Thiel, das Opfer.

Heul doch.

Heul doch.

Der «Satiriker» Andreas Thiel jammert nun schon seit zwei Wochen, dass die «linke» Kulturlandschaft ihn boykottiere.  Unterstützung kriegt er heute vom Alt-Kuschelrocker Chris von Rohr, der eine Säuberung in der Schweizer Kulturszene halluziniert.

Nun, Meinungsfreiheit bedeutet, dass ich sagen und denken darf, was ich will, solange es nicht rechtsrelevant ist. Thiels unausgegorenes Geschwätz als selbsternannter Islamexperte war sicher nicht rechtsrelevant, sondern einfach nur etwas dümmlich. Genauso sind seine Äusserungen gegen Kultursubventionen (von denen er selbst indirekt lebt, seine Gagen werden davon bezahlt) nicht in irgendeiner Weise verboten. Sie sind bestenfalls heuchlerisch.  Aber er darf das jederzeit so ausdrücken.

Nur, Meinungsfreiheit heisst nicht, dass ich für die Scheisse, die ich labere, keine Konsequenzen tragen muss. Wenn ich in eine Beiz gehe, und da den Anwesenden und dem Beizer dauernd zu verstehen gebe, dass sie Vollidioten sind, muss ich mich nicht wundern, wenn die mich nicht mehr an ihrem Tisch haben wollen oder man mich nicht mehr bedient.

Schon als Kind lernt man: Wenn ich ein Arschloch bin, wollen die anderen Kinder nicht mehr mit mir spielen. Da nutzt es nichts, wenn man sein rüpelhaftes Verhalten als «Kunst» definiert. Kunst macht man fürs Publikum. Ignoriert man das Publikum und seine Auftraggeber, kann es sein, dass man nicht mehr von seiner Kunst leben kann.

Es gibt durchaus Dinge, die gesagt werden müssen, aber nicht gerne gehört werden. Die Kunst des Satirikers ist es, die Dinge so zu sagen, dass sie zwar schmerzen, aber heilsam wirken. Thiel schafft weder das eine noch das andere. Er erreicht ausserhalb seiner rechten Klatsch-Klientel kaum jemanden. Dafür nachher das Publikum und die Veranstalter zu beschimpfen, zeugt von Selbstmitleid und fehlender Reflexion. Ich jammere ja auch nicht, dass mich die rechten Hausblätter BAZ, WeWo oder Schweizerzeit nicht drucken. Für seine Prinzipien einstehen heisst auch, die Konsequenzen dafür zu tragen. Über die gemeine Welt zu flennen, wenn man nicht den Applaus bekommt, den man denkt, verdient zu haben, ist erbärmlich.

Thiel sieht sich als liberal. Nun, der Markt hat offenbar keine Verwendung für sein Angebot. Er hat sich ein Nischenpublikum erarbeitet, das zwar gerne über ihn in der Zeitung liest, das aber dem Theater fernbleibt.

Lieber Andreas, wenn du schon dauernd davon laberst, dass man Kultur auch ohne Subventionen machen kann, dann ist jetzt der Zeitpunkt, es zu beweisen. Behaupte dich im Markt.

Oder: Steh hin für deine Überzeugungen und trag die Konsequenzen. Aber hör auf zu flennen.

24 Gedanken zu “Thiel, das Opfer.

  1. Wenn ich als Kind eine andere Meinung habe als die anderen, werde ich Ausgegrenzt, schreibst Du, Wenn nun aber diese andere Meinung die Wahrheit ist, soll ich mich der Unwahrheit anschliessen, nur damit ich Freunde habe?
    Kennst Du den Film die Welle?
    In DE folgten die meisten der Unwahrheit vor dem 2. Weltkrieg, Ergebnis ist bekannt.
    Anderen Meinungen soll man sich anhören, damit befassen, und daraus seine eigene Meinung vervollständigen, und nicht diffamieren.

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    1. Nun ja, wer seine Meinung für die „Wahrheit“ hält, ist schon mal auf dem Holzweg. Eine Meinung ist eine Meinung.

      Dann: Wer austeilen kann, aber fürs Einstecken jammert, ist eine Memme.

