Köppel, Nazis & Politmarketing

Um es vorweg zu nehmen: Roger Köppel ist kein Nazi, auch wenn er sich medienwirksam mit Nazis ablichten lässt.

Als Journalist ist ihm ein ziemlich guter Coup gelungen, als er sich entschied, nach Chemnitz an genau die Versammlung von Nazis, Reichsbürgern, Fremdenhassern und Hetzern zu reisen, über die die hiesige Presse nur hinter der weit entfernten Tastatur berichtete und kommentierte. Wir geben ihm jetzt mal die Credits, dass er den richtigen Riecher hatte und nicht Insiderinformationen aus Nazi-Netzwerken.

Da sieht man also auf Bildern Journalist Köppel gemeinsam mit den übelsten, verurteilten Nazigrössen des derzeitigen Deutschlands marschieren. Aber natürlich ist er nicht Teilnehmer, sondern Beobachter, wie sein demonstrativ in der Hand gehaltener Schreibblock explizit unterstreichen soll.

Wie gesagt, ein ziemlich geiler journalistischer Coup. Aber Köppel ist nicht nur Journalist. Roger Köppel ist gewähltes Mitglied unseres gesetzgebenden Parlaments. Man könnte meinen, er habe das vergessen, im Eifer seines journalistischen Triebs. Hätte er kurz nachgedacht, hätte er vielleicht WeWo-Captain Philipp Gut oder WeWo Private Alex Baur oder noch besser WeWo Rekrut Florian Schwab an die die rechte Front geschickt, um eine Geschichte zu machen. Einfach damit er nicht als Mitglied unserer verfassungsgebenen Versammlung mit Nazis rumspielt.

Nun, nein. Köppel hat nichts vergessen. Köppel war nicht dort, um eine geile Geschichte zu schreiben (seine WeWo-Geschichte war absehbar und eher lahm, er hätte sie von zuhause aus schreiben können).

Köppel war zu Marketingzwecken da. Er wollte wieder mal ins Gespräch. Das Parlament eignet sich nicht für Öffentlichkeitsarbeit und der Narzisst Köppel langweilt sich da zu Tode. Er kann echte politische Arbeit nicht von Politmarketing unterscheiden.

Unter Freunden: Köppel mit einem Demonstranten, der per Zufall das versteckte Nazi-Symbol "Thors Hammer" als Amulett um den Hals trägt.

Unter Freunden: Köppel mit einem Demonstranten, der per Zufall das  Insider-Nazi-Symbol „Thors Hammer“ als Amulett um den Hals trägt.

Es musste wieder mal knallen. Seit dem rassistischen Cover sind schon wieder zu viele Wochen vergangen und niemand hat sich über die Weltwoche aufgeregt. Da eignete sich diese Demo, die zum Pogrom ausartete ungemein.

Man sieht das nur schon an diesem kleinen Schreibblock. Kurz zum Handwerk: Kein ernstzunehmender Journi schreibt im Gehen auf einer Demo auf einen kleinen Block. Entweder man filmt oder nimmt Audio auf, oder aber man beobachtet und setzt sich später hin, um in einer ruhigen Minute das Erlebte in Worte zu fassen. Einen Block benötigt man vielleicht bei einem Interview. Der Block ist eine offensichtliche Requisite für die Rolle.

Köppel hat sich inszeniert, und zwar als Journalist, der sich unter die Menschen mischt, um ein echtes Bild der Situation zu bekommen.

Vorhang fällt, soziale Medien pawlowschen wie erwartet

*Klapp*Klapp*Klapp*

Auch dass er Selfies mit Nazis machte, die ihn eben als Teil des Marsches und nicht als Beobachter outen, ist dabei eher Kalkül als Gesinnung.

Dass er dabei die Würde des Schweizer Parlaments, dessen Mitglied er ist, in den Dreck gezogen hat, ist ihm einerlei.

Ich hab zu Beginn gesagt, Köppel sei kein Nazi. Und das stimmt. Er ist nicht mal ein echter Rechter. Köppel ist ein opportunistischer Narzisst, der per Zufall und durch Zeitgeist rechts gelandet ist, und gerne am Erwachsenentisch „Kacka“ ruft, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Köppel provoziert nicht politisch. Er provoziert nur, um Köppel im Gespräch zu halten.

Nun ja, das Problem mit seinem Anti-Mainstream-Konzept ist, dass jede Provokation ihn weiter nach rechts rückt, weil sich sonst niemand mehr darüber aufregt.

