Die 3 wichtigsten Gründe gegen #NoBillag

1. Es geht nicht um Geld

Der Titel „No Billag“ ist irreführend. Bei der Intitiative geht es nicht um die 365 Franken, die ein Haushalt jährlich bezahlen muss. Es geht um die Abschaffung des Service Public. So der Initiativtext:
„Er (der Bund) subventioniert keine Radio- und Fernsehstationen. Er kann Zahlungen zur Ausstrahlung von dringlichen amtlichen Mitteilungen tätigen.
Der Bund betreibt in Friedenszeiten keine eigenen Radio- und Fernsehstationen.“
Die Initiative macht die SRG nicht schlanker, sie macht das Angebot nicht besser. Die Initiative verbietet in der Verfassung den Service Public grundsätzlich. Kein Schweizer Radio und Fernsehen mehr. Gar keins.

2. Kein Plan B

Die Initianten weichen immer aus, wenn man sie nach den Konsequenzen der „No Billag“-Initiative fragt. Es gäbe einen Plan B, der dann doch noch Service Public ermögliche. Das ist nicht wahr. Der Initiativtext ist klar und eindeutig. Es gibt auch keine anderen Player, die den Service Public leisten könnten.
Für die Kantone ist das finanziell und organisatorisch nicht zu stemmen. Wer die Initiative annimmt, schafft den Service Public ab. Die SRG wird kein Schweizer Fernsehen mehr sein, sondern ein Privatsender, der sich über Werbung finanzieren muss. In einem kleinen Werbemarkt wie der Schweiz würde eine private SRG, ohne die Verpflichtung zum Service Public, ohne Beschränkungen in Werbezeit und Online-Angeboten den Werbemarkt sofort austrocknen und alle anderen an die Wand drücken.

3. Die Demokratie

Die SRG gehört uns, der Bevölkerung. Sie handelt nicht mit Information, sondern sie stellt sie zur Verfügung. Information ist kein normales Handelsgut. In einer Demokratie ist Information das Fundament, auf dem unsere Abstimmungen und Wahlen stattfinden. Schafft man die Kontrolle über die SRG ab, gibts keine Medien mehr, die ausgeglichen Berichten müssen.
Die Lizenzen für Fernseh und Radio würden nach Annahme an den Meistbietenden versteigert. So würden die finanzkräftigen Deutschen Privatsender und vielleicht noch private Milliardäre bestimmen, was bei uns im Radio und im Fernsehen an Informationen verbreitet wird.
Wir können die Informationshoheit nicht nur wirtschaftlichen Interessen und politischen Playern überlassen, ohne unserer Demokratie nachhaltig Schaden zuzufügen.

Deshalb Nein zu NoBillag, weil wir unser eigenes Schweizer Fernsehen behalten wollen.
Deshalb Nein zu NoBillag, weil wir eine Kontrolle über unsere Medien in den Händen der Bevölkerung behalten wollen.
Deshalb Nein zu NoBillag, weil wir als Demokratie dafür schauen, dass alle Zugang zu neutraler Information erhalten.

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Wie Fakenews funzen …

«Fakenews» ist wohl einer der meistgebrauchten Begriffe des letzten Jahres. Inzwischen wird einfach alles, was einem nicht passt, als «Fakenews» bezeichnet, dabei gibts da durchaus Unterschiede. Oft wissen nicht einmal meine Kollegen Medienprofis, was genau wie funktioniert. Ich hab deshalb hier kurz die Lügenmechaniken und Fakenewssysteme aufgelistet, denen ich in meiner Funktion als Journalist, Blogger und Campaigner am häufigsten begegne.

