Rassismus? Köppels infantiler Klamauk

Der Solariumbräune nach küsst hier Roger Schawinski eine Schwedin.

Der Solariumbräune nach küsst hier Roger Schawinski eine Schwedin.

Roger Köppel ist kein Rassist, trotz des neuen «Weltwoche»-Covers. Er ist ein opportunistischer Provokateur, ein Kind, das am Erwachsenentisch laut «Kacka!» ruft, um sich Aufmerksamkeit zu verschaffen. Er handelt rassistisch, doch nicht aus Überzeugung, sondern aus  billigem Kalkül.

Köppel hat keine rassistischen Überzeugungen. Er hat gar keine Überzeugungen bzw. seine Überzeugungen glichen sich über die Jahre nachweislich dem an, was ihm am meisten nutzt. Köppel glaubt nur an Köppel.

Dass er mit dem Cover den echten Rassisten Auftrieb gibt, ist ihm egal oder er freut sich wie ein Bub, der ein kleines Feuer gelegt hat. Er will, dass jetzt alle RASSIST! schreien, um sich als Opfer des Mainstreams inszenieren zu können. Aber er ist kein Rassist. Echte Rassisten würden sich für Köppel schämen.

Natûrlich ist Bösartigkeit und Menschenverachtung aus Kalkül schlimmer als Rassismus aus Dummheit.

Wo Köppel vor langer Zeit noch elegant provozierte, Sachen in Frage stellte und den Finger manchmal auf die richtige Stelle legte, ist heute nur noch infantiler Trotz und kindischer Radau. Es ist so, dass sich kaum einer mehr aufregt, weil vorhersehbar.

Wenn man die von Köppel so verschrieene «Mainstream»-Presse liest, weiss man genau, was die Weltwoche am Donnerstag bringen wird. Köppel und sein Blatt definieren sich über die anderen Medientitel wie die Satanisten über die Bibel. Inzwischen ist es nicht nur langweilig, sondern auch ziemlich peinlich.

Das Ausloten der Grenzen des politischen Kampagnenjournalismus wie ihn Fox-News in den USA betreibt, hat die Weltwoche in letzter Zeit immer wieder vor den Richter gebracht. Das könnte man als Opferhaltung («Meinungsfreiheit!!!111!!») ausschlachten. Nur besagen die Urteile nicht, dass die «Weltwoche» etwas nicht sagen darf. Sie besagen, dass die «Weltwoche» journalistisch einfach Scheisse arbeitet.

Einer kleinen Stammklientel kann man das dann trotzdem noch verkaufen. Aber selbst überzeugte Konservative gähnen inzwischen über die «Weltwoche», und die paar professionell arbeitenden Journis, die Kadavergehorsam nicht über ihren Berufsethos stellen, werden sich nach besseren Angeboten umsehen. Man will schliesslich nicht für ein Blatt arbeiten, dessen Provokationen an eine Schülerzeitung aus den späten 80ern erinnern.

Nun, es wird sicher so weitergehen. Immer ausfälligere Provokationen mit immer weniger Inhalt, immer weniger ernsthafte Journalisten, die für das Blatt arbeiten wollen, immer weniger Relevanz.

Wenn Köppel sich für die Blocher-Nachfolge positionieren will und irgendwann einen Bundesratssitz anvisiert (das tut er), dann können wir froh sein, dass der Ruf seines eigenen Blattes, auch innerhalb der SVP, seine Ambitionen zunichte macht.

Also, Roger, ab in die Ecke. Schämen! Und dann hundert Mal schreiben: «Ich darf nicht mit Rassismus spielen».

Thiel, das Opfer.

Heul doch.

Heul doch.

Der «Satiriker» Andreas Thiel jammert nun schon seit zwei Wochen, dass die «linke» Kulturlandschaft ihn boykottiere.  Unterstützung kriegt er heute vom Alt-Kuschelrocker Chris von Rohr, der eine Säuberung in der Schweizer Kulturszene halluziniert.