      Und Thiel ist kein verfolgter Jude. Das ist der kaputteste und zynischtse Vergleich, den ich seit langer Zeit gehört hab.

      Andere Meinungen soll man sich anhören. man muss ihm aber kein Geld dafür bezahlen.

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    2. Der Reda schreibt das eben nicht, bitte nochmals lesen. Er schreibt, wenn «ich ein Arschloch bin». Sprich, wenn ich die Sandburg der anderen Kindern kaputtmache oder ihnen Sand nachwerfe.
      Thiel darf doch sagen, was er will. Aber wenn er Engagements möchte, sollte er wohl nicht die Intendanten oder Theaterbesitzer beleidigen.
      Zudem steht da auch ganz fein, dass sich seine (eher rechten) Anhänger gern auf ihn berufen, ihn aber – obwohl eher gut betucht – doch nicht finanzieren möchten. Das finde ich in der ganzen Heuchelei gegen den «armen» Künstler das Beste. Man benutzt Thiel, um gegen die (angeblich) linke Theater-/Kunstszene zu lästern, hat aber nicht die (finanzielle/ideologische) Grösse, ihm und seinesgleichen Engagements zu verschaffen.
      Wenn der Blocher und Konsorten sich ja schon eine (mehrere?) Zeitung kaufen, könnten sie sich ja sicher auch ein eigenes Theater leisten.

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    3. Es geht nicht darum, ob man eine andere Meinung hat, im Text steht: „wenn ich als Kind ein Arschloch bin, dann wollen…“. Eine andere Meinung macht einen noch nicht unbedingt zum Arschloch. So verstehe ich zumindest den Text.

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  2. Gibt es nicht viel interessantere Leute, welche ordentliche Sachen für die Gesellschaft leisten? Armer thiel versucht verzweifelt mit Regenbogen-Kopf sich bemerkbar zu machen. Schweiz ist Number One, bitte berichtet von Leuten, welche es verdienen.

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  3. Na gut, unabhängig von der persönlichen Meinung zu Thiel, möchte ich doch schwer bezweifeln dass irgendjemand für Geschreibsel wie dieses hier ernsthaft Geld bezahlt…

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  4. Andreas Thiel ist leider einfach kein guter Satiriker, ganz unabhängig davon, welche politische Linie er verfolgt. Es stimmt, dass er früher Preise eingeheimst hat, damals war er evtl. noch besser. Mit der Korangeschichte hat er sich etwas in die Nesseln gesetzt, was er einfach nicht einsehen will. Aber auch seinen späteren Auftritt in Arosa fand ich einfach nur fad und geradezu infantil. Das schreibe ich als jemand, der Serdar Somuncu mag, weil der eben nicht nur schimpft, sondern sehr viel auf dem Kasten hat. Ihn mag ich nicht wegen seiner Fäkalsprache sondern wegen seines offensichtlich breiten Wissens und seiner Fähigkeit, Geschehnisse zu analysieren und zwischendurch auch ganz normal darüber diskutieren zu können. Es ist klar, dass er den tumben Wutbürger nur ab und an spielt, bei Thiel bin ich mir dessen nicht so sicher.
    Was mit Thiel über die Jahre passiert ist, weiss ich nicht, jedenfalls ist er durch eigenes Verschulden in der Versenkung verschwunden. Was mich angeht nicht wegen eines Boykotts aus politischen Gründen sondern wegen mangelndem Interesse an seiner einerseits pöbelhaften und andererseits doch viel zu zahmen Art, Politsatire zu betreiben. So ist das weder lustig noch wirklich kritisch hinterfragend.

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    1. Ich habe mal einen Auftritt von ihm aus dem Jahr 2011 auf YouTube gesehen. Grundsätzlich hat er die Linkseingestellten (z.B. mich) in jedem zweiten Satz fertiggemacht. Es war aber saukomisch. Damals hat er im Übrigen auch noch Auftritte an Parteianlässen der SP und den Grünen machen dürfen und bekam in Theatern und (staatlich subventionierten) Kulturräumen im ganzen deutschsprachigen Raum Auftritte.