Die blanke Lüge

Diese Art der Fehlinformation kommt eigentlich erstaunlich selten vor. Sie setzt voraus, dass der Absender die Fakten kennt und absichtlich lügt. Politiker und Medien hüten sich, solch einfach zu widerlegende Storys zu erzählen. Man findet die blanke Lüge aber oft in den Sozialen Medien, wo sie meist von anonymen Usern in politischen Foren und Gruppen verbreitet werden. Daher beziehen sie auch ihre Kraft, da andere User sie teilen und so verbreiten. Und eine blanke Lüge kann Gewicht bekommen, wenn man ihr immer wieder begegnet, ohne dass sie von öffentlicher Seite klar widerlegt wurde. Tipp: Checkt die ursprüngliche Quelle der Information auf Glaubwürdigkeit

Die Bullshitter

Bullshit ist wohl die häufigste Form von «Fakenews». Bullshit entsteht aus einer Mischung aus Halbwissen, Falschinterpretation, Hörensagen und Bauchgefühl. Trump spielt die Klaviatur des Bullshits virtuos. Er verwertet halb verstandene Fakten aus dem Bauchgefühl und interpretiert Superlativen im eigenen Interesse daraus. Die meiste Zeit ist sich ein Bullshitter nicht mal bewusst, dass er Bullshit verbreitet. Das Problem mit dieser Art der Fehlinformation ist, dass sie die Lieblingsbeschäftigung von Politikern ist. So finden Halbwahrheiten grosse Verbreitung auch in seriösen Medien. Und auch hier: Bei grosser Verbreitung entwickelt der Bullshit mehr Kraft als die Richtigstellung durch Fakten. Tipp: Unterzieht jede Äusserung eines Politikers einem Faktencheck. Jede. Ausnahmslos.

Alternative Fakten

Alternative Fakten gehören seit jeher zu den Instrumenten der Propaganda. Sie werden eingesetzt, wenn sich eine (tatsächliche) Version einer Geschichte nicht mehr unterdrücken lässt. Propagandamedien bringen dann alternative, oft frei erfundene Erklärungen für einen Sachverhalt, die sie gleichwertig neben dem verifizierten Ablauf eines Ereignisses publizieren. So ist die Realität nur noch eine von vielen «Theorien» und verliert an Kraft und Relevanz. Am deutlichsten wurde dies in den letzten Jahren von den russischen und russisch kontrollierten Medien beim Abschuss der MH17 über der Ukraine gemacht. Tipp: Auch hier die ursprüngliche Quelle und deren Glaubwürdigkeit verifizieren. Dazu Fakten von Schlussfolgerungen und Schlussfolgerungen von Vermutungen trennen. Benutzt dazu Ockhams Razor.

Der implizierte Bullshit

Der implizierte Bullshit wird oft von Verschwörungstheoretikern und Propagandamedien wie KenFM und RT benutzt. Es ist eine clevere Art der Manipulation. Dabei werden verifizierte, echte Fakten benutzt.  Der Absender wählt aber nur die Fakten, die er braucht, um eine kausale Kette von Ursache und Wirkung in seinem Sinne aufzubauen. Er reiht diese ausgewählten Fakten so auf, dass sie für das Gegenüber nur eine mögliche Schlussfolgerung implizieren. Widersprechende Fakten werden weggelassen. Die Lücken in der Argumentation werden mit Vermutungen und Unterstellungen in Frageform gefüllt. Der Absender tritt dann zurück und fordert auf «Zieh deine eigenen Schlussfolgerungen!». In einer intensiveren Version wird schon bei der Einführung eine Behauptung als Frage formuliert («War Berlin eine  False-Flag-Operation????»), um bei klarem Widerspruch «Fragen darf man doch» oder «Man muss doch auch kritisch hinterfragen!» zu phrasieren. Tipp: Greift nicht die Argumentationskette oder die Schlussfolgerung an. Zeigt auf, wie das Gegenüber die Fakten manipuliert. Lasst euch nicht auf Diskussionen ein.

