Kinderblut im Mörder-Kässeli

Man könnte meinen, der Bundesrat Schneider-Ammann könnte das Wort „Ethik“ nicht mal buchstabieren, wenn er es ablesen könnte. Er und seine Partei wollen, unterstützt von der SVP, Waffen in „Konfliktgebiete“ (sprich: in aktive Kriege) liefern, um für die Schweizer Todesindustrie weitere Gewinne zu ermöglichen. Das hat gerade die sicherheitspolitische Kommission des Nationalrats unter dem Diktat von SVP und FDP beschlossen.

Nur schon hier könnte man im Strahl kotzen.

Es reicht nicht, dass wir Waffen an die Saudis verkaufen, für die Menschenrechte ein Fremdwort sind, und die noch immer Folter und Köpfen legal in ihrem Justizsystem haben.

Jetzt wollen die beiden bürgerlichen Parteien an den Morden an Frauen und Kindern mitverdienen, die in den unterschiedlichsten Konfliktgebieten an der Tagesordnung sind. „Aber unsere Waffen werden nicht in Konflikten eingesetzt“, kommts da aus der bürgerlichen Ecke.

Hier kotze ich zum zweiten Mal.

Waffen werden in Konflikten eingesetzt. Dazu sind sie da. Das ist ihr einziger Zweck. Und selbst wenn die Waffen nicht direkt in Bürgerkriegen eingesetzt werden: Es ist ein Verbrechen, Waffen an Regime zu verkaufen, die in Bürgerkriegen mitmischen. Es ist Mord. Dass die FDP kein Problem damit hat, Gewinne mit Morden zu machen, ist nicht überraschend. Das steht da sicher irgendwo im Parteiprogramm. Heuchelei kann man den Anbetern des Mammon nicht vorwerfen. Bei der  SVP sieht das schon anders aus.

Hier kotze ich zum drittel Mal.

Es scheint, dass die SVP stark daran interessiert ist, die Krisenherde im Nahen Osten und weltweit am Köcheln zu halten. Hierzulande gehen nämlich die Flüchtlingszahlen zurück und die Partei verliert damit ihr Hauptwahlkampfthema. Ein bisschen mehr Krieg und Zack, die Flüchtlinge kommen zurück. Guter politischer Ansatz. Und so schön im EInklang mit Schweizer Werten (nicht).

Und jetzt kotze ich gleich meine Eingeweide raus.

Sowohl die SVP wie auch die FDP wollen diesen Entscheid keiner parlamentarischen Vernehmlassung unterziehen. Das heisst, sie wollen keine öffentliche Diskussion über ihren Entscheid, mit Schweizer Waffen in Bürgerkriegen mitzumischen. Wahrscheinlich hätten sie die ganze Sache am liebsten während der WM über die Bühne gebracht, damit auch niemand mitbekommt, was für einen menschenverachtenden, bösartigen Scheissdreck sie da durchziehen.

Aber, liebe bürgerlichen Parteien, nicht mit uns. Wir stopfen euch euer Blutgeld wieder in den Rachen.

Und denkt nicht, dass „wir“ nur Linke sind. Auch die Basis eurer eigenen Parteien hält das Verdienen am Töten von Menschen für einen ethisch degenerierten Scheissdreck.

Solltet ihr also bei eurer Entscheidung bleiben, wird es nicht schwer sein, eine Initiative zu lancieren, die die Rüstungsindustrie und deren Lobby brutal in den Senkel stellt. Ein totales Exportverbot für Waffen wäre ein Denkansatz.

Wir lassen uns weder aus den demokratischen Entscheidungsprozessen auschliessen, noch werden wir die Schnauze halten.

Vergesst nicht, wir sind eure Arbeitgeber.

Der Fehrrorist

Angst vor Druck und Telefonterror hält einige Zürcher SP-Delegierte davon ab, sich frei und offen zur Causa Fehr zu äussern. Anonym werden sie gegen ihn stimmen, aber sich weder öffentlich noch parteiintern erkennbar gegen den Parteifürsten stellen. Für sich allein betrachtet mutet das seltsam an und man könnte meinen, diese Delegierten seien einfach Weicheier. (Und man fragt sich willkürlich, was das für eine Partei ist, in der ein einziges Mitglied die Agenda bestimmt und Leute einschüchtert.)

Ist man aber selbst schon mal mit Fehr aneinander geraten, weiss man, dass diese Angst  vor seinen Aktionen angebracht ist. Ich hab in meiner Zeit als Zürcher Lokaljournalist und auch als Blogger einige Erfahrungen mit Mario Fehr machen dürfen.

Natürlich nie direkt. Er hat immer meine Vorgesetzten angerufen und reklamiert. Nicht einmal angerufen, sondern diverse Male, manchmal bis spät in die Nacht. Hat das nichts genutzt, hat er gedroht, das Medium zu boykottieren. Das heisst, er hat dann (nachweislich) als gewählter Exekutivpolitiker das Gespräch mit einem einzelnen Medientitel verweigert, manchmal für Monate, während er mit ihm genehmen Medien sprach. Das alleine würde in meiner Wahrnehmung schon die Pressefreiheit ritzen.

Nicht jeder meiner Vorgesetzten konnte diesem Druck standhalten, oft auch, weil sie selbst der SP nahe standen. Denn Mario Fehr begnügt sich nicht mit direkten Angriffen, er ruft auch die Freunde, die Vorgesetzten der Vorgesetzten an, wenn nötig den Chefredaktor oder den Verleger. Er benutzt sein ganzes Netzwerk, um Macht auszuüben, um die Berichterstattung zu beeinflussen oder abzuwürgen. Ein Machtmensch mit offenbar nur rudimentärem Verständnis von Presse- und Meinungsäusserungsfreiheit.

Nächste Woche steht die SP-Basis vor der Entscheidung, Mario Fehr wieder  für die Wahl zu nominieren. So will die SP-Führung die Causa Fehr ein für allemal klären.