Nun, Meinungsfreiheit bedeutet, dass ich sagen und denken darf, was ich will, solange es nicht rechtsrelevant ist. Thiels unausgegorenes Geschwätz als selbsternannter Islamexperte war sicher nicht rechtsrelevant, sondern einfach nur etwas dümmlich. Genauso sind seine Äusserungen gegen Kultursubventionen (von denen er selbst indirekt lebt, seine Gagen werden davon bezahlt) nicht in irgendeiner Weise verboten. Sie sind bestenfalls heuchlerisch.  Aber er darf das jederzeit so ausdrücken.

Nur, Meinungsfreiheit heisst nicht, dass ich für die Scheisse, die ich labere, keine Konsequenzen tragen muss. Wenn ich in eine Beiz gehe, und da den Anwesenden und dem Beizer dauernd zu verstehen gebe, dass sie Vollidioten sind, muss ich mich nicht wundern, wenn die mich nicht mehr an ihrem Tisch haben wollen oder man mich nicht mehr bedient.

Schon als Kind lernt man: Wenn ich ein Arschloch bin, wollen die anderen Kinder nicht mehr mit mir spielen. Da nutzt es nichts, wenn man sein rüpelhaftes Verhalten als «Kunst» definiert. Kunst macht man fürs Publikum. Ignoriert man das Publikum und seine Auftraggeber, kann es sein, dass man nicht mehr von seiner Kunst leben kann.

Es gibt durchaus Dinge, die gesagt werden müssen, aber nicht gerne gehört werden. Die Kunst des Satirikers ist es, die Dinge so zu sagen, dass sie zwar schmerzen, aber heilsam wirken. Thiel schafft weder das eine noch das andere. Er erreicht ausserhalb seiner rechten Klatsch-Klientel kaum jemanden. Dafür nachher das Publikum und die Veranstalter zu beschimpfen, zeugt von Selbstmitleid und fehlender Reflexion. Ich jammere ja auch nicht, dass mich die rechten Hausblätter BAZ, WeWo oder Schweizerzeit nicht drucken. Für seine Prinzipien einstehen heisst auch, die Konsequenzen dafür zu tragen. Über die gemeine Welt zu flennen, wenn man nicht den Applaus bekommt, den man denkt, verdient zu haben, ist erbärmlich.

Thiel sieht sich als liberal. Nun, der Markt hat offenbar keine Verwendung für sein Angebot. Er hat sich ein Nischenpublikum erarbeitet, das zwar gerne über ihn in der Zeitung liest, das aber dem Theater fernbleibt.

Lieber Andreas, wenn du schon dauernd davon laberst, dass man Kultur auch ohne Subventionen machen kann, dann ist jetzt der Zeitpunkt, es zu beweisen. Behaupte dich im Markt.

Oder: Steh hin für deine Überzeugungen und trag die Konsequenzen. Aber hör auf zu flennen.

Eine Plattform für Populismus?

Man geht ihnen nicht aus dem Weg. Man stellt sich vor sie hin und brüllt: «Stopp, so nicht!»

Man geht ihnen nicht aus dem Weg. Man stellt sich vor sie hin und brüllt: «Stopp, so nicht!»

«Man darf diesen kranken Typen nicht auch noch eine Plattform bieten», hörte ich die letzten Tage in der Auseinandersetzung um das unsäglich frauenfeindliche Verhalten und das Verbreiten von Falschinformationen des SVP-Nationalrats Andreas Glarner. Man solle Hetzern und Trollen dieses Kalibers die Öffentlichkeit entziehen und sie so ins Leere laufen lassen. Die Medien sollen sie totschweigen, weil diese Persönlichkeiten mit narzisstischer Störung und ohne jegliche Ethik im Rampenlicht nur aufblühten. Man gebe ihnen eine Bühne, die sie nicht verdienen.