Die Bullshit-Studie

Die ist wohl die hinterhältigste Version von Fehlinformation und kann oft nur mit akribischer Aufarbeitung widerlegt werden. Und sie kommt sowohl absichtlich wie unabsichtlich vor.
Absichtlich: Eine Studie wird von einem Institut gegen Bezahlung einer Interessengruppe erstellt. Die Studie geht an die Presse, wo sie ohne Überprüfung der Quelle, der Methodik, der Finanzierung und der Absicht zitiert wird. Das passiert ziemlich häufig, da Journalisten gleich Wissenschaftlichkeit voraussetzen, wenn «Studie» draufsteht. Dabei werden richtungsgebende Interessen und unwissenschaftliche Methodik gar nicht erst erkannt.
Unabsichtlich: Viele «Studien» werden von Instituten direkt nach Erstellung publiziert. Das heisst, ohne Peer-Review, ohne Überprüfung von Methodik oder zB Grösse der Datensamples, Auswahlverfahren der Probanden (freiwillig, online, ausgesucht) etc.. Je geiler die Schlussfolgerungen aus der Studie, um so schneller wandert sie an die Presse. Dort werden wiederum die Aussagen zugespitzt und vereinfacht, so dass die letzendliche Publikation nichts mehr mit der Realität zu tun haben muss.
Tipp: Bei jeder Studie Quelle, Finanzierung, Ausrichtung des Absenders und des Auftraggebers kontrollieren. Bei jeder Studie mindestens einen nichtbeteiligten Wissenschaftler zum Gegenchecken aufbieten. Oder noch besser: Nur Studien aus anerkannten wissenschaftlichen Publikationen mit Peer-Review und Science Impact verwenden.

Der Idioten-Umkehrschluss

Diese Kapriole des Bullshits findet sich oft in politischer Kommunikation, ist aber auch in Alltagsgesprächen häufig auszumachen. Sie ist ziemlich einfach und soll Pauschalisierungen rechtfertigen. Zum Beispiel: «Die Täter waren Ausländer.» -> Idioten-Umkehrschluss: Ausländer sind Täter. Oder: «99 Prozent der Sexualstraftätern sind Männer. Männer sind alle grundsätzlich Sexualstraftäter! 99 Prozent!». Hier reicht es, einfach die Frage umzukehren und für 5 Sekunden nachzudenken, um den Bullshit zu widerlegen.

Die klassische Ente

Die klassische Zeitungsente entsteht aus schlampiger, redaktioneller Arbeit. Falschmeldungen dieser Art werden aber meist innert Stunden entdeckt und mit einer Richtigstellung korrigiert.

Der Mix

In der politischen Kommunikation sind Fakenews keine isolierten Ereignisse, sondern folgen oft einer absichtlichen oder unbewussten Agenda. Verwendet werden alle Formen der Manipulation und der Fehlinformation, oft so intensiv, dass der Absender selbst an die Realität seiner Argumentation zu glauben beginnt. Um sich vor dieser Art der Manipulation zu schützen, hilft es, Medienkompetenz zu entwickeln und sich aus möglichst vielen Quellen zu informieren. Um die Glaubwürdigkeit der Quellen einzuordnen, hilft es, seinen gesunden Menschenverstand einzusetzen. Dazu kann man kurz die älteren Geschichten anschauen und sehen, wie viel Tatsachen inzwischen dazu ermittelt wurden und wie die Berichterstattung der Quelle davon abweicht. Verifiziere Fakten, indem du Medien mit unterschiedlicher politischer Ausrichtung wählst und schaust, in welchen Bereichen sich die Berichterstattung gegenseitig bestätigt.

Ansonsten halte dich an Fachleute, denen du vertraust. Fragen hilft immer.

Das #NoBillag-Marktparadox

Viele meiner liberalen und libertären Bekannten sind Unterstützer der #NoBillag-Initiative. Ihr Hauptargument ist, dass sich ein Medienangebot am Markt orientieren und da bestehen müsse.

Ignorieren wir einmal, dass Information keine normale Handelsware, sondern der Treibstoff einer funktionierenden, freien Demokratie ist, und schauen uns das Szenario einer SRG auf dem freien Markt an. Ich zeichne hier ein Bild, wie ich als Medienprofi das Unternehmen weiterführen würde.

Die SRG ist das grösste Medienhaus der Schweiz. Zur Zeit ist ihre Hauptaufgabe der Service Public und sie ist beschränkt, was Werbeinhalte und Online angeht. Sie liefert uns – quasi wie ein Haustier – was wir benötigen und wird kontrolliert und hat nur eine bestimmte Weide, die sie abgrasen darf.