Das ist blauäugig. Denn die SP hat nicht Probleme mit Mario Fehr. Mario Fehr IST das Problem. Einige mögen meinen, dass die SP einer breiten Meinungsvielfalt Raum geben müsse. Das stimmt. Aber wenn jemand wie Mario Fehr rechtsbürgerliche, antisoziale Asylpolitik betreibt, ist das nicht „breite Meinungsvielfalt“, es ist beliebig. Mario hat mehr Fans rechts ausserhalb der eigenen Partei als bei den eigenen Leuten. Und er führt sich auf, als sei er ein kleiner Diktator.

Alles, was die Zürcher SP in den letzten Jahren an schlechter Presse hatte, nahm irgendwie Bezug auf Mario Fehr.

Ich bin kein SP-Mitglied. In den meisten Abstimmungen bin ich aber auf der Linie dieser Partei. Bei Wahlen sieht das nun anders aus. Ich werde mich bei Kandidaten, die ich nicht kenne, eher für die Grünen oder eine andere Linkspartei entscheiden. Ich wähle Parteien, bei denen ich davon ausgehen kann, dass sie meine Werte in einer Regierung vertreten. In die Exekutive wähle ich Persönlichkeiten, die ihren Job soweit möglich nach gemeinsamen Prinzipien ausüben.

Als liberaler Linker kann ich aber ganz gewiss nicht einen Mario Fehr wählen, der mit den begeisterten Stimmen von Menschen gewählt wird, die meinen Werten diametral widersprechen. Natürlich bin ich kein Parteistratege, sondern ein normaler Demokrat, der daran glaubt, dass die Parteien für Werte und nicht für reinen Machterhalt stehen sollten. Aber vielleicht ist dieser Sitz im Regierungsrat ja auch wichtiger als sozialdemokratische Grundprinzipien.

Und als linker Demokrat kann ich bei Mario Fehr nicht nur nichts Sozialdemokratisches mehr entdecken, ich zweifle auch an seinem demokratischen Verständnis seines Amtes. Ob das nun der Einkauf von (damals illegalen) Staatstrojanern, die Ausschaffung von Kindern und jugendlichen Flüchtlingen, die Ghettoisierung von Flüchtlingen über das Geldregime oder den Aufmarsch von zwei Polizeikorps und Mitarbeitern der Sicherheitsdirektion für ein ausgeschüttetes Bier betrifft.

Mario Fehr wär für mich unwählbar. Als Linker, aber in erster Linie als Demokrat.

Zum Glück stehe ich nicht vor dieser Entscheidung, da ich inzwischen in einem anderen Kanton wohne. Und dort hat auch Marios Telefonterror keine Wirkung 🙂

Schnell weg damit.

Wo sind nur unsere Leichen?

Ich weiss, Sie wollen das eigentlich nicht hören, aber ich hab diese Woche zwei Leichen gesehen.

Eine davon ein Verkehrsopfer, ein Mann in meinem Alter, der lange neben seinem Motorrad auf der Strasse lag, den Helm noch auf dem Kopf. Der Verkehr wurde von einem stoischen Polizisten um den Toten herum gelenkt, der tote Körper nicht abgedeckt.

Die andere Tote war eine sehr alte Frau, die offenbar auf dem Markt kurz vor einem Gewitter einen Herzinfarkt erlitt. Sie sass tot auf einem roten, alten Plastikstuhl, die Augen noch geöffnet, umgeben von weinender Familie und hektisch telefonierenden Ladenbesitzern.

Sie habens vielleicht erraten: Ich bin nicht in der Schweiz. Ich bin gerade auf einer thailändischen Insel. Aber ich bin nicht weg von der Zivilisation, nicht in einem Kriegsgebiet oder in einem Entwicklungsland. Die Menschen sterben hier nicht öfters als anderswo. Sie sterben hier genau einmal pro Person, wie bei uns. Bin ich hier diese Woche mehr Tod begegnet als in Zürich in den letzten 15 Jahren.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Es gab in der Vergangenheit einige Todesfälle in meinem Umfeld, einige Beerdigungen. Aber an diesen Beerdigungen begegneten mir geschlossene Särge, Urnen mit Asche von Verstorbenen, keine sichtbaren Toten.

Man sieht bei uns keine toten Menschen.

Und wenn jemand die Schamlosigkeit besitzt, öffentlich sichtbar und nicht im stillen Kämmerlein oder im Spitalbetrieb (möglichst ausserhalb der Besuchszeiten) zu sterben, kommen gleich fleissige, kleine Aufräumer und beseitigen jede Spur dieses anstössigen, unangemessenen, letzten Verhaltens.

Das geht doch nicht, dass wir mit bewusster Ernährung, Gesundheits-App, Fittness-Abo, Yoga und Kardio-Training unserem Körper jeden Gedanken an unsere Sterblichkeit austreiben und dann kommt irgendwer daher und erinnert uns so unhöflich an die Endlichkeit des Seins. Pfui Teifel.

Aber was macht Leben für einen Sinn, wenn man es nicht mit einem Blick auf die Endlichkeit lebt?

Wir bekämpfen den Tod so erbittert, als ob wir gewinnen könnten – und verbringen damit oft das letzte Drittel unseres Lebens, indem wir das Leben verteidigen anstatt es zu geniessen.

Leichen sehen wir nur nur noch in Game of Thrones oder irgendwelchen Netflix-Serien. Und da ist sichergestellt, dass die Leute so absurd sterben, dass es nichts mit unserem Leben zu tun hat. Oder kennen Sie jemanden in Ihrem Umfeld, der kürzlich geköpft, gepfählt, ins All gestossen oder über 800 Meter von einem Scharfschützen umgenietet wurde? Eben.

Komischerweise werden wir umso geiler auf Tote, je weniger sie in unserem realen Leben stattfinden. Es gibt kaum eine neue Serie, kaum ein Film, bei dem es nicht um Tod geht. Aber anders als Gewalt kann man den Tod nicht in die Kunst auslagern.

