutig nicht erbracht.

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