Inzwischen ist er so weit rechts, dass er, um aufzufallen, an einen Nazimarsch seinen Kopf so tief im Hintern der Heil-Hitler-Fans hat, dass er die braune Sauce wohl nicht mehr abkriegt. Vielleicht geht ihm irgendwann auf, dass er als Nazi-Freund in die Geschichte und Wikipedia  eingehen wird. Dass das Bildmaterial noch in 100 Jahren zeigt, wie er mit Holocaustleugnern, Antisemiten und Neonazis von C18 marschiert.

Und dabei lächelt, als wüsste er genau, dass er fotografiert wird.

 

Die rechten Midlife-Crisis-Revoluzzer

Es sind gesetztere weisse, privilegierte Männer in führenden Positionen wie Roger Köppel oder Andi Kunz, die endlich mal auf den Putz hauen dürfen, endlich mal «Das wird man wohl noch sagen dürfen“-Scheiss sagen dürfen. Sie definieren sich als «furchtlos», weil sie «antimainstream» sind, weil sie Haltungen äussern, die noch vor ein paar Jahren als unmenschlicher Scheissdreck geächtet wurden. Und natürlich gehen sie damit kein Risiko ein, sie sind ja sicher versorgt.

Nachdem Rechtsaussen-Parteien Fremdenhass, Rassismus und Unmenschlichkeit wieder salonfähig gemacht haben, ist es kein Problem mehr für diese Möchtegern-Rocker (Köppel hört AC/DC und Gotthard, Kunz The Clash), sich als wilde Revoluzzer der rechten Szene zu geben, ohne dabei wirklich eigene Gedanken zu haben. Während Köppel sich wie ein Kompass am «Mainstream» ausrichtet und jeden Donnerstag wie ein Uhrwerk das Gegenteil behauptet, plappert Andi Kunz (in seiner neuesten Kolumne) einfach die Lügen der rechtsnationalen Parteipropaganda nach, ohne auch nur zu prüfen, ob der Scheissdreck, den er da von sich gibt, den empirischen Fakten entspricht.

Beide sind als Journalisten natürlich nicht mehr ernst zu nehmen, da es ihnen nicht um die Sache geht, sondern Köppel um den Impact und Kunz um das Masturbieren seines Egos in rebellischer Pose. Würde mich nicht wundern, wenn er zu Clash vor dem Spiegel in seine Haarbürste singt und Luftgitarre spielt, wenn er seinen Text beendet hat.

Zum Glück sind die Leser nicht so dämlich. Diejenigen, die den gleichen Scheiss schon in rechtsnationalen Facebook-Gruppen gelesen und geglaubt haben, denen ist sowieso nicht zu helfen. Und die anderen, die haben langsam die Nase voll von der Hetze.

Man ist kein Rebell, wenn man laut «Kacka» am Erwachsenentisch ruft, man ist nicht mutig, wenn man den Scheissdreck der Internet-Hater wohlformuliert in eine Kolumne giesst. Man ist nur ein Mann, der in seiner Jugend nie wirklich rebelliert hat, und sich jetzt krass mutig fühlt, wenn er aus sicherer Position normale Menschen mit seinem Brunz vor den Kopf stösst. Privilegiert und mächtig, aber so tun, als sei man Underdog und Rebell, und sitze nicht fett auf dem Thron.

Ach ja, und noch was zum Inhalt: Man ist nicht neutral oder objektiv, wenn man sich zwischen Fremdenhassern und Rassisten auf der einen Seite und anständigen Menschen auf der anderen Seite platziert.

Dann ist man ein halber Fremdenhasser und ein halber Rassist. Die Mitte liegt nicht zwischen Hass und Menschlichkeit. Niemals.

Bild von Tamedia ausgeliehen.

Sehr geehrter Herr Supino

Mein Vater war ein überzeugter Tagi-Leser. Er war schon sehr stolz, als ich in Richtung Journalismus ging, aber er war erst wirklich glücklich, als er meinen Namen in der Autorenzeile auf der Front des Tagis las. Der Tages-Anzeiger – und damit damals die ganze Tamedia – war ein Name, der für Ethik, Verantwortung und Gemeinsinn stand.

Letzte Woche erhielt ich eine Mail von meinem vorgesetzten Redaktor, in der es hiess, ich solle doch bitte auf Twitter nicht fluchen, da dies dem Ansehen des Unternehmens schaden könnte.