Natürlich zeigen uns die Medien auch echte Tote. Meist in Zahlen. XX Kriegsopfer dort, XX Tote bei einer Katastrophe da. Dann sind wir betroffen, ohne wirklich betroffen zu sein. Es hat ja nichts mit uns zu tun.

Dabei hätte die sichtbare, für uns erfahrbare Sterblichkeit durchaus eine positive Wirkung. Da wär erstens Mal die Dankbarkeit. Das pure Gefühl, dass man noch lebt und auch für jede weitere Sekunde dankbar sein kann, das einem im Angesicht eines Toten befällt. Früher hatten solche Memento Mori den Sinn, uns bescheidener und demütiger zu machen. In unserer Zeit ist Bescheidenheit Schwäche und Demut wurde zum falsch verstandenen Synonym für feige und unterwürfig.

Dann aber auch das Bewusstsein der Zerbrechlichkeit des eigenen Seins und des Lebens der anderen. Ich fuhr um einiges vorsichtiger, nachdem ich in Schrittempo an einer Leiche vorbei gewinkt wurde. Und ich hab mir am Abend darauf, neben der Leiche der älteren Frau, vorgenommen, mehr Zeit mit meinen Lieben zu verbringen und weniger Zeit mit Konsum, der mir die Birne füllt, mir aber nichts emotionales bringt.

Tote gehören in unsere Welt, wenn wir menschlich bleiben wollen. Wir müssen sie nicht wächsern in Mausoleen stellen, aber es wäre schön, wenn die Hüllen unserer Mitmenschen nach ihrem Tod nicht gleich entsorgt würden wie Kaugummipapier, das von den Bürsten der Strassenreinigern weggefegt wird. Ab und zu sollte uns eine Leiche das Leben in Erinnerung rufen.

Polemik – die verachtete Streitkunst

Zack!

Zack!

„Das ist reine Polemik!“ höre ich oft als Reaktion auf meine Essays, Blogbeiträge und Social-Media-Äusserungen. Und das ist nicht als Kompliment gemeint. Ich solle weniger den Zweihänder und mehr die feine Klinge benutzen. Gerade Kollegen aus der schreibenden Zunft fühlen sich von Wortwahl und Brutalität meiner Argrumentationsketten oft regelrecht abgestossen. Polemik ist in der Schweiz „Pfui bäh!“.

Man äussert sich ind er Schweizer Medienwelt und Politik wohltemperiert und gediegen, Angriffe finden mittels geworfener Wattebällchen statt. Polemik ist das unsaubere Mittel des politischen Gegners. Schliesslich versteht man sich selbst ja als kultiviert und – vor allem – überlegen.

So edel sich das anhört, so schwachsinnig (hier ist Polemik zu spüren) ist dieser Dünkel gegenüber klaren, angriffigen und manchmal verletzenden Worten. Um beim Sprachbild der Klingen zu bleiben: Natürlich benutze ich gegen gewisse Gegner „die feine Klinge“. Ist mein Gegner jedoch ein gepanzerter, mit Streitkolben gewappneter Goliath, stecke ich den Degen weg und greife zur Streitaxt. Wenn ich mich politisch äussere, will ich den Gegner nicht kitzeln, ich will ihn verbal niederringen. Dazu bewege ich mich auch mal ausserhalb dessen, was man hierzulande als „anständig“ bezeichnet. Und es wirkt, wie man zum Beispiel an Jan Böhmermanns Erdogan-Gedicht sehen kann.

Leider gibt es wenige grosse Medien, die sich harte Polemiken leisten, meist aus Angst vor Klage, oder weil sie ihren Leser das Verständnis und die Toleranz für Streitschriften absprechen.

Polemik ist Pfui

In der Schweiz gibt’s gerade mal drei Polemiker mit grösserer Reichweite, die regelmässig den politischen Gegner herausfordern: Roger Köppel in seinem Editorial, Roger Schawinski und Frank A. Meyer. Aber während Köppel Polemik gezielt einsetzt, um politische Themen zu setzen – oft leider nicht faktenbasiert – reagieren die beiden eher linken Polemiker Schawinski und Meyer oft nur auf bereits bestehende Situationen. Und ich bin mir sicher, das alle drei die Bezeichnung „Polemiker“ weit von sich weisen würden. Auch sie nehmen für sich in Anspruch, „objektiv“ zu sein, was natürlich bei einer offensichtlichen politischen Ausrichtung nicht stimmt.

Selbst unsere Schweizer Satiriker zeichnen sich im Vergleich zum englischen Sprachraum – oder nur schon zu den deutschen Kollegen – durch eine immanente Beisshemmung aus. Kaum einer greift an. Der Unterhaltungswert ist wichtiger als die Botschaft. Man ist Comedian und nicht Kabarettist. Andreas Thiel, der einzige bissige Exponent dieser Szene benutzte Polemik hingegen als Marketinginstrument mit reinem Selbstzweck. Wie das ausging, wissen wir ja.

Also auch hier: Polemik ist Pfui. Dabei nutzten Denker, Philosophen, Wissenschaftler und eben auch politische Autoren von den alten Griechen über Gotthold Ephraim Lessing, Arthur Schopenhauer, Heinrich Heine, Karl Marx bis Kurt Tucholsky auf der Bühne, auf Papier und jetzt eben auch online die altehrwürdige Streitkunst der Polemik. Und diese Typen waren nicht nett zu ihren Gegnern – wirklich nicht – obwohl sie heute als Klassiker gelten. Selbst Max Frisch war sich nicht zu schade, auch mal polemisch zu argumentieren.

