Tschüss, Roger Köppel, war nett mit dir …

Lieber Roger

Ich muss zugeben, dass du mir sicher fehlen wirst. Ich war einer von denen, die immer Schnappatmung bekamen, wenn du wieder eine deiner Provokationen losgelassen hast. Sorry, dass das jetzt vorbei ist.

Aber eigentlich hätte es mir schon im Frühling, nach der SVP-Wahlschlappe in den Kantonen, aufgehen sollen: Du bist inzwischen irrelevant. Nur wer Angst hat, nimmt so eine Ochsentour in Kauf, und tingelt durch alle Zürcher Gemeinden, um die Leute auf die Wahlen im Herbst einzupeitschen. Noch erstaunlicher, da du dich sonst nur im eigenen Blatt und in deutschen Talkshows zu Wort meldest.

Die Pause ist vorbei, die anderen wenden sich wieder wichtigen Sachen zu, während du alleine auf dem Pausenplatz vor ein paar Groupies  weiter den Clown gibst. Jeder anständige Bürgerliche – von FDP über CVP bis hin zur EDU und aus deiner EIGENEN Partei – hat sich inzwischen von dir abgewandt. Niemand will sich bei deiner Schwäche und deinem Irrsinn anstecken, und politischen Schaden erleiden.

Du hast sogar treue Unterstützer wie den Alex Baur in Verlegenheit gebracht, die sich öffentlich für deine wirren Äusserungen zum Klima, zum Fall Glarner und zu Rackete rechtfertigen mussten. Aber die kriegen wenigstens Geld dafür.

Weisst du,  sogar die anständigen SVPler in den Kantonsparteien mögen dich nicht mehr. Hinter vorgehaltener Hand beschweren sie sich bei mir, einem dezidiert Linken, dass du arrogant seist, dass du das Gefühl für das Volch verloren hättest, wirr agierst und von Wut getrieben seist.

Du hast als Spitzen-Zugpferd begonnen, und jetzt lassen sie dich noch den Mistwagen der rechtsnationalen Spinner und der Verschwörungstheoretiker zu den Wahlen ziehen. Spoiler: Du bist kein politischer Messias, du bist inzwischen nur noch der peinliche, laute Cousin, für den man sich an den Familienfeiern schämt.

Während du vor vier Jahren noch die grosse, böse Nemesis für jeden Linken warst, bist du jetzt der etwas derangierte Penner im Hauseingang, der zwar auch Angst auslöst, aber keine existenzielle Bedrohung mehr verkörpert. Vom Erzfeind zum Ärgernis ist ein tiefer Fall, nicht wahr?

Sorry for that.

Schwäche kann man nicht so gut verstecken. Vor Kollegen sowieso nicht, aber auch nicht vor den Wählern, die sicher merken, dass du den Job, für den du gewählt wurdest, nicht nur nicht machst, sondern sogar öffentlich diejenigen verachtest, die ihre Pflicht für die Schweizer BürgerInnen erfüllen.

Aber das eigentliche Geheimnis ist, dass du gar nicht fähig bist, den Job als Parlamentarier zu erfüllen.

Du bist wirklich schwach geworden, und deine ehemaligen Mitläufer riechen Schwäche auf Meilen und sind davon abgestossen. So bleiben dir nur noch die total  verblendeten Fans und Groupies. Die kann ich sowieso nicht erreichen, also brauche ich mich auch nicht mehr auf deine Provokationen einzulassen.

Du weisst, ich habe deine Karriere vom brillanten, jungen Journalisten zum charakterlosen Opportunisten mitverfolgen dürfen, haben wir doch viele gemeinsame Bekannte. Und ich hab Parallelen entdeckt.

Während ich mit meinem Narzissmus der Heroinsucht erlegen bin, bist du deinem Narzissmus direkt zum Opfer gefallen. Dein Geltungsdrang, unterstützt durch den Kredit, der dir eine eigene Zeitung ermöglichte, hat deine Psyche ausgebrannt und dich ernsthaft seelisch vergiftet. Dein Sinn für Gerechtgkeit ist gestorben, dein Gespür für Menschen verkümmert. Du hast sogar dein ehemals brillantes journalistisches Gespür verkommen lassen. Du kannst nur noch die kaputtesten, bösartigsten unter den Schweizern (und den Deutschen) begeistern. Hart, nicht?

Und du bist an einem Punkt angekommen, an dem du Recht haben musst, erfolgreich sein musst, oder zusammenbrichst und deine Person hinterfragen müsstest. Ich wette, manchmal vor dem Einschlafen kommt die Angst, dich der Person stellen zu müssen, die du geworden bist.

Aber das einzige, was dich noch interessiert, ist, dass dein Selbstbild nicht zusammenbricht. Wie gesagt, ich kenn das, ich war auch so. Nur hatte ich nach einem totalen Stopp die Chance, meine Persönlichkeit zu hinterfragen und zu heilen.

Also, ich hoffe, du erkennst deine Entwicklung, bevor du nach deinem Flug zu den Sternen so endest wie dein Freund Bannon, als wirres, alkoholkrankes, hochverschuldetes, von allen verachtetes Wrack.

Und ja, wenn du mal Hilfe brauchst, nicht mehr weiter weisst, nicht mehr so leben willst, ohne ethischen Kompass, ohne Werte ausser dir selbst, darfst du dich gerne melden. Ich kann dir da ein oder zwei Tipps geben, wie du wieder zu einer gesunden, für die Gemeinschaft wertvollen Person wirst.

Bis dahin entlass ich dich aus meiner Aufmerksamkeit, bis du wieder etwas Relevantes leistest.

Goodbye und alles Gute auf deinem Weg. Ich hoffe, du kriegst das hin.