Ich musste schmunzeln. Kurz fragte ich mich, wessen Achtung das Unternehmen Tamedia wohl noch besitzt, und wie ich dessen Ruf nachhaltiger kaputt machen könnte, als Sie dies tun. Aber dann wars mir egal und ich löschte den Hinweis auf meinen Arbeitgeber im Account-Profil. Problem gelöst und keiner von uns beiden hat einen Reputationsschaden.

Natürlich kommt es darauf an, woran man die Reputation eines Medienunternehmens misst. An der massiven Kohle, die an die Aktionäre ausgeschüttet wird, oder an dessen Beitrag zur Medienqualität in der Schweiz. Oder daran, wie ernst das Unternehmen die Arbeit und die Arbeitsbedingungen seiner Journalisten und Mitarbeiter nimmt.

Zwischenspiel: Wir sind uns mal im Lift begegnet. Alle im Lift haben sich gegrüsst oder sich zugenickt, obwohl eigentlich niemand den anderen kannte. Sie nicht. Sie sind starr jedem Blick ausgewichen. Und das war vor ein paar Jahren, also noch bevor Sie die Achtung aller Mitarbeiter verloren haben.

Ich war diese Woche als Referent bei einem Schweizer Unternehmen, etwa gleich mitarbeiterstark wie Tamedia und in einem ähnlich schwierigen Umfeld. Und da sah ich wieder, wie es ist, wenn die Belegschaft aller Sparten und Standorte die Geschäftsleitung achtet. Und wie sich umgekehrt die Geschäftsleitung bewusst ist, dass es ohne diese Mitarbeiter kein „Geschäft“ zu leiten gäbe. Dieser gegenseitige Respekt fehlt mir bei Tamedia schmerzlich.

Man muss es schon ziemlich versch******n haben, wenn man an der Spitze eines Unternehmens steht und jeder einzelne Mitarbeiter nur noch da bleibt, weil der Arbeitsmarkt so ausgetrocknet ist. Wenn man in seinem eigenen Unternehmen gehasst wird, und das inbrünstig, sollte man sich vielleicht eine Auszeit nehmen, irgendwo in eine Hütte in den Alpen ziehen und sich überlegen, wann man dieser gehasste Mensch geworden ist. Und vorallem, warum einem das am Arsch vorbei geht.

Die Stimmung innerhalb Tamedia ist so schlecht, dass ich mich wundere (und hohe Achtung vor den Kollegen empfinde), dass überhaupt noch Content produziert wird. Ich persönlich bin in einer luxuriösen Position. Ich kann schreiben was ich will, muss nicht an der Werdstrasse auftauchen und kein Schwein lügt mir vor, dass wir mit weniger Leuten und weniger Investitionen gleiche oder bessere Qualität liefern können. Und ich musste meinen Output in den letzten vier Jahren auch nicht bei gleichem Pensum und gleichem Lohn verdoppeln.

Falls Sie sich durch diesen offenen Brief auf die Zehen getreten fühlen: Gut so! Falls Sie mich rausschmeissen wollen: Das müssen Sie nicht. Das haben Sie nämlich bereits (aus Kostengründen) getan. Per Ende Juli werde ich nicht mehr für Ihr Unternehmen tätig sein.

Aber keine Angst, kein böses Blut deswegen! Ich bin mir schon seit zwei Jahren am überlegen, ob ich noch zum Unternehmen passe, oder ob mein Arbeitgeber meiner Glaubwürdigkeit und meiner Integrität schadet. Geblieben bin ich wegen meines Vaters und weil ich so lasch bin, wenns um Veränderungen geht.

Sollten Sie mich aber unbedingt fristlos entlassen wollen, bedanke ich mich im Voraus für den Streisand-Effekt, der mir auf meinem weiteren Weg helfen wird.

In diesem Sinne wars wohl gerade zum richtigen Zeitpunkt, wenn ich die Entscheide, die Kommunikation (intern und extern) des Unternehmens sehe. Noch ein weiterer Monat und ich könnte meinen Freunden und Lesern nicht mehr glaubwürdig erklären, warum ich noch für Tamedia tätig bin.

So, ich wünsche Ihnen einen ruhigen Schlaf (vielleicht mal ohne Schlafmedikamente) und einen schönen Aufenthalt in der erwähnten Alphütte.

Freundlichst

eine der Myrmidonen, die Ihre Dividende anschleppen.