Objektivität als Fetisch

Polemik bedeutet, dass man klar Stellung bezieht, dass man in einem Streit als Person Partei ergreift. Doch kaum einer getraut sich: „Objektivität“ ist in der Schweizer Politik und Medienlandschaft (abgesehen von der Weltwoche und der Wochenzeitung) eine Art Fetisch geworden. Man will nicht klar für Werte einstehen, weil man damit vielleicht einen Teil der Leser oder einen Teil der Wähler verlieren könnte. Also meidet man Polemik, formuliert so vorsichtig, dass man beliebig wird. Deutschland ist diesen Weg politisch bereits gegangen, was dazu führte, dass man die SPD und die CDU/CSU lange Zeit inhaltlich kaum mehr unterscheiden konnte und dafür Parteien wie die AfD ein scharfes Profil bekamen. Nur so ist es zu verstehen, dass ein Martin Schulz ohne politisches Programm aber mit klaren Werten und Worten die Kanzlerin herausfordern kann. In der Schweiz sind es Exponenten der SVP, die ihr Profil mit Polemik schärfen und so die anderen Parteien hilflos und schwach aussehen lassen.

Lustigerweise benutzen in der Schweiz viele Politiker und Autoren den Begriff „Polemik“ polemisch: Es ist immer der Gegner, der polemisch ist. Ehrewort! Immer, wenn es gilt eine Argumentation zu diskreditieren, wird dem Gegner Polemik vorgeworfen. Zum einen, um den eigenen Standpunkt als hehr und lauter darzustellen und den Gegner als pöbelnden Schreihals zu brandmarken, zum anderen, um sich selbst als „objektiv“ zu positionieren. Damit lässt sich vortrefflich Kritiken abschmettern und Fragen ausweichen. Ich horche jedes Mal auf, wenn jemand der Polemik beschuldigt wird. Meist kann ich da dann ein schmerzhaftes Argument oder ungeliebte Fakten finden, die der Angegriffene lieber nicht diskutieren will.

Natürlich ist es einfach, jedem faktischen, hart formulierten Angriff mit dem Vorwurf der Polemik zu begegnen. Insofern ist „Polemik“ die Nazi-Keule derjenigen, die sich nicht auf einen schmerzhaften Diskurs einlassen wollen, entweder weil sie lieber mit Wattebällchen werfen, oder weil sie wissen, dass sie den Angriff anders nicht abwehren können.

Die dringende Notwendigkeit der harten Worte

Dabei war der Bedarf an klaren, harten Worten seit dem zweiten Weltkrieg nie mehr so eindeutig. Zur Zeit sehen wir in Europa und auf der ganzen Welt eine Welle des politischen Populismus. Faktenfreie Angriffe auf den humanistischen Konsens der Demokratien fordern aufgeklärte und liberale Denker und Politiker heraus, die leider nur mit feingeistigen Erklärungen und wissenschaftlichen Erklärungen reagieren, die kein Schwein ausserhalb einer kleinen, bereits engagierten Gruppe liest.

Aber Populismus funktioniert nicht rational, sondern charismatisch. Sowohl die Exponenten wie auch die Botschaften arbeiten über eine emotionale Anziehungskraft. Und weil Populisten das Instrument der Polemik benutzen, gilt es auf der Seite der Gegner als verpönt. Inhalt wird mit Form verwechselt. Das können wir uns nicht leisten. Um die Kraft der Populisten zu brechen, muss man sie demaskieren, man muss sie verbal und inhaltlichen demütigen. Das klingt hart, aber es ist der einzige funktionierende Weg. Menschen, die sich von Populisten angezogen fühlen, folgen dem starken Leitwolf, dem am härtesten vorgebrachten Argument. Lässt man beides schwach oder gar lächerlich aussehen, wenden sich viele Mitläufer ab. Mit freundlichen Worten und Wattebällchen hat in der ganzen Menschheitsgeschichte noch niemand Populisten oder Extremisten aufgehalten.

Der Klügere gibt nicht nach.

Ich schreibe eine Polemik nicht, um den Gegner von meinen Argumenten zu überzeugen. Ich schreibe eine Polemik, um dem Leser, dem Publikum, aufzuzeigen, wo die Schwächen, die Denkfehler und das ethische Versagen des Gegners liegt.

Das ist in der Schweiz ein ungeliebtes Konzept, da man lieber im Konsens badet. Aber es ist genau dann notwendig, wenn sich kein vernünftiger Konsens abzeichnet, wenn die Mitte in Gefahr ist. Wenn der Klügere immer nachgibt, steht er irgendwann am Abgrund oder mit dem Rücken zur Wand. Man benutzt Polemik, um klarzustellen, in welchem Rahmen überhaupt eine Einigung möglich ist, wo die Grenzen des Verhandelbaren liegen. Man grenzt ab, ein, aus.

Eine feine, vernünftige Zurechtweisung reicht da nicht. Manchmal muss man hinstehen und sagen was Sache ist: „Bis hierhin und nicht weiter.“ Wenn man zu oft den Konsens mit den Extremen sucht, findet man sich selbst sehr schnell ausser Balance. Mit jeder Einigung mit den Rändern der politischen Landschaft verschiebt die eigene Mitte in deren Richtung.

Auf den Mann spielen

In der Schweiz zielt man nicht gerne auf die Person. Aber gerade heute ist es wichtig, aufzuzeigen, woher und von wem die jeweiligen Botschaften kommen. Man kann eine Information nicht unabhängig von ihrem Absender einordnen. Dazu ist es notwendig, jemanden nicht nur der Lüge oder der Hetze zu überführen, sondern ihn auch „Lügner“ oder „Hetzer“ zu nennen. Ich persönlich benutze in meinen Texten oft viel härtere Ausdrücke, um den emotionalen Druck, die Wut, die Kraft und den Widerstand in spürbare Worte zu fassen.

Natürlich gibt es auch bei Streitschriften Abstufungen: Manchmal reicht feine Ironie und ein Seitenhieb, manchmal braucht es geradewegs eins in die Fresse. Das ist aber nicht vom Autor abhängig, sondern vom Ziel, das er treffen will. Und dann muss man sich über die innere, zivilisierte Beisshemmung hinwegsetzen.