Nun, 1980 hätte das vielleicht noch funktioniert. 2016 sind die herkömmlichen Medien nur noch die Mittagsvorstellung solcher Auftritte von Lügnern, Hetzern und Antidemokraten. Die Premiere und Hauptvorstellung finden in den sozialen Medien statt. Das widerliche Verhalten dieses speziellen Volksvertreters begann auf Twitter und spielt sich jetzt auf Facebook weiter ab. Die Medien sind geduldete Zuschauer, wie der Rest der Öffentlichkeit.

Die Akteure sprechen mit den Journalisten, nachdem sie  bereits auf der Bühne waren. Man kann niemanden totschweigen, der seine eigenen Medienkanäle hat. Im Gegenteil, man muss die Lügen und die Hetze sichtbar machen, damit anständige Menschen aus allen politischen Richtungen sich davor ekeln und auf Distanz gehen können. Bei Glarner scheint das langsam zu fruchten. Nicht einmal seine Parteikollegen wollen sich noch vor ihn stellen. Was bei einer Partei wie der SVP schon viel bedeutet.

«Man muss diesen Typen auf sachlicher Ebene begegnen, nicht die Person zusätzlich ins Rampenlicht stellen», war ein Argument, das aus dem Pulk meiner Journalistenkollegen fiel. Nun ja, wenn Populismus die Vernunft ansprechen würde, gäbs ihn nicht.

Populismus funktioniert charismatisch, nicht rational. Wäre Politik Musik, dann spielten die Vernünftigen die netten Melodien, die man mitsummt. Die Populisten aber klopfen den Bass, nachdem die Menge stampft. Populisten mit Vernunft begegnen zu wollen ist, wie mit einem Buttermesser in eine Artillerieschlacht zu ziehen.

Man soll diese Typen auch nicht als DAS BÖSE stigmatisieren, denn  das wäre kontraproduktiv. Sie versuchen sowieso schon, bei jedem Angriff die Opferrolle zu besetzen. (Man darf sie aber durchaus «Opfer» nennen, das hören sie nicht so gerne :D) Aber das sind sie nicht. Sie sind meist eklig, lächerlich, dumm, verlogen und ungeheuer von sich selbst eingenommen. An jedem dieser Punkte sind sie angreifbar.  Nicht, dass sie dadurch ihre treuen Anhänger verlieren. Aber die sind sowieso verloren.

Aber die unpolitischen Mitläufer, die bei oberflächlichem Hinhören auf den Dreck und die Lügen der Populisten hereinfallen,  informieren sich genauer, wenn die Scheisse rund um eine Persönlichkeit richtig am Dampfen ist. Sie plappern den Hetzern nicht mehr einfach nur nach, weil sie sich fürchten, die Scheisse könnte auf sie überspritzen. Sie werden achtsam. Und achtsame, vorsichtige Wähler sind Wähler, die für den Populismus verloren sind.

«Nur keine Publicity ist schlechte Publicity», versuchen die Campaigner und die Kommunikationsverantwortlichen ihren Kunden einzureden, wenn sie ihren Job Scheisse gemacht haben. Das stimmt nicht. Unreflektierte Narzissten trifft man mit einer öffentlichen Demontage tausendmal mehr als mit einer vernünftigen Diskussion. Nach aussen hin lassen sie die Angriffe an sich abprallen, aber schmerzhaft getroffen sind sie trotzdem, wie die Löschung des Twitteraccounts von Andy Glarner zeigt.

Wenn der Klügere immer nachgibt, steht er irgendwann am Abgrund oder mit dem Rücken zur Wand. Es ist in der Geschichte noch niemals ein Demagoge totgeschwiegen worden. Auch wurde noch kein Rechtspopulist durch ignorieren von seiner Mission abgehalten.