      Und gerade als sein Name auch ausserhalb der Szene ein Begriff wurde, vermochte er plötzlich nichts mehr ausser auf Fehlinformation beruhende Hetze zu verbreiten. Schade, vielleicht hat er aber wirklich sein ganzes Potential ausgeschöpft.

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  5. Wär ustöut mues ou chönne istecke villicht no mehr aus me ustöut das isch ganz eifach und da mues me nid es serigs premborium use la gäu thiel

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  6. Man(n) muss auch selber etwas für die Fans tun.
    Auf Facebook gibt es eine öffentliche Gruppe: Andreas Thiel, die unschlagbaren 1, 2 und 3 – der wahre Politsatiriker. Als Fan von Thiel habe ich mit Freude über 10 Beiträge verfasst und Fotos hinzugefügt. Thiel ist auf der Seite nie aktiv geworden. Ich habe ihn deswegen zweimal auf seiner offiziellen Facebook-Seite angeschrieben – und keine Antwort erhalten. (Alles auf der Seite nachzulesen.) Für mich war’s das dann am 14. Februar 2015. Der letzte Eintrag auf der Fan-Seite ist von einem Christian E. am 14. Februar 2015. Da sich hier wirklich nichts tut gehe ich.
    Wenn Man(n) seine Fans derart ignoriert, sollte man sich auch nicht über fehlenden Zuspruch beklagen. Das ist nicht Satire. Das ist Fakt.

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  7. Mit dem konsistenten Argumentieren happert es wohl noch. Willkommen bei den Dümmlichen.

    „Nur, Meinungsfreiheit heisst nicht, dass ich für die Scheisse, die ich labere, keine Konsequenzen tragen muss.“ Nun ja, ausser ich produziere politisch korrekte, aber ebenso dümmliche „Scheisse“. Dann werde ich weiter subventioniert. Ob wohl andere Kulturschaffende, die den Bogen (mit umgekehrtem politischem Vorzeichen) überspannt haben, dasselbe Schicksal teilen? Ich bezweifle es. Dabei hätte allein Zürich einige davon zu bieten, spontan kommen mir Fäkalien-Künstler (produzieren zweifellos „Scheisse“), Totenwasser-Bänkebauer, Köppel-Ermorder oder Porno-Künstler in den Sinn – alle subventioniert. Dort fliesst die Kohle munter weiter. Manus manum lavat.

    „Wenn ich in eine Beiz gehe, und da den Anwesenden und dem Beizer dauernd zu verstehen gebe, dass sie Vollidioten sind, muss ich mich nicht wundern, wenn die mich nicht mehr an ihrem Tisch haben wollen oder man mich nicht mehr bedient.“ Ausser ich ziehe ständig über die Bürgerlichen her. Dann gehöre ich zu den Guten, weshalb mich diese Idioten ganz unfreiwillig mit Zwangsabgaben füttern, gell.

    „Nun, der Markt hat offenbar keine Verwendung für sein Angebot.“ Aber auch keines für Theater wie jenes am Neumarkt, sonst müsste der Steuerzahler nicht jeden Eintritt mit mehreren hundert Fr. subventionieren. Kleiner Tipp: Man sollte das Wort „Markt“ mit Umsicht gebrauchen, wenn man diesen nur vom Hörensagen kennt. Der Unterschied zu den erwähnten BAZ, WeWo und Schweizerzeit übrigens: Keiner ist gezwungen, diese zu subventionieren, also können sie tun und lassen, was sie wollen.

    Wenn die Szene weiche Eier kriegt und solche unausgegorenen Pamphletchen schreiben muss, dann entlarvt sie sich gleich selber und macht damit Thiels‘ Aussagen erst glaubwürdig. Denn es geht um Geld, das verteilt wird. Viel Geld.

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    1. Markt in dem Sinne, dass Thiel seine letzten 30 Vorstellungen vor leeren Rängen spielte.

      Seine Gagen waren trotzdem vom Steuerzahler finanziert. Mehr noch als bei den Künstlern, die effektiv ein Publikum haben.

      Also fütterten wir diesen Idioten auch durch. Was ich eigentlich nicht will.

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