Fakten sind die Munition, Polemik ist die Waffe

Es gibt Grundregeln für eine gute Polemik: Sie muss faktentreu sein. Nur eine belegbare, empirische Demaskierung entwickelt Kraft. Man benutzt die Fakten wie Wurfgeschosse während die polemische Form als starkes Katapult wirkt, mit dem man sicher sstellt, dass man den Gegner auch trifft. Wütende Angriffe ohne empirische Grundlage ohne Fakten ist nur hilfloses Wüten. Sie muss eine klare Position beziehen, und sie darf nicht gegen Ende in eine typisch Schweizerische Apologie ausfransen.

Um eine treffende, funktionierende Polemik zu schreiben, muss man in Sache und Hintergrund sattelfest sein. Man muss die Argumentation des Gegners voraussehen und bereits im Ansatz demontieren. Man muss seine Argumente, seine Aussagen und seine Handlungen in einen ethischen Bezugsrahmen stellen und die Definition des Framings selbst bestimmen.

Der Leser, das Publikum muss am Ende klar in für und wider geteilt sein. Nun muss man aber die gegnerische Position so herausarbeiten, dass da nur noch die überzeugtesten Anhänger stehen wollen. Die kann man mit einer Polemik sowieso nicht überzeugen. Aber die Unentschlossenen, die Mitläufer, die Mitleser, die müssen sich vom Gegner abwenden.

Eine Polemik Während Kurt Tucholsky seine Polemiken satirisch und bitterböse umsetzte, waren zum Beispiel Schopenhauers Denkmuster eher moralisch.

Die Verantwortung

Natürlich kann man sich als eloquenter Schöngeist angewidert abwenden und sich Populisten und Hetzer wegwünschen. Man hält sich Ohren und Augen zu, meidet Kommentarspalten und Medienprodukte, in denen sich die populistische Pest ausbreitet, und rezitiert laut freundliche Gedichte.

Oder aber man steigt in die Niederungen der direkten Kommunikation und macht sich selbst im öffentlichen Streit die Hände schmutzig. Man steht hin für seine Position, wird laut, wahrnehmbar. Man ist bereit, für seine Werte auch mal Schläge einzustecken und seine Texte nicht aus dem Elfenbeinturm der Höflichkeit als Papierflieger auf die Leser herunterregnen zu lassen.

Polemiken zu verfassen und unter dem eigenen Namen zu veröffentlichen ist kein Zuckerschlecken. So viel Spass es machen kann, sich in die verbale Schlacht zu stürzen, so angreifbar wird man als Person dabei. Um eine polimische Position einzunehmen, hilft etwas reflektierter Narzissmus. Aber man muss es auch aushalten können, wenn man gehasst wird und polemische Antworten kriegt.

Wenn wir uns schon Autoren, Politiker, Denker, Künstler und was weiss ich nennen, beinhaltet dieses Selbstbild auch eine Verantwortung der Gesellschaft gegenüber. Wenn wir aus Sorge um unser Image nicht bereit sind, auch etwas zu riskieren, haben wir diese Auszeichnungen auch nicht verdient.

Gefürchtet wie ein Dreijähriger mit Streichhölzern im Dynamitdepot.

Trump besiegt meinen Anti-Amerikanismus

Präsident Trump macht mir keine Angst. Auch seine irrationalen Äusserungen, sein wirrer Sprachgebrauch, seine Faktenintoleranz und auch sein latenter Rassismus oder Sexismus lassen mich nicht um die Zukunft der Welt bangen. Seine getwitterte Aussenpolitik oder seine Schüsse gegen die freie Presse kann ich gelassen nehmen.

Die Umstände, die mich bei Obama so enttäuschten, lassen mich bei Trump hoffen: Obama war es nicht möglich, die USA in den letzten acht Jahren, wie von vielen Linken erwartet, zu einem linksliberalen Zuckerguss-Paradies mit regenbogenfurzenden Einhörnern umzubauen.

Obama war ein guter Präsident, aber eben auch nur in dem Masse, wie es ihm in Amt und in den Pflichten eines PotUS möglich war. Er konnte keine Kriege beenden, liess Guantanamo bestehen, liess Menschen auf der anderen Seite des Globus mit Drohnen killen und noch immer sind US-Truppen in Gegenden aktiv, in denen sie eigentlich nichts verloren haben.

Und genau wie Obama nicht einfach seine private Agenda gegen die Interessen des US-Systems durchziehen konne, wird Trump diese grosse Nation auch nicht in Mordor verwandeln können. Anders als Putin im neu aufgesetzten Russland, kann er das lange und stabil gewachsene System nicht für seine autokratische Art missbrauchen.

Erstaunlicherweise setze ich mein Vertrauen in meine alten Erzfeindbilder, in die US-Wirtschaft, in die Lobbyisten und die US-Geheimdienste, von denen ich hoffe, dass sie Trump schon in Schach halten können. Die Mächte in den USA, die ich für zutiefst antidemokratisch hielt, sind nun plötzlich eine mögliche Garantie gegen das Chaos, das ein einzelner Präsident auf der Welt und im eigenen Land anrichten könnte.

Auch weltpolitisch siehts aus, als wären wir gerade jetzt auf die USA angewiesen. Und auch da hoffe ich auf die imperialistischen Interessen, die ich früher so verteufelt habe. Obamas Zurückhaltung, aber vor allem Trumps Wahl, haben mir vor Augen geführt, wohin die Welt driften kann, wenn die USA nicht mehr ihre Rolle als Gegengewicht spielt. Siehe Syrien. Ja, manchmal wünscht ich mir den kalten Krieg zurück, als die Fronten klar und die Welt noch einfach war.

Natürlich bin ich weder Politikwissenschaftler noch Politiker, und meine Sichtweise gleicht eher einer Stimmungaufnahme als einer Analyse. Aber wenn mir die letzten Jahre etwas gezeigt haben, ist es, dass der Gefühlszustand der Menschen mehr in der Welt bewegt als die effektiven Fakten. Leider.

