Kindersoldaten – Mitleid mit Mr. Köppel

Mit den massenmordenden Kindersoldaten der Roten Khmer vergleicht Nationalrat Roger Köppel die Schweizer Schüler, die für die Zukunft ihres Planeten streiken.

Zuerst wollte ich meinen Augen nicht trauen. Dann wurde ich so wütend, dass ich ihm wohl eine reingehauen hätte, wär er in diesem Augenblick vor mir gestanden. Wer schon mal einem ehemaligen Kindersoldaten zwischen den Knochen und Schädeln durch die Killing Fields in Kambodscha folgte, kann bei diesem Vergleich nur fassungslos die totale seelische Verkrüppelung dieses Mannes feststellen. Man muss von einer Art Krebs ausgehen, der das ethische Empfinden dieses Menschen immer schneller zerfrisst.

Aber dann fiel es mir wie Schuppen von den Haaren: Roger Köppel fürchtet sich wirklich extrem vor diesen Schweizer Schulkindern. Sie bestimmen die politische Agenda und die Wahlthemen für den Herbst einfach so locker an ihm vorbei.

Für einen Mann, der seine narzisstische Störung so sichtbar trägt wie Köppel, muss das fürchterlich sein. Nicht, dass er die Arbeit im Nationalrat so sehr lieben würde, aber die Wahlen sind wichtig für ihn. Während er im Parlament – ausser Weltwoche-Artikel zu schreiben – eigentlich nichts tut, sind ihm die Wahlen wichtig. Im Nationalrat gehts um Teamarbeit, bei den Wahlen geht’s in seiner Optik aber um ihn. Teamwork liegt ihm nicht so, aber die Wahlbühne kommt seinem Geltungsdrang doch sehr entgegen.

Und da hat er ja schon einen Nasenstüber eingefangen: Die Partei hat ihn nicht mal für die Ständeratskandidatur nominiert. Das musste er selbst an der Partei vorbei machen. Armer Roschee.

Und jetzt kommen diese Schulkinder und stehlen ihm Themenhoheit und Sichtbarkeit. Das ist eine tiefe Verletzung für einen Menschen wie Köppel. Nicht mal sein übliches Vorgehen, mit einem Nazi-Spaziergang oder einer anderen Provokation wieder ins Gespräch zu kommen, funktioniert noch.

Einige meiner Leser und Freunde meinten, ich solle ihm auch mit seiner jetzigen Provokation keinen Platz einräumen. Aber das brachte ich dann doch nicht übers Herz. Wer weiss, was sich der arme Mann antut, wenn mal niemand mehr über ihn spricht.

Ausserdem find ichs inzwischen huere witzig, dass er sich selbst an die klimastreikenden Schweizer Kinder hängen muss, damit er überhaupt noch breiter wahrgenommen wird. Nicht mal seine Provokationen können ohne die tonangebende politische Bewegung stattfinden.

Armer Roger.

*kopftätschel*