Die 3 wichtigsten Gründe gegen #NoBillag

1. Es geht nicht um Geld

Der Titel „No Billag“ ist irreführend. Bei der Intitiative geht es nicht um die 365 Franken, die ein Haushalt jährlich bezahlen muss. Es geht um die Abschaffung des Service Public. So der Initiativtext:
„Er (der Bund) subventioniert keine Radio- und Fernsehstationen. Er kann Zahlungen zur Ausstrahlung von dringlichen amtlichen Mitteilungen tätigen.
Der Bund betreibt in Friedenszeiten keine eigenen Radio- und Fernsehstationen.“
Die Initiative macht die SRG nicht schlanker, sie macht das Angebot nicht besser. Die Initiative verbietet in der Verfassung den Service Public grundsätzlich. Kein Schweizer Radio und Fernsehen mehr. Gar keins.

2. Kein Plan B

Die Initianten weichen immer aus, wenn man sie nach den Konsequenzen der „No Billag“-Initiative fragt. Es gäbe einen Plan B, der dann doch noch Service Public ermögliche. Das ist nicht wahr. Der Initiativtext ist klar und eindeutig. Es gibt auch keine anderen Player, die den Service Public leisten könnten.
Für die Kantone ist das finanziell und organisatorisch nicht zu stemmen. Wer die Initiative annimmt, schafft den Service Public ab. Die SRG wird kein Schweizer Fernsehen mehr sein, sondern ein Privatsender, der sich über Werbung finanzieren muss. In einem kleinen Werbemarkt wie der Schweiz würde eine private SRG, ohne die Verpflichtung zum Service Public, ohne Beschränkungen in Werbezeit und Online-Angeboten den Werbemarkt sofort austrocknen und alle anderen an die Wand drücken.

3. Die Demokratie

Die SRG gehört uns, der Bevölkerung. Sie handelt nicht mit Information, sondern sie stellt sie zur Verfügung. Information ist kein normales Handelsgut. In einer Demokratie ist Information das Fundament, auf dem unsere Abstimmungen und Wahlen stattfinden. Schafft man die Kontrolle über die SRG ab, gibts keine Medien mehr, die ausgeglichen Berichten müssen.
Die Lizenzen für Fernseh und Radio würden nach Annahme an den Meistbietenden versteigert. So würden die finanzkräftigen Deutschen Privatsender und vielleicht noch private Milliardäre bestimmen, was bei uns im Radio und im Fernsehen an Informationen verbreitet wird.
Wir können die Informationshoheit nicht nur wirtschaftlichen Interessen und politischen Playern überlassen, ohne unserer Demokratie nachhaltig Schaden zuzufügen.

Deshalb Nein zu NoBillag, weil wir unser eigenes Schweizer Fernsehen behalten wollen.
Deshalb Nein zu NoBillag, weil wir eine Kontrolle über unsere Medien in den Händen der Bevölkerung behalten wollen.
Deshalb Nein zu NoBillag, weil wir als Demokratie dafür schauen, dass alle Zugang zu neutraler Information erhalten.

Jetzt Facebook-Profilbild ändern und #NeinzuNoBillag sagen

Das #NoBillag-Marktparadox

Viele meiner liberalen und libertären Bekannten sind Unterstützer der #NoBillag-Initiative. Ihr Hauptargument ist, dass sich ein Medienangebot am Markt orientieren und da bestehen müsse.

Ignorieren wir einmal, dass Information keine normale Handelsware, sondern der Treibstoff einer funktionierenden, freien Demokratie ist, und schauen uns das Szenario einer SRG auf dem freien Markt an. Ich zeichne hier ein Bild, wie ich als Medienprofi das Unternehmen weiterführen würde.

Die SRG ist das grösste Medienhaus der Schweiz. Zur Zeit ist ihre Hauptaufgabe der Service Public und sie ist beschränkt, was Werbeinhalte und Online angeht. Sie liefert uns – quasi wie ein Haustier – was wir benötigen und wird kontrolliert und hat nur eine bestimmte Weide, die sie abgrasen darf.

Was passiert bei Annahme der Initiative? Die SRG würde von einem Tag auf den anderen das grösste private Medienhaus der Schweiz, mit grösster Reichweite und bester Infrastruktur auf dem Markt. Und ihre Hauptaufgabe wäre plötzlich, unternehmerische Gewinne einzufahren. Es wäre dann kein „Schweizer Fernsehen & Radio“ mehr, sondern eine Art RTL oder Pro7.