Die Hassliebe

Überraschenderweise söhnt mich die Wahl Trumps auf einer tiefen, psychologischen Ebene mit den US-Amerikanern aus. Ich wurde, wie viele urbane Europäer im 21. Jahrhundert, antiamerikanisch sozialisiert. Meine Eltern waren Salonsozialisten, die sich in den 60ern gegen den Vietnamkrieg engagierten. Linksliberale Aktivisten, die aus der Schweizerischen Sicherheit heraus bei billigem Rotwein und Protestsongs theoretisch die Welt verbesserten. Sie und ihre Genossen betrachteten alles, was aus den USA kam, mit Misstrauen. Das hiess Gaulloise statt Marlboro und Wodka statt Bourbon. Das hiess auch deprimierende tschechische und deutschdemokratische Autorenfilme in Schwarzweiss statt Hollywood. Die Generation meiner Eltern litt für ihre Ideale.

Natürlich waren selbst die Sozialisten damals schon ambivalent. Die Schlaghosen und die Beatnik-Kultur – später die Hippies – das alles kam aus den USA. Es war unmöglich, einigermassen „groovie“ zu sein, ohne auf US-Kultur zurückzugreifen. Die Friedensbewegung war damals klar antiamerikanisch, kam ober ohne Joan Baez und englische Slogans nicht aus.

Die nächste Generation, der ich angehörte, erbte sowohl den Antiamerikanismus wie auch die Ambivalenz. Nach dem Mauerfall und dem Untergang der DDR hatten wir zwar keine sozialistischen Argumente gegen die USA mehr, aber Reagan, Bush und Bush Junior machten es uns mit ihrer antisozialen Innen- und ihrer aggressiven Aussenpolitik leicht, die USA zu hassen. Natürlich fiel es uns leichter, die USA zu kritisieren, weil wir durch die freien Medien viel besser über die US-Politik informiert waren, als zum Beispiel über das neu entstehende Russland oder über das weit entfernte China. Die Ironie, dass eine grundlegende, demokratische Instanz wie die freie Presse es uns erst möglich machte, tief in die Fehler des US-Systems zu sehen, war uns nicht bewusst.

Wir lebten natürlich ein Paradox. Wir liebten Rocky, Star Wars und den Terminator. Wir schauten «Der mit dem Wolf tanzt» und hatten ersten Sex zur Musik aus der US-Hitparade. Wir fuhren Skateboard, holten uns beim Breakdance Zerrungen. Wir verteufelten McDonalds, skandierten aber unsere antiimperialistsichen Slogans an Demos mit Wrigleys Spearmint Kaugummi im Mund.

Wir sprachen den USA jegliche Kultur ab und badeten gleichzeitig im kommerziellen Output aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Wir hassten Bush und hörten dazu US-Bands, die Bush kritisierten. Wir waren US-ophil, imprägniert durch Werte, Lebensstil und Träume aus Übersee und verteufelten gleichzeitig diesen Einfluss.

Der Minderwertigkeitskomplex

Und genau lagen die Wurzeln des europäischen Anti-Amerikanismus: Wir hatten Minderwertigkeitsgefühle gegenüber den US-Amerikanern. Wir sahen die politische Macht und die kulturelle Strahlkraft dieser Nation und hatten ihr nichts als verknöcherte Geschichte und versteinerte Strukturen entgegenzusetzen. Frankreich bemitleidete sich noch für den Verlust der Kolonien in Nordafrika und seine zunehmende Bedeutungslosigkeit auf dem internationalen Parkett, Deutschland schämte sich noch für den zweiten Weltkrieg und nahm den USA gegenüber eine unterwürfige Haltung ein. Europa spielte keine Hauptrolle mehr. Als Ruine des zweiten Weltkriegs und Spielball im kalten Krieg hatten wir Europäer die jahrhundertelange Dominanz im Weltgeschehen den Amis abgetreten.

Die USA waren seit der Nachkriegszeit die Coolen. Im Schulsport würde man sie als erste ins Team wählen, sie wären mit der hübschesten Cheerleaderin liiert, hätten das geilste Auto und würden immer den ersten Touchdown hinlegen. Die USA verkörperte genau die Art lockere Überlegenheit, die man im mehr oder weniger irrelevant gewordenen Europa sowohl beneidete wie auch hasste.

Doch nach 9/11 hat sich etwas geändert. Die USA sah sich selbst nicht mehr als Macher sondern als Opfer. Sie agierten nicht mehr, sie reagierten. Natürlich halfen auch die nicht zu gewinnenden Kriege im Irak das Selbstbild der Amerikaner zu zersetzen. Die Globalisierung, die Innovationskraft und Visionen über den ganzen Planeten verteilte und in breiten, internationalen Netzwerken verankerte, taten ein weiteres.

Dass Nationen im grossen Spiel der Macht immer stärker von Interessensgruppen, Zusammenschlüssen über nationale Grenzen hinaus, abgelöst wurden, ist für eine so stolze Nation wie die USA, und vor allem für des Selbstverständnis der Bevölkerung, eine harte Nuss. Reagan hätte sicher nicht gedacht, dass er mit seinem Neoliberalismus den Grundstein dafür legt, dass viele seiner Mitbürger als Globalisierungsverlierer enden und sein Land an Bedeutung verliert. Trumps Wahl ist im Nachhinein gesehen nur die logische Folge, ein letztes Aufbäumen der Menschen, die einem heilen Weltbild der 80er gefangen und von den Veränderungen im 21. Jahrhundert überfordert sind.

Make Amerika great … again

Trumps Wahlkampf-Slogan macht eigentlich am Deutlichsten, dass sich etwas verändert hat. Trump will nicht Amerikas Grösse verteidigen, er will sein Land auch nicht weiter auf dem Erfolgspfad von internationaler Bedeutung führen oder „Amerika grösser machen“.

