«Ein echter Kerl …»

Die Sexismus-Debatte muss geführt werden, weil es da draussen noch immer chauvinistische und sexistische Höhlenmenschen gibt, die bei ihrem Scheissverhalten noch nicht mal ein Unrechtsbewusstsein entwickelt haben. Zwar bin ich nur bedingt begeistert vom Hashtag #MeToo, weil unter diesem Label sexistische Idioten in die gleiche Schublade gesteckt werden wie Vergewaltiger und Sexualstraftäter. Das wird den Opfern sexueller Gewalt nicht gerecht.

Aaaaaaaaber, ich find es ausgesprochen wichtig, dass die Diskussion, die dieser Hashtag ausgelöst hat, stattfindet. Nur schon, weil sie gewisse Denkarten, die bei Männern meines Alters offenbar noch häufig vorkommen, aufzeigt und entlarvt.

So meinte Alex Baur – ein gestandener Journalist bei der Weltwoche – im Zusammenhang von Grenzüberschreitungen im Parlament Folgendes:

Ein echter Kerl steckt die knallende Watsche mit einem schrägen Grinsen weg, wenn er mal zu weit gegangen ist. Das ist nicht das Problem.

Ich konnte es nicht fassen, dass ein erwachsener Mann denkt, Kommunikation, die zur Abgrenzung eine «knallende Watsche» benötigt, die man dann «mit schrägem Grinsen» wegsteckt, sei in irgendeiner Form männlich, adäquat oder normal.

Ein «echter Mann» geht nicht zu weit. Sonst ist er eigentlich nur noch ein echtes Arschloch. Dieses Scheissrollenvorbild eines kernigen Kerls, der die Dame mit etwas Nachdruck, mehr Kraft und spitzbübischem Charme dann doch noch rumkriegt, ist genau das Problem. Und wenn eine Ohrfeige die einzige Art ist, sich vor aufdringlicher Zuwendung zu schützen, dann läuft etwas schief. Ganz zu schweigen davon, dass die Arschlöcher, die so weit gehen, oft mit der Faust auf eine Ohrfeige reagieren, weil ihr Scheissego ja schon ein verbales Nein nicht verkraftet.

Hätte ich eine Tochter, würde ich ihr nicht beibringen, wie sie sich mit einer Ohrfeige gegen Übergriffe wehren kann. Ich würde ihr beibringen, wie man so einem Arschloch erst das Nasenbein bricht, dann den Kiefer zertrümmert und dem Typen zum Schluss mit einem Tritt die Eier in die Speiseröhre befördert. Dann könnte der Typ das mit einem (durch den gebrochenen Kiefer) schiefen Grinsen wegstecken.

Als Jugendlicher hatte mal ein Erwachsener versucht, meine sexuelle Integrität zu verletzen. Ich hab mich gewehrt, indem ich ihm eine Billardkugel im Gesicht platzierte. Es hat gewirkt.

Solange es also noch solche primitiven Klötze da draussen gibt, ist es wichtig, dass wir nicht nur diskutieren, sondern dass wir Frauen so weit empowern und unterstützen, dass sie es für selbstverständlich halten, ihre körperliche und sexuelle Integrität im Notfall auch mit Gewalt zu schützen.

Ein Nein ist ein Nein ist ein Nein. Fragen darf man. Wenn man trotz Nein oder ohne zu fragen zudringlich wird, gibts eins in die Fresse. Das scheinen dann selbst diese Neandertaler zu verstehen.

7 Gedanken zu “«Ein echter Kerl …»

  1. Die Debatte über Sexismus und politische Korrektheit muss geführt und Grenzen geklärt werden. Das Problem ist, Nicht jeder Spruch oder Witz wird von jedem als sexistisch empfunden.
    Wir sollten die Diskussion aber um den Kern, das anvertrauen von Macht und dem korrupten Missbrauch der anvertrauten Machtposition zu persönlichen Private Zwecken führen und diesbezüglich die Augen öffnen und sensibilisieren.
    Damit einhergehenden ist respektioses Mobbing, d.h. verbale wie auch physische Abwertung und Gewalt. Sexismus ist ein solches emotionales Mobbing- instrumente beider Geschlechter, welches bewusst oder unbewusst dafür benutzt wird. Ein Lob und Schulterklopfen ist nicht sexistisch, kann vom Empfänger als solches aber für eigene Zwecke ausgenutzt werden. Es gibt noch viel mehr solcher Instrumente.
    Der emotional nachvollziehbare Aufruf, zum „Kiefer brechen und in die Eier der primitiven Idioten zu treten“, ist auch ein Mobbinginstrument.
    Besser ist es die Rollen zu klären, zu lehren sich möglichst gewaltfrei wehren und klarstellen zu können, was patt Situationen ohne Gesichtsverlust zulässt.
    Ein freundliches klares „Du bist ein toller Mensch, aber Nein Danke“ kommt akzeptierbar rüber, ein schroffes Nein und arrogantes abwenden führt eher zu verletzendem Gesichtsverlust.

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  2. Naja, ich denke, beide Seiten müssen mit Verletzungen leben, solange wir Menschen sind. Das heisst, sowohl ein dämliches Kompliment wie auch eine verletzende Absage sind aushaltbar.

    Wir können verbal auf verbale Angriffe, Übergriffe oder Fehltritte reagieren, wir streiten oder schimpfen.

    Wo das Verbale aber ins Physische wechselt, gilt das Recht auf Selbstverteidigung.

    Ich will damit Mobbing und Psychotherror nicht kleinreden, aber auch da ist Empowerment – also die klare Linie und die Fähihkeit, sich zu wehren, ein sehr wichtiges Instrument. Ich kann nicht allen Psychobullies auf der Welt beibringen, wie man sich anständig verhält. Ich kann aber jedem Menschen in meiner Umgebung beibringen, wie man sich wehrt, verbal und physisch, wenn man auf die Arschlöcher da draussen trifft.

    Solange wir nicht in einer perfekten Welt l (also einer ohne Menschen) leben, ist gelebte Autonomie sowohl als Vorbild wie auch als Grundlage für die eigene Sicherheit, das Beste, was ich zu bieten hab.

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    1. Vielleicht jedem Menschen in deiner Umgebung. Aber grundsätzlich gibt es Menschen, die die Fähigkeit nicht haben, sich zu wehren – sei es weil ihr Gehirn ein bisschen anders funktioniert, oder weil sie einfach körperlich nicht in der Lage sind.

      Ich stimme dir zu, Empowerment ist wichtig, es ist wichtig, Mädchen und Frauen beizubringen, dass sie sich wehren dürfen, und sie zu ermutigen, auch mal feste dreinzuhauen, wenn ein Kerl sie begraptscht.

      Aber es gibt sie eben auch, die Menschen die sich nicht wehren können, aus welchem Grund auch immer. Auch sie haben das Recht, Lift zu fahren und am Abend von der Bushaltestelle nach Hause zu laufen und generell an der Gesellschaft teilzunehmen.

      Nicht dass ich eine allumfassende Lösung für die Probleme der Welt hätte, aber ich halte es für sinnvoll, bei der Lösungsfindung auch diese Menschen mitzudenken, deren Autonomie durch nicht beeinflussbare Faktoren eingeschränkt ist.

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      1. Ich weiss, dass dieser Ansatz nicht alle schützt. Und natürlich müssen gesellschaftspoltische Lösungen gefunden werden. Nur meistens dauert das Generationen. Und bis dahin gebe ich meiner imaginären Tochter einen Elektroschocker mit.

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