Was passiert bei Annahme der Initiative? Die SRG würde von einem Tag auf den anderen das grösste private Medienhaus der Schweiz, mit grösster Reichweite und bester Infrastruktur auf dem Markt. Und ihre Hauptaufgabe wäre plötzlich, unternehmerische Gewinne einzufahren. Es wäre dann kein „Schweizer Fernsehen & Radio“ mehr, sondern eine Art RTL oder Pro7.

Natürlich würde sie den kostenintensiven und nicht profitablen Teil des Service Public abwerfen. Sie würde sich vielleicht personell redimensionieren. Und dann würde sie die Werbeinhalte erhöhen, weil da das Geld liegt. Sie würde ohne Beschränkung den Werbemarkt aufrollen, ganz einfach, weil sie mit der Marktmacht alle kleineren Player an die Wand fahren könnte. Die Inhalte würden so gewählt oder produziert, dass sie höchstmögliche Werbereichweite generieren. Die SRG könnte die Preise für Werbung und Reichweite wohl mehr oder weniger bestimmen und den anderen nur noch Brosamen übriglassen.

Als nächster Schritt käme die Diversifizierung im publizistischen Bereich. Zuerst der Ausbau der Online-Angebote in einem Verhältnis von mindestens 1:10, ohne dass das einen Franken Investition kosten würde. Einer privaten SRG könnte niemand mehr Vorschriften machen, wie viel ihrer Angebote sie wann online stellt. Sie würde jetzt führende Informationsplattformen aussehen lassen wie private Gschpürschmi-Blogs.

Dann käme wohl die Investition in Print. Der qualitativ gute Content könnte ohne grossen Aufwand nochmals vertieft für Magazine oder Wochenezeitungen aufbereitet werden, ohne dass die Infratsruktur dafür gross erweitert werden müsste. Sie könnte die Inhalte nebst über Radio, TV und Online noch ein viertes Mal verkaufen.

Und zum Schluss würde die SRG natürlich Agenturen zur Produktion von Werbeinhalten und zur Platzierung derselben gründen. Sie würde massgeschneiderte Angebote für alle Kanäle produzieren und auch gleich platzieren. Der Schweizer Markt wär per se Eigentum der SRG.

In allen Bereichen hätten die bisherigen Player kaum eine Chance. Zudem wärs für eine private SRG nicht besonders schwer, Investoren zu finden, bzw. von anderen Projekten abzuziehen.

Aus dem Haustier, das wir zur Zeit kontrollieren, würde ein Raubtier, das man in dem kleinen Medien- und Werbehühnerstall Schweiz unkontrolliert jagen lassen würde.

Ich persönlich bevorzuge eine SRG, die den Schweizern gehört, und deren Hauptaufgabe nicht Gewinn sondern Service Public ist.

Ansonsten haben wir einen Monopolisten, der die kleineren Player mit einer Hand auf dem Rücken in den Dreck schmeissen kann. Es gäbe keinen „freien Markt“ mehr.

Selbstdarstellung auf Kosten von Anschlagsopfern. Kotzen im Strahl.

Offener Brief an Daniele Ganser

Sehr geehrter Doktor (das ist Ihnen ja wichtig) Ganser

Ich bin sonst nicht oft knapp an harten Worten, aber dieses widerliche Masturbieren des eigenen Egos auf Kosten von Opfern und Angehörigen hat mir zuerst die Sprache verschlagen. Sie suhlen sich zum tragischen Jahrestag des Terroranschlags in Berlin, an dem die ganze Qual bei den Betroffenen wieder hoch kommt, in ekelerregenden Selbstdarstellung.

Einige meiner Freunde denken, Sie glauben wirklich an den von Ihnen formulierten Scheiss. Ich bin da anderer Meinung. Ich denke, es ist Ihnen scheissegal, was Sie gerade behaupten, Hauptsache, Sie kriegen damit Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit. Was Sie hiermit bekommen. Sie kriegen die nötige Antwort auf Ihren kranken, menschenverachtenden Dreck.