Er will die USA „wieder gross machen“. Das ist eine klare Aussage. Und sie impliziert, dass die USA nicht mehr „gross“ sind. Niemals hätte ich gedacht, dass ein so ausgesprochener Narzisst wie Trump einen so entlarvenden, beinahe schon bescheidenen Slogan benutzen würde. Der Spruch „Make Amerika great again“ hört sich nach Rekonvaleszenz an. Nach erlittenem Niedergang und verzweifeltem Suchen nach der alten Grösse.

Unbewusst scheint den Amerikanern ihr Selbstbewusstsein, ihre charmante und unausstehliche Arroganz abhanden gekommen zu sein. Das grossspurige, aber herzliche Auftreten, die zum US-Klischee geworden war, bröckelte. Und genau da löst sich mein Antiamerikanismus auf. Es gibt nichts mehr, das man beneiden oder hassen müsste.

Trumps Wahlsieg hat der Welt den Respekt vor den USA genommen. Natürlich ist die USA noch eine mächtige Nation. Aber man fürchtet Trump nicht wie eine bewaffnete, zielgerichtete politische Kraft. Man fürchtet Trump wie einen trötzelnden Dreijährigen, der in einem Dynamitdepot mit Streichhölzern spielt. Man fürchtet nicht die durchdachte, politische Interessenspolitik dieser Grossmacht. Man fürchtet im Gegenteil die Abwesenheit irgendeiner berechenbarer Ausrichtung.

Der letzte Wahlkampf – nicht nur Trumps Seite – hat eine der strahlendsten, westlichen Demokratien der Nachkriegszeit in eine Dating-Castingshow aus dem Trash-Nachmittagsprogram verwandelt. Die Spannung, mit der man früher die US-Wahlen verfolgte wich einem unangenehmen Gefühl des Fremdschämens.

Mitleid statt Angst

Und genau kippt meine Ablehnung der USA in Mitleid. Trumps narzisstische Grosskotzigkeit ist nur ein billiger Abklatsch des Selbstbewusstseins früherer Präsidenten. Das grossspurige Auftreten lässt uns die verzweifelte Sehnsucht nach alter Grösse wittern. Selbst mit seiner Bewunderung für Autokraten wie Putin lässt Trump die USA wie ein Mitläufer aussehen, als den Schüler, der gerne mit den coolen, tonangebenden Kids auf dem Pausenplatz abhängen würde. Vom Captain der Footballmannschaft zum Groupie degradiert. Und man beneidet oder fürchtet ein Groupie nicht. Man belächelt es.

Die Trump-Wahl ist ein letztes Aufbäumen gegen den Verlust der eigenen kulturellen Strahlkraft. Die Trump-Wähler glauben nicht mehr an ein grossartiges Amerika. Ich hingegen glaube inzwischen an ein grossartiges Amerika. Ich glaube an die Kraft derjenigen, die sich für ihr Land und ihre Lebensart einsetzen wollen. Der Pioniergeist, der diese Nation einmal gross gemacht hatte, entstammte nicht der Arroganz einer Grossmacht, sondern den Visionen, die eine zusammengewürfelte, multikulturelle Gemeinschaft den anstehenden Schwierigkeiten entgegengesetzt hat. Und genau diese Kraft und diese Visionen sind jetzt wieder gefragt.

In vier Jahren, nachdem Trump die USA vollständig zu einer Weltmacht zweiter Klasse degradiert haben wird, werden die Amis uns als Freunde brauchen. Und wir werden sie mit aller Kraft unterstützen. Denn was bleiben uns für Alternativen? In diesem Sinne: U S A! U S A! U S A!

«Globalisierungsverlierer können nichts dafür!»

Sie hatten keine Wahl. Sie müssen Arschlöcher sein.

Sie hatten keine Wahl. Sie müssen Arschlöcher sein.

Man braucht keinen Hochschulabschluss, um kein Rassist zu sein. Auch Arbeitslose können sich dem Sexismus verweigern. Und man muss nicht Ethik studiert haben, um zu verstehen, dass die Befürwortung von Folter Scheisse ist. Man kann sogar ohne grosse Bildung in Geschichte erkennen, dass die Internierung religiöser Minderheiten oder eine Mauer um das eigene Land keine Lösungen für Probleme sind.

«Er kann sich keinen Zweitwagen leisten, deshalb muss er Frauen an die Möse greifen!» ist keine adäquate Erklärung.

Es gibt Millionen Menschen, die nicht zur «Elite» gehören, die keine urbanen Hochschulabgänger sind, Leute, die ihren Job verloren haben oder als Alleinerziehende am Rande des Existenzminimums leben, ohne dass sie dabei rassistische, sexistische und unmenschliche Arschlöcher werden. Es gibt Unmengen «Globalisierungsverlierer», die menschlich, offen und empathisch handeln.

Alles, was es zu einer menschlichen Sichtweise braucht, ist eine gewisse Empathie für Andere. Einen Anstand, den man eigentlich aus dem Elternhaus mitbekommen sollte. Aber selbst wenn man von Wölfen aufgezogen wurde, kann man ein anständiger Mensch werden, indem man versucht, andere so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden will. Anstand ist eine Holschuld.

Es ist extrem herablassend von linksliberalen Kommentatoren und Journalisten, den «Globalisierungsverlierern», den weniger Gebildeten, den Minderpriviligierten die Verantwortung für ihre Entscheidungen abzusprechen. «Sie können keine menschlichen und ethischen Entscheidung treffen, weil sie Globalisierungsverlierer sind!» My Ass.

Wenn man diese Leute ernst nehmen will, muss man ihnen auch die Verantwortung für ihre Entscheidungen zugestehen und sie nicht wie geistig behinderte Schosstiere unter Schutz stellen. Wenn jemand sich wie ein Arschloch verhält, muss er damit leben, «Arschloch» genannt zu werden. Handlungen haben Konsequenzen.

