Der Glaubenskrieg

Terrormilizen können unsere Art zu leben nicht umbringen.

Terrormilizen können unsere Art zu leben nicht umbringen.


Viele Europäer und Schweizer wähnen sich in diesem blutgetränkten Sommer in einem ausgewachsenen Glaubenskrieg. Am Beginn des vielerseits herbeifabulierten «Clash of the Cultures», des Showdowns zwischen dem Islam und der christlich-abendländischen Welt.

Das ist totaler Bullshit. Die paar Terroristen sind schon mal nicht «der Islam». Der IS bekämpft in erster Linie seine Glaubensbrüder. Über 90 Prozent der Opfer der Islamisten sind Muslime. Und die vereinzelten Terroristen hier in Europa können zwar immer wieder grausam Menschen töten, aber sie können unsere Demokratien nicht gefährden.

Die Einzigen, die unsere Demokratien wirklich kaputt machen können, sind unsere eigenen Leute in der Reaktion auf die Terroranschläge. Wenn wir anfangen, unsere eigenen freiheitlich-demokratischen Werte abzuschaffen, haben wir verloren.

Wenn ein Teil der Bevölkerung reagiert, indem sie ganze Völkergruppen für die Taten einiger Extremisten verurteilt und hasst, ist das verständlich und hat mit fehlendem Reflexionsvermögen zu tun. Damit würden unsere demokratischen Systeme fertig, gelten doch Rechtsgleichheit, Völker- und Menschenrecht als Grundlage unserer westlichen Zivilisation.

Dass sich aber Politiker verhalten, als ob wir uns noch in einem Krieg zwischen Nationalstaaten im 19. Jahrhundert befänden und Feindbilder von ganzen Volksgruppen und Religionen aufbauen, gegen die sie dann untaugliche Massnahmen empfehlen, ist fahrlässig und gefährlich.

Die hysterischen Politiker, die als Reaktion auf die Attacken der Terroristen unseren Staat in einen Überwachungsstaat umbauen wollen, unsere rechtsstaatlichen Prinzipien über Bord werfen, und die Terroristen haben etwas gemeinsam: Sie halten unsere Lebensweise für zu schwach, um mit solchen feigen Angriffen fertig zu werden. Sie denken, wir seien zu weich.

Zu einer freiheitlichen Demokratie zu stehen braucht Mut. Wir sind angreifbar. Es gibt nicht Sicherheit UND Freiheit im Doppelpack. Wer immer sowas verkaufen will, ist ein Lügner oder ein Vollidiot. Wir können Radikale nicht mit mehr Waffen und mehr Überwachung, mit unmenschlichen Gesetzen bekämpfen. Damit bekämpfen wir nur unsere eigenen Werte. Man kann Ideologien nicht erschiessen oder einsperren. Wir haben bereits rechtsstaatliche Mittel, mit denen wir der Gefahr begegnen können. Sie werden uns nicht total schützen. Aber totaler Schutz ist nur in einem totalitären System durchsetzbar.

Wir können zu unseren Überzeugungen stehen. Wir können auch bereit sein, für unsere Werte zu sterben. Wir können unsere Werte nur verteidigen, indem wir an sie glauben und sie leben, auch wenn das ein Risiko für uns ganz persönlich bedeutet. Aber wir werden sicher nicht unsere Grundsätze verraten, weil ein paar Wahnsinnige sich in die Luft sprengen oder Leute erschiessen.

Wir stehen wirklich in einem Glaubenskrieg. Aber nicht zwischen Religionen oder Kulturen, sondern zwischen denen, die an unsere Grundwerte glauben und denen, die den Glauben verloren haben oder unser Verständnis von Zivilisation hassen.

Wir stehen von beiden Seiten unter Beschuss. Die Einen töten Leute, die Anderen töten in der Reaktion darauf unsere Art, frei zu leben.

Aber, keine Panik, wir sind stärker. Jeden Tag, an dem wir unsere Ängste überwinden, uns nicht vom Hass leiten lassen und stolz und offen unsere Werte leben, werden wir gewinnen.

3 Gedanken zu “Der Glaubenskrieg

  1. Es geht nicht um gewinnen oder verlieren.
    Menschen die unschuldige Zivilisten töten, haben schon verloren, sie SIND Verlierer. Ein Gewinnertyp sucht sich Gegner, nicht unschuldige Opfer, die er gar nicht zu bezwingen braucht, weil sie ohnehin schon schwächer sind.
    Wir sollten nun als freiheitliche Zivilisation zusammenstehen und beweisen, dass wir uns von keinem Gegner einschüchtern lassen und Verlierern die Hand reichen, damit Sie erkennen können, dass Ihre blinde Aggression falsch ist. Wenn Sie diese Hand ausschlagen, haben wir noch immer Verfassung und Gesetze, die wir fair, aber im nötigen Fall auch hart durchsetzen müssen, weil sie die Basis unseres Zusammenlebens bilden.
    Zusammen sind wir, die Mehrheit, stark. Wir sind auch stark genug, darauf zu verzichten, potentielle Verlierer auszugrenzen. Wir wollen in Frieden unser Leben geniessen. Tun wir es!

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  2. #PrayForThe World ? ihr solltet nicht weiter einen unsichtbaren gott anbeten, während ihr unsere sichtbare natur zerstört. wisst ihr nicht, dass diese natur, die ihr vernichtet, dieser unsichtbare gott ist, den ihr so verehrt?
    europa sollte nicht, wie schon seit jahrhunderten, die welt weiter besiedeln, kolonialisieren, völker unterdrücken und quasi die welt überehmen wollen. die ökologische krise könnte zusammen mit der zerstörung der ökologischen vielfalt zum ende der spezies mensch führen. ohne frieden bleibt klimaschutz eine illusion. ein „weiter so“ führt nur zu weiteren unruhen und kriegen.

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  3. Absolut treffend analysiert und beschrieben!

    „Aber totaler Schutz ist nur in einem totalitären System durchsetzbar.“ – nicht ganz, auch in einem totalitären System gibt es immer Schwachstellen welche das System angreifbar machen!

    Leider ist es so, dass sehr viele Leute unser System unterwandern wollen, und ich meine nicht nur den IS oder andere Terroristen. Diese Unterwanderung kann bewusst oder unbewusst sein und kommt sowohl von links als auch von rechts des politischen Spektrums! Die Medien sind hier willkommene Steigbügelhalter und unterstützen diese Bestrebungen

    Was immer mehr zu beobachten ist, dass bei jedem Vorfall, sei das ein Amoklauf, ein Anschlag oder wenn Nachbars Hund mal wieder am falschen Ort hinkackt, sofort geschossen und erst dann überlegt wird. Die sozialen Medien liefern hier natürlich eine ideale Plattform, man muss nur die Kommentare lesen.

    Uns fehlt die Zeit und sehr oft wahrscheinlich auch die nötige Reife zuerst zu überlegen was hier schiefläuft und weshalb. Etwas mehr Reflexion bei den Politiker und den Medien und mehr Grösse auf sein Gegenüber zu zugehen wäre schon ein riesiger Schritt vorwärts.

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