Wenn die radikalen Hetzer aufstehen, bleibt man nicht sitzen, man geht ihnen nicht aus dem Weg. Man stellt sich ihnen entgegen – auf allen Kanälen – und brüllt laut: «So nicht, Arschloch!». Alles andere ist zwar kultivierter, aber tödlich für eine freiheitliche Demokratie.

Und bei Leuten, die nur die Menschen als «Volk» oder «Schweizer» betrachten, die sie oder ihre Partei wählen oder in ihrem Sinne abstimmen, gehts wirklich um die Substanz unserer freiheitlichen Demokratie.

«Attacke!» – Social-Media-Helden und Memmen

Nicht nur austeilen, sondern auch einstecken können.

Nicht nur austeilen, sondern auch einstecken können.

(Warnung an meine Stammleser: In diesem Beitrag wird nicht geflucht, geschimpft oder brutal angegriffen. Der Beitrag ist zahm. Er erschien zuerst auf der Plattform Swisscom Storys, musste dann aber auf Druck der SVP entfernt werden.)

Diese Woche hat der SVP-Politiker Andreas Glarner seinen Twitteraccount geschlossen. Der berühmt-berüchtigte Social-Media-Kämpe ging sozusagen in einem technischen K.o. zu Boden, weil er die verbalen Konterschläge nicht mehr aushielt.

Die meisten Leute, die in den sozialen Medien unterwegs sind, verhalten sich höflich, berücksichtigen gewisse ungeschriebene oder sogar geschriebene Verhaltensregeln. Das ist so löblich wie langweilig.

Wenn man sich emotional engagiert, darf man aber manchmal einfach auch den verbalen Zweihänder hervornehmen und sich fluchend und keifend für seine Sache in die Bresche werfen, darf hart austeilen und muss dann genauso hart einstecken. Auch wenn dies in der zurückhaltenden Streitkultur der Schweizer verpönt ist.

Normalerweise gilt, dass jeder in der Sprache und Tonalität Antwort bekommt, in der er austeilt. Nicht alle halten das aus. So hat der SVP-Twitterkrieger Andreas Glarner die letzten Jahre hart ausgeteilt und jetzt sozusagen seine Tastatur ins Korn geworfen, weil die anderen Twitterteilnehmer in der gleichen Tonalität und Intensität zurückschossen. Sie seien gemein zu ihm gewesen, gibt er in einem Facebookstatus (!) bekannt. Er hat den Feind unterschätzt und wittert eine staatlich finanzierte Verschwörung.

Ohne Kommentar.

Ohne Kommentar.

Die Schlachtweisheit, die Herr Glarner in der Hitze des Gefechtes nicht berücksichtigt hat: «Viel Feindʼ, viel Ehrʼ» – wer sich am lautesten mit dem Schwert auf den Schild schlägt, zieht die meisten Feinde an. Der edle Social-Media-Ritter steht dann knietief in erschlagenen Kommentaren und schwingt seine Tastatur gegen jede neue Welle von Anfeindungen. Das macht den Spass von Social-Media-Schlachten aus. In epischen Auseinandersetzungen kann es sein, dass man sich über Tage mit dem Gegner verbale Scharmützel liefert. Das kann ungeheuer Spass machen. Und es kann passieren, dass man unterliegt.

Wer sich nicht bewusst ist, dass er mit jeder Polemik eine Welle von Myrmidonen mit spitzen Worten und scharfen Kommentaren auf sich zieht, sollte auf bewusste Provokationen à la Glarner verzichten und sich nicht in die Social-Media-Schlachtfelder begeben, sondern gemütlich auf Twitter-Tearoom-Ecke-Konversation machen.

Wie gesagt, es ist nicht jedermanns Sache, sich in die Schlacht zu werfen. Wer es aber dennoch tut, sollte ein paar grundsätzliche Regeln beachten: Man sucht sich keine schwächeren Gegner aus, das wäre Mobbing. Man benutzt die Waffen des Gegners. Je härter das Gegenüber draufdrischt, umso härter darf man selbst antworten. Wenn der Gegner am Boden liegt, tritt man nicht nach.

