Maduro und die Schweizer Sozialisten

Einige meiner linken Genossen, darunter zum Beispiel Fabian Molina oder Jean Ziegler, halten den venezolanischen Autokraten Maduro für gar nicht so schlimm.  Das ist peinlich.

Schaut man sich diesen selbstherrlichen Autokraten und sein Verhalten an, kann man erkennen, dass selbst der Möchtegern-Kalif Erdogan oder der frischgewählte brasilianische Faschist Bolsonaro mehr demokratische Legitimation haben als der venezolanische Schnauz.

Und nun kommen wir zum eigentlichen Problem einiger Linken. Sie sehen sich erst als Sozialisten, erst danach als Demokraten. Und genau da geht die Rechnung nicht auf. Die pubertäre Revolutionsromantik, die einen Fidel Castro, Diktator für 50 Jahre, in einem rosigen Licht zeigt, oder die Rechtfertigungsversuche für Maduro, der sein eigenes Parlament entmachtet und bei Wahlen jedem gefährlichen Gegner die Kandidatur verboten hatte, haben nichts mit „links“ zu tun.

Als Linker stehe ich zu gewissen Prinzipien. Ein Prinzip ist zum Beispiel, dass ich keine Tyrannen verehre. Ein anderes, dass jeder in einer Gemeinschaft eine Stimme hat. Ein Drittes wäre, dass ich Minderheiten schütze – auch und vor allem, wenn diese Minderheiten nicht meine Meinung vertreten.

Aber keine Prinzipien oder Werte überleben die Transformation in eine Ideologie, und keine Ideologie erhält sich die Menschlichkeit in der Begegnung mit der Realität. Ideologie giert nach Macht. Und Macht korrumpiert.

Wenn also ein Maduro, der sich sozialistisch nennt, mit Tricks und Machtmissbrauch seinen Platz sichert, kann ich ihn in keiner Weise verteidigen oder seine Taten relativieren, wenn ich meinen Prinzipien treu bleiben will. Wenn er sein Land nach einer Ideologie umbaut, die den grössten Teil seiner Bevölkerung in Armut, ja in Hunger hält, kann ich ihn nicht feiern, nur weil er in meinem schwarzweissen Weltbild auf „der linken Seite“ steht.

Es hat eine gewisse Tradition in der Geschichte unserer Linken, historische Arschlöcher mit zweierlei Mass zu messen. Eins für rechte Diktatoren und Autokraten und ein anderes für die Unterdrücker, die die rote Fahne schwingen. Und genau da verliert man einen grossen Teil seiner Glaubwürdigkeit und seiner Integrität.

Ich bin zuerst Demokrat, erst danach links. Und das ist wichtig. Weil all jene, die sich eine Revolution oder den Sozialismus wünschen, sich meist nicht überlegt haben, was sie mit der restlichen Bevölkerung, also mit den vielleicht 49 Prozent der Menschen machen, die keinen Sozialismus wollen. Man kann ein Ideal, eine Ideologie, nicht umsetzen, wenn dauernd die Gefahr besteht, dass man abgewählt wird. Von da an ist es nur eine Frage der Zeit, bis man den demokratischen Weg verlässt.

Ideologien, egal ob rechts oder links, führen immer zur Unterdrückung derjenigen, die dieser Ideologie nicht folgen wollen. Ideologien negieren die Vielfältigkeit der Menschen. Ideologien funktionieren nur, wenn man die Menschen dazu zwingt. Und genau da hat man mich verloren.

Ich bin lieber in einer freiheitlichen Demokratie in der Minderheit als in einer Diktatur an der Macht.