Zu den «wissenschaftlichen» Methoden, die Sie und Ihre VT-Kollegen benutzen: In der Kommunikation nennen wir das «Mindfuck» oder «Reality Hack». Ich arbeite täglich im Bereich taktischer Kommunikation in den Medien und Social Media. Mein Job ist es, Framing und Mindfuck aufzudecken, Lügner zu outen und ihnen etwas entgegenzuhalten. Ihre Art des Reality Hacks ist so alt wie die Propaganda per se.

Sie nehmen einige ausgewählte Fakten und reihen sie so auf, dass sie nur eine mögliche Antwort implizieren. Dann treten Sie zurück und sagen: «Zieht selbst Schlussfolgerungen». Dazu liefern Sie Thesen, die Lücken in der Dokumentation (die es immer gibt, weil wir nicht in einer total überwachten Welt leben) in Ihrem Sinne füllen. Sie verschweigen Wahrscheinlichkeiten und zitieren nur «Kollegen», die Ihre These stützen. Alle anderen wissenschaftlichen Erkenntnisse werden ausgeblendet. So lügen Sie nicht explizit, aber Sie ficken die Realität. Big Time.

In meiner täglichen Arbeit begegne ich normalerweise zwei Arten von Leuten, die diese Art der Manipulation benutzen:

Politische Akteure, die die öffentliche Meinung in ihrem Sinne manipulieren möchten. Das sind in meinen Augen die Bösen.

Dann nicht besonders reflektierte Menschen, die ihre Informationsquellen nach ihrer Bias auswählen. Also nur Quellen trauen, die sie in ihrem Weltbild bestätigen. Das sind die Opfer.

Und Sie sind jetzt als dritte Art vermerkt. Sie machen das Ganze um ihr Ego aufzublasen, Ihren kranken Messiaskomplex zu befriedigen UND um damit Geld zu machen. Das ist in meinen Augen die ethisch verwerflichste Version. Sie schüren Hass und sind ein nihilistischer Zyniker.

Das Traurigste daran ist wohl, dass sie damit nicht Ihre Gegner verarschen oder irgendwas für den Frieden oder die Wahrheit leisten. Sie mindfucken eigentlich nur Ihre treuesten Fans und lassen sie als leichtgläubige Vollidioten dastehen, während diese Sie reich machen.

Und natürlich verlieren Sie dadurch jegliche Integrität als Wissenschaftler und Mensch. Aber damit müssen Sie leben.

Genauso, wie Sie morgens aufstehen und Ihr Gesicht im Spiegel ansehen müssen, nach dem Sie diesen widerlichen Scheissdreck auf Ihr Facebook-Profil geladen haben.

Sie haben mein Mitleid.

Billag – die Logik des Service Public

Ich mag viele Angebote von SRF nicht. Die Jass-Sendungen zum Beispiel. Andere mag ich theoretisch, schau sie aber nie, weil sie in der Realität zu langweilig sind. Sternstunde irgendwas zum Beispiel. Wahrscheinlich mag ich mehr als 2/3 der SRF-Sendungen im Radio und im Fernsehen nicht. Ich gehöre nicht zum Zielpublikum und wenns nach mir ginge, könnte man sie einstellen.

Nur, es geht nicht nach mir. Service Public bei SRF funktioniert ein wenig wie Meinungsfreiheit: Grundsätzlich muss ich nicht mögen, was du schaust oder was du hörst. Als überzeugter Demokrat muss ich mich aber dafür einsetzen, dass auch deine Interessen in der Medienvielfalt vertreten sind. Das Ziel ist Ausgewogenheit. Extreme Positionen ausgenommen. Natürlich denkt jeder, der es nicht schafft, sein persönliches Bias zu überwinden, er werde dabei ungerecht behandelt.

Bei SRF ist es jedoch so, dass wir öffentlich über jeden kleinen Fehler diskutieren UND auch das Recht dazu haben. SRF reagiert auch darauf. Privaten Medien geht inhaltliche oder qualitative Kritik am Arsch vorbei, solange die Kasse stimmt. Diese Entwicklung sehen wir gerade bei diversen Medienhäusern.

Die Billag garantiert  – nicht nur beim SRF – eine gewinnunabhängige Berichterstattung. Informations – und Unterhaltungsformate, die zwar nur einen Teil der Bevölkerung interessieren, die aber nirgends sonst berücksichtigt würden.