Und zum Schluss am wichtigsten:

Wenn man selbst unterliegt, heult man nicht. Man steht auf, klopft sich den Staub von der Tastatur und wischt sich das Blut von der Maus – um sich dann irre grinsend in die nächste Schlacht zu werfen.

Wir werden dich und deine ungezielten, wilden Rundumschläge vermissen, Andy Glarner. Wir werden deinen toten Account unter einem Kreuz begraben und davor salutieren.

Was Andreas Glarner wirklich sagt …

Glarner, und wie er die Welt sieht .. (Bild: Watson.ch)

Glarner – und wie er die Welt sieht .. (Bild: Watson.ch)

In einem Interview im Tages-Anzeiger formuliert Andreas Glarner seine Weltsicht. Wenn er nur Gemeindepolitiker von Oberwil-Lieli wär, würds wohl nicht ins Gewicht fallen. Da er aber in Zukunft für die Asylpolitik der SVP verantwortlich ist, hab ich mir die Freiheit genommen, aufzuzeigen, was Glarners Aussagen für ein Bild der Schweiz implizieren. Im Folgenden einige Zitate und die Schlussfolgerungen.

«… Doch heute stellen die Syrer, die Einzigen, die wirklich bedroht sind, nur 12 Prozent aller Asylgesuche. …»

Hm, nach Glarners Sicht ist Syrien die einzige Region der Welt, in der Krieg herrscht und Menschenrechtsverletzungen begangen werden. Vielleicht sollte er entweder mehr reisen, oder aber häufiger die Nachrichten schauen. (oh, sorry, das ist ja die linke Lügenpresse.) Diese Aussage ist nicht nur dumm und faktenfern, sie ist menschenverachtend

Ausserdem impliziert er mit dieser Aussage, dass alle Angestellten im Bereich Flüchtlingswesen unprofessionelle Vollidioten sind, die sich täuschen lassen und ihren Job nicht beherrschen. Schliesslich werden Asylgesuche alle überprüft.

« …. Systematische Grenzkontrollen hätten als Signal eine extreme Auswirkung auf die Migration. Zudem kann man so schon Triage machen. Wenn ein Zöllner ins Auto schaut, sieht er schnell, ob es sich um Asylbewerber handelt. …»

Wieder mal kann der Asyldossierverantwortliche der SVP nicht zwischen Migranten und Flüchtlingen unterscheiden. Wenn eine Grenzkontrolle abschreckender sein soll als die lebensgefährliche Überfahrt in einer Nussschale übers Mittelmeer, dann will ich gar nicht wissen, wie sich Glarner die «Kontrollen» vorstellt. Und sicher würden unsere Zöllner nicht besonders begeistert sein, wenn sie Leute nach Rasse und Herkunft beurteilen müssen. Im Grenzwachkorps arbeiten nämlich Leute, die einige Erfahrung mit Menschen ausländischen Ursprungs haben und grundsätzlich nicht rassistisch sind.

« … da 88 Prozent der Asylsuchenden in der Schweiz nicht asylberechtigt sind.»

Nun ja, das hatten wir schon. Glarner hält alle Profis beim Staat für Vollidioten, die jeden einfach ungeprüft reinlassen. Und natürlich sind nur Syrer gefährdet. Und natürlich sind die 70 Prozent, die bei der Asylgesetzrevision nicht auf seiner Parteilinie sind, alles dumme linke Gutmenschen.

« … Diese Pauschale ( … für den Rechtsbeistand … ) wird bestimmt noch teurer werden. Wir wissen nicht, ob sich die Hilfswerke künftig absprechen, um den Preis hochzutreiben. …»

Ok, Glarner denkt also, die Hilfswerke würden sich gegen das Schweizer Volk verschwören. Hm, ich seh die kirchlichen Hilfswerke bereits bei konspirativen Treffen a la Mafia, wo sie die Flüchtingsgelder unter sich aufteilen. Und am Schluss lachen sie teuflisch, während Gott ein  dramatisches Gewitter für den Hintergrund liefert. Ein Psychiater würde das wohl Paranoia nennen.