Natürlich würde sie den kostenintensiven und nicht profitablen Teil des Service Public abwerfen. Sie würde sich vielleicht personell redimensionieren. Und dann würde sie die Werbeinhalte erhöhen, weil da das Geld liegt. Sie würde ohne Beschränkung den Werbemarkt aufrollen, ganz einfach, weil sie mit der Marktmacht alle kleineren Player an die Wand fahren könnte. Die Inhalte würden so gewählt oder produziert, dass sie höchstmögliche Werbereichweite generieren. Die SRG könnte die Preise für Werbung und Reichweite wohl mehr oder weniger bestimmen und den anderen nur noch Brosamen übriglassen.

Als nächster Schritt käme die Diversifizierung im publizistischen Bereich. Zuerst der Ausbau der Online-Angebote in einem Verhältnis von mindestens 1:10, ohne dass das einen Franken Investition kosten würde. Einer privaten SRG könnte niemand mehr Vorschriften machen, wie viel ihrer Angebote sie wann online stellt. Sie würde jetzt führende Informationsplattformen aussehen lassen wie private Gschpürschmi-Blogs.

Dann käme wohl die Investition in Print. Der qualitativ gute Content könnte ohne grossen Aufwand nochmals vertieft für Magazine oder Wochenezeitungen aufbereitet werden, ohne dass die Infratsruktur dafür gross erweitert werden müsste. Sie könnte die Inhalte nebst über Radio, TV und Online noch ein viertes Mal verkaufen.

Und zum Schluss würde die SRG natürlich Agenturen zur Produktion von Werbeinhalten und zur Platzierung derselben gründen. Sie würde massgeschneiderte Angebote für alle Kanäle produzieren und auch gleich platzieren. Der Schweizer Markt wär per se Eigentum der SRG.

In allen Bereichen hätten die bisherigen Player kaum eine Chance. Zudem wärs für eine private SRG nicht besonders schwer, Investoren zu finden, bzw. von anderen Projekten abzuziehen.

Aus dem Haustier, das wir zur Zeit kontrollieren, würde ein Raubtier, das man in dem kleinen Medien- und Werbehühnerstall Schweiz unkontrolliert jagen lassen würde.

Ich persönlich bevorzuge eine SRG, die den Schweizern gehört, und deren Hauptaufgabe nicht Gewinn sondern Service Public ist.

Ansonsten haben wir einen Monopolisten, der die kleineren Player mit einer Hand auf dem Rücken in den Dreck schmeissen kann. Es gäbe keinen „freien Markt“ mehr.

Selbstdarstellung auf Kosten von Anschlagsopfern. Kotzen im Strahl.

Offener Brief an Daniele Ganser

Sehr geehrter Doktor (das ist Ihnen ja wichtig) Ganser

Ich bin sonst nicht oft knapp an harten Worten, aber dieses widerliche Masturbieren des eigenen Egos auf Kosten von Opfern und Angehörigen hat mir zuerst die Sprache verschlagen. Sie suhlen sich zum tragischen Jahrestag des Terroranschlags in Berlin, an dem die ganze Qual bei den Betroffenen wieder hoch kommt, in ekelerregenden Selbstdarstellung.

Einige meiner Freunde denken, Sie glauben wirklich an den von Ihnen formulierten Scheiss. Ich bin da anderer Meinung. Ich denke, es ist Ihnen scheissegal, was Sie gerade behaupten, Hauptsache, Sie kriegen damit Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit. Was Sie hiermit bekommen. Sie kriegen die nötige Antwort auf Ihren kranken, menschenverachtenden Dreck.

Zu den «wissenschaftlichen» Methoden, die Sie und Ihre VT-Kollegen benutzen: In der Kommunikation nennen wir das «Mindfuck» oder «Reality Hack». Ich arbeite täglich im Bereich taktischer Kommunikation in den Medien und Social Media. Mein Job ist es, Framing und Mindfuck aufzudecken, Lügner zu outen und ihnen etwas entgegenzuhalten. Ihre Art des Reality Hacks ist so alt wie die Propaganda per se.

Sie nehmen einige ausgewählte Fakten und reihen sie so auf, dass sie nur eine mögliche Antwort implizieren. Dann treten Sie zurück und sagen: «Zieht selbst Schlussfolgerungen». Dazu liefern Sie Thesen, die Lücken in der Dokumentation (die es immer gibt, weil wir nicht in einer total überwachten Welt leben) in Ihrem Sinne füllen. Sie verschweigen Wahrscheinlichkeiten und zitieren nur «Kollegen», die Ihre These stützen. Alle anderen wissenschaftlichen Erkenntnisse werden ausgeblendet. So lügen Sie nicht explizit, aber Sie ficken die Realität. Big Time.