Wenn wir also davon ausgehen, dass alle Schweizer mit rund 2/3 der Inhalte von SRF nicht einverstanden sind, und wenn wir dann schliessen, dass sich diese 2/3 nur teilweise überschneiden, macht SRF einen guten Job. Sie schaffen es, für jeden 1/3 Inhalte zu bringen, die er/sie annehmen kann.

Wenn wir jetzt dem Öffentlichrechtlichen das Geld wegnehmen, kann das nicht mehr gemacht werden. Produziert werden dann nur noch Formate, bei denen das Werbeeinkommen die Sendung rechtfertigt. Keine Jass-Sendungen mehr. Keine Regionaljournale mehr (geringe Reichweite), keine Nischeninteressen mehr. Nur noch blanker Mainstream.

Also alle, die sich gerade über «Mainstreampresse» aufregen, alle, die sich bei SRF nicht genügend vertreten fühlen, alle, die das Schweizer Fernsehen für einseitig halten: Mit der Anti-Billag-Initiative schafft ihr genau das, was ihr jetzt bejammert.

Nur mit einem Billag-finanzierten SRF ist eine Vielfalt abseits von Gewinn garantiert.

Und nur mit einem Billag-finanzierten SRF haben wir Mitspracherecht.

Rassismus? Köppels infantiler Klamauk

Der Solariumbräune nach küsst hier Roger Schawinski eine Schwedin.

Der Solariumbräune nach küsst hier Roger Schawinski eine Schwedin.

Roger Köppel ist kein Rassist, trotz des neuen «Weltwoche»-Covers. Er ist ein opportunistischer Provokateur, ein Kind, das am Erwachsenentisch laut «Kacka!» ruft, um sich Aufmerksamkeit zu verschaffen. Er handelt rassistisch, doch nicht aus Überzeugung, sondern aus  billigem Kalkül.

Köppel hat keine rassistischen Überzeugungen. Er hat gar keine Überzeugungen bzw. seine Überzeugungen glichen sich über die Jahre nachweislich dem an, was ihm am meisten nutzt. Köppel glaubt nur an Köppel.

Dass er mit dem Cover den echten Rassisten Auftrieb gibt, ist ihm egal oder er freut sich wie ein Bub, der ein kleines Feuer gelegt hat. Er will, dass jetzt alle RASSIST! schreien, um sich als Opfer des Mainstreams inszenieren zu können. Aber er ist kein Rassist. Echte Rassisten würden sich für Köppel schämen.

Natûrlich ist Bösartigkeit und Menschenverachtung aus Kalkül schlimmer als Rassismus aus Dummheit.

Wo Köppel vor langer Zeit noch elegant provozierte, Sachen in Frage stellte und den Finger manchmal auf die richtige Stelle legte, ist heute nur noch infantiler Trotz und kindischer Radau. Es ist so, dass sich kaum einer mehr aufregt, weil vorhersehbar.

Wenn man die von Köppel so verschrieene «Mainstream»-Presse liest, weiss man genau, was die Weltwoche am Donnerstag bringen wird. Köppel und sein Blatt definieren sich über die anderen Medientitel wie die Satanisten über die Bibel. Inzwischen ist es nicht nur langweilig, sondern auch ziemlich peinlich.

Das Ausloten der Grenzen des politischen Kampagnenjournalismus wie ihn Fox-News in den USA betreibt, hat die Weltwoche in letzter Zeit immer wieder vor den Richter gebracht. Das könnte man als Opferhaltung («Meinungsfreiheit!!!111!!») ausschlachten. Nur besagen die Urteile nicht, dass die «Weltwoche» etwas nicht sagen darf. Sie besagen, dass die «Weltwoche» journalistisch einfach Scheisse arbeitet.

Einer kleinen Stammklientel kann man das dann trotzdem noch verkaufen. Aber selbst überzeugte Konservative gähnen inzwischen über die «Weltwoche», und die paar professionell arbeitenden Journis, die Kadavergehorsam nicht über ihren Berufsethos stellen, werden sich nach besseren Angeboten umsehen. Man will schliesslich nicht für ein Blatt arbeiten, dessen Provokationen an eine Schülerzeitung aus den späten 80ern erinnern.