« … Zudem klären die Medien die Bevölkerung nicht auf. Da werden Bilder von angeblich dramatischen Fluchtszenen gefälscht. …»

Ja, eine Verschwörung der Medien kontrolliert auch die Bilder von Facebook, Twitter und eigentlich das ganze Internet. Und die Medien machen das nur, um die SVP schlecht aussehen zu lassen. Ich schwör! Hier spürt man den Realitätsverlust innerhalb der SVP, wie ihn Übervater Blocher schon erleiden musste, als er die Medien mit der NSDAP verglich. Armer Herr Glarner.

Dies sind nur ein paar Auszüge. Das ganze Interview entlarvt den Menschen Glarner als herzlos und unschweizerisch.

 

Ideologische Kindersoldaten – oder wie der IZRS Kinder missbraucht

Sektenführer Nicolas Blancho missbraucht Kinder ideologisch.

Sektenführer Nicolas Blancho missbraucht Kinder ideologisch.

Es gibt keinen «Händeschüttel-Skandal», es gibt nur einen «Kindsmissbrauch-Skandal».

Zwei Buben wollen ihrer Lehrerin die Hand nicht schütteln. Das ist im schlimmsten Fall eine Sache für das Schulsekretariat oder die Schulpflege – oder, wenn man genauer hinschaut, für die KESB. Hier gehts nicht um Religion. Kein vernünftiger Moslem lehrt seine Kinder, sich wie unhöfliche Arschlöcher zu benehmen. Ansonsten hätten wir die Diskussion übers Händeschütteln schon seit den ersten muslimischen Kindern in Schweizer Schulen.

Sieht man genauer hin, weiss man, in welchen kranken Hirnen die ganze Sache entstanden ist: In einem Nebensatz in einem Artikel wurde erwähnt, dass die hassgeilen Sektenführer vom IZRS, dem selbsternannten islamischen Zentralrat, die beiden Kinder «betreuen». Der ältere der Buben hat inzwischen auch IS-Videos auf Facebook geteilt. Die Kinder werden in Hass und Abwertung unterrichtet. Und zwar von einer Sekte, die nicht mal 1 Prozent der Muslime der Schweiz vertritt. Ein Grossteil deren Mitglieder bezahlen die Beiträge, wissen aber bei Nachfrage nicht mal genau, wofür der Konvertit Nicolas Blancho und seine kaputten Hassgenossen stehen.

Natürlich haben sich die Medien voll auf diese Sache gestürzt. Das sind doch geile News. Da regen sich die Leute darüber auf. Und natürlich spielen sie so sowohl den Hasskasperl vom IZRS wie auch den Islamophoben in die Hand. Je stärker die Ablehnung von Muslimen fortschreitet, um so leichter ist es für die salafistischen, konvertierten Rattenfänger, Kinder und Jugendliche zu missbrauchen und zu radikalisieren.

Wir haben viele Sekten in der Schweiz, deren Umgang mit Kindern fragwürdig ist. Diese stehen unter klarer Beobachtung. Sobald der geringste Verdacht auf Missbrauch aufkommt, schreitet der Staat ein. Kindern die Möglichkeit zu nehmen, sich in der Schweiz richtig zu sozialisieren, ist eine extrem krasse Form von Missbrauch.

Der IZRS könnte die Kinder genauso gut in den Keller sperren, die Isolierung wäre dieselbe. Die Buben sind nun unter Mithilfe der Medien gebrandmarkt. Der IZRS hat die Kinder geopfert, um seine kranke Weltsicht, die von 99.2 Prozent der Schweizer Muslime geächtet wird, zu verbreiten. Und die Medien haben da mitgespielt, bis sogar eine Bundesrätin die Jungs verurteilt hat.