«Aber wir müssen ihre Sorgen Ernst nehmen!» kommt als nächstes. Was für fucking Sorgen? Dass Neger und Kameltreiber das Land überrennen und ihnen Jobs und weisse Frauen wegnehmen? Dass sie bald Weihnachten in einer Moschee feiern müssen? Dass der IS den Bahnhof in Hinterpfupfikon in die Luft sprengt, was man schon an den drei Dunkelhäutigen sehen kann, die da immer rumstehen? Dass sie sich keine Markenturnschuhe leisten können und deshalb Flüchtlinge lieber im Mittelmeer verrecken lassen?

Nein. Ich muss diesen idiotischen Scheiss nicht ernst nehmen. Genauso wenig, wie ich jemanden ernst nehmen muss, der meint,  4 plus 4 ergebe 19. Ich kann ihm die Fakten zur Verfügung stellen. Wenn er sie nicht annimmt, nicht nachrechnet, sondern bei seinem Ergebnis bleibt, kann ich ihn getrost «Idiot» nennen. Information ist eine Holschuld.

Ich verletze also die Gefühle dieser Menschen und das ist nicht hilfreich? Bullshit. Wenn ich den rassistischen, sexistischen und einfach nur faktenfernen, unmenschlichen Dreck ernst nehme, fühlt sich mein Gegenüber noch stärker im Recht.

Soziologische, demografische oder politologische Erklärungsansätze sind super für theoretische Spekulationen im Elfenbeinturm der Intellektuellen. In der echten politischen Diskussion schaffen sie durch Entschuldigung eine Hintertür für ethisch verwerflichen Scheissdreck. Duldung durch Verständnis.

Es gibt gewisse Grenzen in der politischen Debatte. Diese werden durch den kategorischen Imperativ der Ethik gesetzt. Mord, sexuelle Übergriffe, Folter, Rassismus, Verfolgung und Ausgrenzung von religiösen oder anderen Minderheiten etc. sind nicht verhandelbar, eine Verletzung der freiheitlich-demokratischen Prinzipien nicht duldbar.

Wenn wir nicht für die Werte, die unsere Zivilisation ausmachen, einstehen, wenn wir sie nicht hart und klar verteidigen, sind sie nichts wert.

Wenn wir den Leuten nicht die Konsequenzen – Ächtung, Verurteilung, Ausgrenzung – für unmenschliches Handeln aufzeigen, machen sie einfach weiter.

Nur weil wir versuchen, anständig zu sein, sind wir nicht schwach.

Kleiner Mann mit kleinem Schwanz

Fürchtet sich vor Frauen, Homosexuellen und Andersdenkenden: Der kleine Erdogan

Fürchtet sich vor Frauen, Homosexuellen und Andersdenkenden: Der kleine Erdogan.

Meine türkischen Freunde sind gegen das, was Erdogan gerade aus der Türkei macht. Sie schauen mit Schrecken zu, wie sich ihr Heimatland in eine Diktatur verwandelt.

Meine türkischen Freunde äussern das nicht mehr öffentlich. Sie haben Angst. Nicht um sich selbst, sondern um ihre Familien daheim in der Türkei. Die könnten ihren Job verlieren oder im Gefängnis landen. Unter meinen türkischen Freunden hat es viele, die bis letzte Woche demokratisch und politisch engagiert waren. Sie wurden geknebelt. Und einige wurden sogar hier persönlich bedroht. Erdogan und seine kleinen Freunde verbreitet die gleiche Angst, die damals viele Deutsche dazu brachte, nicht gegen die NSDAP aufzustehen.

Erdogan ist ein Feigling. Er fürchtet Frauen, Schwule, Andersdenkende. Er hat Angst, dass er in demokratischen Prozessen seine Macht verliert. Und seine Macht ist alles, was er hat. Deshalb lässt er alle, vor denen er sich in die Hosen scheisst, von seinen Anhängern einschüchtern und einsperren. Es ist typisch für diese Art von Feiglingen, dass sie es nicht ertragen, wenn man Witze über sie macht. Sie glauben selbst nicht an ihre Grösse. Denn sonst sähen sie ihre «Ehre» nicht von einem Witz bedroht.

Erdogan muss einen unheimlich kleinen Schwanz haben. Wie sonst sollte man sich so einen Feigling vorstellen. Als Politiker ist er schon lange gescheitert. Er versteht die Demokratie nicht. Und wie bei allen Menschen mit winzigem (…) Selbstwertgefühl, muss er sich nach aussen grösser machen, als er ist. Er muss sich grosse Paläste hinstellen, sich mit Bewaffneten umgeben. Weil seine Persönlichkeit nicht reicht, um ihn zum Landesvater zu machen, will er das Land dazu zwingen, ihm zu huldigen.

Und seine Anhänger? Die versteh ich wirklich nicht. Wie kleine Kinder wünschen sie sich einen Führer, einen Macho, einen starken Mann, der alles das macht, was sie in ihren kleinen Leben nicht erreichen können. Jemanden, der die eigene Bevölkerung wieder der Todesstrafe zuführen will, aber gerne Putins Schwanz lutscht, damit dieser wieder Russen in die Türkei in die Ferien schickt.

Ein starker Mann kann durch seine Persönlichkeit die Menschen überzeugen, er hat es nicht nötig, Medien und Menschen zum Schweigen zu bringen. Er scheisst sich nicht in die Hose, weil er politische Gegner hat. Er vertraut in seine Vision. Und ein Demokrat akzeptiert, wenn ein grosser Teil seines Volkes seine Vision nicht teilt. Dann sucht er Lösungen, die für alle funktionieren.

Erdogan bezeichnet sich als gläubiger Muslim. Das ist pure Heuchelei. Der Mann glaubt nicht mal an sich selbst. Wenn er dereinst vor seinem Gott steht, wird dieser ihn wiegen und für zu leicht befinden.

Da sich viele meiner Freunde nicht mehr in der Öffentlichkeit äussern wollen, mach ich das hier.

Liebe Türken, ihr seid nicht allein mit diesem(n) Wahnsinnigen. Die Türkei ist keine Insel. Wir sind bei euch gegen diesen kleinen Mann.