Nun, es wird sicher so weitergehen. Immer ausfälligere Provokationen mit immer weniger Inhalt, immer weniger ernsthafte Journalisten, die für das Blatt arbeiten wollen, immer weniger Relevanz.

Wenn Köppel sich für die Blocher-Nachfolge positionieren will und irgendwann einen Bundesratssitz anvisiert (das tut er), dann können wir froh sein, dass der Ruf seines eigenen Blattes, auch innerhalb der SVP, seine Ambitionen zunichte macht.

Also, Roger, ab in die Ecke. Schämen! Und dann hundert Mal schreiben: «Ich darf nicht mit Rassismus spielen».

Thiel, das Opfer.

Heul doch.

Heul doch.

Der «Satiriker» Andreas Thiel jammert nun schon seit zwei Wochen, dass die «linke» Kulturlandschaft ihn boykottiere.  Unterstützung kriegt er heute vom Alt-Kuschelrocker Chris von Rohr, der eine Säuberung in der Schweizer Kulturszene halluziniert.

Nun, Meinungsfreiheit bedeutet, dass ich sagen und denken darf, was ich will, solange es nicht rechtsrelevant ist. Thiels unausgegorenes Geschwätz als selbsternannter Islamexperte war sicher nicht rechtsrelevant, sondern einfach nur etwas dümmlich. Genauso sind seine Äusserungen gegen Kultursubventionen (von denen er selbst indirekt lebt, seine Gagen werden davon bezahlt) nicht in irgendeiner Weise verboten. Sie sind bestenfalls heuchlerisch.  Aber er darf das jederzeit so ausdrücken.

Nur, Meinungsfreiheit heisst nicht, dass ich für die Scheisse, die ich labere, keine Konsequenzen tragen muss. Wenn ich in eine Beiz gehe, und da den Anwesenden und dem Beizer dauernd zu verstehen gebe, dass sie Vollidioten sind, muss ich mich nicht wundern, wenn die mich nicht mehr an ihrem Tisch haben wollen oder man mich nicht mehr bedient.

Schon als Kind lernt man: Wenn ich ein Arschloch bin, wollen die anderen Kinder nicht mehr mit mir spielen. Da nutzt es nichts, wenn man sein rüpelhaftes Verhalten als «Kunst» definiert. Kunst macht man fürs Publikum. Ignoriert man das Publikum und seine Auftraggeber, kann es sein, dass man nicht mehr von seiner Kunst leben kann.

Es gibt durchaus Dinge, die gesagt werden müssen, aber nicht gerne gehört werden. Die Kunst des Satirikers ist es, die Dinge so zu sagen, dass sie zwar schmerzen, aber heilsam wirken. Thiel schafft weder das eine noch das andere. Er erreicht ausserhalb seiner rechten Klatsch-Klientel kaum jemanden. Dafür nachher das Publikum und die Veranstalter zu beschimpfen, zeugt von Selbstmitleid und fehlender Reflexion. Ich jammere ja auch nicht, dass mich die rechten Hausblätter BAZ, WeWo oder Schweizerzeit nicht drucken. Für seine Prinzipien einstehen heisst auch, die Konsequenzen dafür zu tragen. Über die gemeine Welt zu flennen, wenn man nicht den Applaus bekommt, den man denkt, verdient zu haben, ist erbärmlich.

Thiel sieht sich als liberal. Nun, der Markt hat offenbar keine Verwendung für sein Angebot. Er hat sich ein Nischenpublikum erarbeitet, das zwar gerne über ihn in der Zeitung liest, das aber dem Theater fernbleibt.

Lieber Andreas, wenn du schon dauernd davon laberst, dass man Kultur auch ohne Subventionen machen kann, dann ist jetzt der Zeitpunkt, es zu beweisen. Behaupte dich im Markt.

Oder: Steh hin für deine Überzeugungen und trag die Konsequenzen. Aber hör auf zu flennen.