In meiner täglichen Arbeit begegne ich normalerweise zwei Arten von Leuten, die diese Art der Manipulation benutzen:

Politische Akteure, die die öffentliche Meinung in ihrem Sinne manipulieren möchten. Das sind in meinen Augen die Bösen.

Dann nicht besonders reflektierte Menschen, die ihre Informationsquellen nach ihrer Bias auswählen. Also nur Quellen trauen, die sie in ihrem Weltbild bestätigen. Das sind die Opfer.

Und Sie sind jetzt als dritte Art vermerkt. Sie machen das Ganze um ihr Ego aufzublasen, Ihren kranken Messiaskomplex zu befriedigen UND um damit Geld zu machen. Das ist in meinen Augen die ethisch verwerflichste Version. Sie schüren Hass und sind ein nihilistischer Zyniker.

Das Traurigste daran ist wohl, dass sie damit nicht Ihre Gegner verarschen oder irgendwas für den Frieden oder die Wahrheit leisten. Sie mindfucken eigentlich nur Ihre treuesten Fans und lassen sie als leichtgläubige Vollidioten dastehen, während diese Sie reich machen.

Und natürlich verlieren Sie dadurch jegliche Integrität als Wissenschaftler und Mensch. Aber damit müssen Sie leben.

Genauso, wie Sie morgens aufstehen und Ihr Gesicht im Spiegel ansehen müssen, nach dem Sie diesen widerlichen Scheissdreck auf Ihr Facebook-Profil geladen haben.

Sie haben mein Mitleid.

Billag – die Logik des Service Public

Ich mag viele Angebote von SRF nicht. Die Jass-Sendungen zum Beispiel. Andere mag ich theoretisch, schau sie aber nie, weil sie in der Realität zu langweilig sind. Sternstunde irgendwas zum Beispiel. Wahrscheinlich mag ich mehr als 2/3 der SRF-Sendungen im Radio und im Fernsehen nicht. Ich gehöre nicht zum Zielpublikum und wenns nach mir ginge, könnte man sie einstellen.

Nur, es geht nicht nach mir. Service Public bei SRF funktioniert ein wenig wie Meinungsfreiheit: Grundsätzlich muss ich nicht mögen, was du schaust oder was du hörst. Als überzeugter Demokrat muss ich mich aber dafür einsetzen, dass auch deine Interessen in der Medienvielfalt vertreten sind. Das Ziel ist Ausgewogenheit. Extreme Positionen ausgenommen. Natürlich denkt jeder, der es nicht schafft, sein persönliches Bias zu überwinden, er werde dabei ungerecht behandelt.

Bei SRF ist es jedoch so, dass wir öffentlich über jeden kleinen Fehler diskutieren UND auch das Recht dazu haben. SRF reagiert auch darauf. Privaten Medien geht inhaltliche oder qualitative Kritik am Arsch vorbei, solange die Kasse stimmt. Diese Entwicklung sehen wir gerade bei diversen Medienhäusern.

Die Billag garantiert  – nicht nur beim SRF – eine gewinnunabhängige Berichterstattung. Informations – und Unterhaltungsformate, die zwar nur einen Teil der Bevölkerung interessieren, die aber nirgends sonst berücksichtigt würden.

Wenn wir also davon ausgehen, dass alle Schweizer mit rund 2/3 der Inhalte von SRF nicht einverstanden sind, und wenn wir dann schliessen, dass sich diese 2/3 nur teilweise überschneiden, macht SRF einen guten Job. Sie schaffen es, für jeden 1/3 Inhalte zu bringen, die er/sie annehmen kann.

Wenn wir jetzt dem Öffentlichrechtlichen das Geld wegnehmen, kann das nicht mehr gemacht werden. Produziert werden dann nur noch Formate, bei denen das Werbeeinkommen die Sendung rechtfertigt. Keine Jass-Sendungen mehr. Keine Regionaljournale mehr (geringe Reichweite), keine Nischeninteressen mehr. Nur noch blanker Mainstream.

Also alle, die sich gerade über «Mainstreampresse» aufregen, alle, die sich bei SRF nicht genügend vertreten fühlen, alle, die das Schweizer Fernsehen für einseitig halten: Mit der Anti-Billag-Initiative schafft ihr genau das, was ihr jetzt bejammert.

Nur mit einem Billag-finanzierten SRF ist eine Vielfalt abseits von Gewinn garantiert.

Und nur mit einem Billag-finanzierten SRF haben wir Mitspracherecht.