Ich könnte kotzen. Das echte Problem ist nicht, dass zwei Jugendliche aus ideologischen Gründen ihrer Lehrerin die Hand nicht schütteln wollen. Das Problem ist, dass wir mit Leuten, die diese Ideologie in der Schweiz finanzieren, mit den Saudis, Waffengeschäfte machen.

Medienethik: Komplizen des Terrors

Brüssel-Front

Der Newswert eines solchen Bildes ist gleich Null.

Blut, Infoschnipsel und Kurzsch(l)uss-Analysen spritzen im Minutentakt zu den Anschlägen in Barcelona von den Onlineportalen der grossen europäischen Tagesmedien. Seit dem Anschlag auf Charlie Hebdo ist die Berichterstattung im Update-Stil einer Sportreportage–  Ticker – bei Terroranschlägen State of the Art.

Newsteams bereiten den Horror in kleinen Löffeln zu, heizen ihn auf, klopfen gegen die Spritze und injizieren ihn dem Leser alle paar Minuten. Er soll ja nicht auf Entzug kommen, er soll im Klicktaumel bleiben, bis zur Besinnungslosigkeit.

Damit gehen Medien und Terroristen Hand in Hand. Damit potenzieren die Medien die gewollte Wirkung der Anschläge. Das Ziel von Terror ist nicht, Menschen zu töten, sondern Angst und Schrecken zu verbreiten. Und dies geht nicht ohne Medien.

Im Printzeitalter hatte man eine oder zwei Ausgaben, jeweils morgens, voller Blut und Terror. In Online-Zeiten sind es Nonstopp-Pushmeldungen im Minutentakt, die Tweets von Randfiguren, Gerüchte, geleakte, unbelegte Infos und hilflose Statements der Behörden liefern, die der Leser auch ohne irgendwelche Defizite zusammengefasst zwei Mal am Tag bekommen könnte.

Doch die Chefs der Newsrooms sind so auf die Konkurrenz, so auf den Fluss der Droge Blut und auf den Nachschub an Pseudo-Fakten fixiert, dass sie vergessen, was ihre Aufgabe  ist.

So übernehmen sie die Hauptarbeit des Terrorismus: Das Verbreiten von Panik und Hass. Und sie machen es nicht in der gerade eben notwendigen Art der Berichterstattung, sondern im Taumel der Katastrophe. Terroranschläge sind zu 60 Prozent Medienereignisse und zu 40 Massaker. Würde man die 60 Prozent reduzieren, wäre die Wirkung des Terrors um Welten geringer.

Kollegen werden nun aber auf die «Informationspflicht» verweisen. Ja, die ist vorhanden. Nur, ich hab selbst schon in Newsredaktionen gedient. Jeden Tag melden die Agenturen Hunderte von Toten und Dutzende Anschläge. Die meisten davon schaffen es nicht mal als Meldung in eine Spalte oder auf die Homepage.

Natürlich liegen uns Brüssel und Paris emotional näher als Bagdad oder  Pakistan. Aber liegen sie uns näher als Istanbul?

Es ist nicht die Informationspflicht, die diese Blüten treibt. Es ist auch nicht der Newswert. Es ist die reine Sensationsgier, die Blutgeilheit, die man sonst nur dem Boulevard vorwirft, die hier zum Tragen kommt.

«Aber der Leser will das!», hör ich dann.

Ja, der Leser will auch Pornos, wenn man den Online-Statistiken vertrauen will. Und trotzdem sehen sich die Verantwortlichen nicht in der Pflicht, die auf ihren Portalen nonstopp zu zeigen.

Es ist Zeit, dass sich die Online-Chefs wieder auf ihre journalistische Verantwortung besinnen und nicht unbewusst jeden Klick in Werbe-Silberlinge umrechnen.

Seid keine Komplizen des Terrors!

Bremst euch.