CVP – Kopftuchverbot gegen Sexismus. Echt jetzt?

Die CVP will in ihrem neuesten Positionspapier die Gleichberechtigung fördern. Dafür soll ein Kopftuchverbot in den öffentlichen Schulen eingeführt werden. Right. Vielleicht solltet ihr, liebe CVPler, erst mal dafür sorgen, dass euer ehemalige Vize-Chef an Partys  nicht ungebeten seinen Schwanz an Parlamentarierinnen reibt. Das wär schon ein grosser Schritt in Richtung Gleichberechtigung. Ich schwör, ehrlich. Vorallem, da sein Verhalten ja kein Geheimnis war und man hätte einschreiten können.

Aber grundsätzlich habt ihr mich. Ich bin total für die Trennung von Religion und Staat. Ich schwör. Aber bevor man muslimischen Mädchen das Kopftuch vom Kopf reisst und jüdischen Jungs die Kippa runterschlägt oder ihnen die Schläfenlocken abschneidet, sollten wir vielleicht diese grässlichen Abbilder eines gefolterten Mannes am Kreuz aus den Klassenzimmern verbannen. Mich hat das als Kind immer verstört. Ich konnte die christliche Botschaft der Liebe nie wirklich mit diesem barbarischen Schaustück in Verbindung bringen.

Noch bevor man Kindern verbietet, ihre Kultur und Religion am eigenen Körper in die Schule zu tragen, müsste man doch die Schule grundsätzlich von Religion befreien. Kreuze verboten, Weihnachtsgeschichten weg. Lehrer dürften dann keine religiösen Symbole mehr tragen. Meine gewalttätige Primarlehrerin in Dübendorf hätte schon damals ihr Kreuz um den Hals zuhause lassen müssen. Keine Religion im Klassenzimmer, Religionsunterricht fällt weg und wird durch Aufklärung über den historischen Hintergrund von (allen) Religionen in den Geschichtsunterricht verlegt. Schön wäre es aufzuzeigen, wie die Bibel aus alten vorchristlichen Mythen zusammengeflickt wurde etc.

Also, fertig Religion im Klassenzimmer? Oder doch nicht? Oder sollen nur die «minderwertigen» Religionen, also die nichtchristlichen, verschwinden?

Ihr seid verdammte Heuchler und achtet euren persönlichen Glauben höher als unsere Verfassung, die jedem Menschen Religionsfreiheit zugesteht. Die Ansätze in eurem neuen Postionspapier sind antidemokratisch, fundamentalistisch und durchwegs heuchlerisch.

Aber vielleicht soll das ganze Theater ja auch nur von Buttet und Darbellay ablenken.

Also, bevor ihr irgendjemandem eure arrogante, religiöse Weltsicht aufdrücken wollt, schaut doch, dass sich eure Exponenten an eure eigene Moral halten. Oder wenigstens an einen verfluchten Grundanstand.

«Ein echter Kerl …»

Die Sexismus-Debatte muss geführt werden, weil es da draussen noch immer chauvinistische und sexistische Höhlenmenschen gibt, die bei ihrem Scheissverhalten noch nicht mal ein Unrechtsbewusstsein entwickelt haben. Zwar bin ich nur bedingt begeistert vom Hashtag #MeToo, weil unter diesem Label sexistische Idioten in die gleiche Schublade gesteckt werden wie Vergewaltiger und Sexualstraftäter. Das wird den Opfern sexueller Gewalt nicht gerecht.

Aaaaaaaaber, ich find es ausgesprochen wichtig, dass die Diskussion, die dieser Hashtag ausgelöst hat, stattfindet. Nur schon, weil sie gewisse Denkarten, die bei Männern meines Alters offenbar noch häufig vorkommen, aufzeigt und entlarvt.

So meinte Alex Baur – ein gestandener Journalist bei der Weltwoche – im Zusammenhang von Grenzüberschreitungen im Parlament Folgendes:

Ein echter Kerl steckt die knallende Watsche mit einem schrägen Grinsen weg, wenn er mal zu weit gegangen ist. Das ist nicht das Problem.

Ich konnte es nicht fassen, dass ein erwachsener Mann denkt, Kommunikation, die zur Abgrenzung eine «knallende Watsche» benötigt, die man dann «mit schrägem Grinsen» wegsteckt, sei in irgendeiner Form männlich, adäquat oder normal.

Ein «echter Mann» geht nicht zu weit. Sonst ist er eigentlich nur noch ein echtes Arschloch. Dieses Scheissrollenvorbild eines kernigen Kerls, der die Dame mit etwas Nachdruck, mehr Kraft und spitzbübischem Charme dann doch noch rumkriegt, ist genau das Problem. Und wenn eine Ohrfeige die einzige Art ist, sich vor aufdringlicher Zuwendung zu schützen, dann läuft etwas schief. Ganz zu schweigen davon, dass die Arschlöcher, die so weit gehen, oft mit der Faust auf eine Ohrfeige reagieren, weil ihr Scheissego ja schon ein verbales Nein nicht verkraftet.

Hätte ich eine Tochter, würde ich ihr nicht beibringen, wie sie sich mit einer Ohrfeige gegen Übergriffe wehren kann. Ich würde ihr beibringen, wie man so einem Arschloch erst das Nasenbein bricht, dann den Kiefer zertrümmert und dem Typen zum Schluss mit einem Tritt die Eier in die Speiseröhre befördert. Dann könnte der Typ das mit einem (durch den gebrochenen Kiefer) schiefen Grinsen wegstecken.

Als Jugendlicher hatte mal ein Erwachsener versucht, meine sexuelle Integrität zu verletzen. Ich hab mich gewehrt, indem ich ihm eine Billardkugel im Gesicht platzierte. Es hat gewirkt.

Solange es also noch solche primitiven Klötze da draussen gibt, ist es wichtig, dass wir nicht nur diskutieren, sondern dass wir Frauen so weit empowern und unterstützen, dass sie es für selbstverständlich halten, ihre körperliche und sexuelle Integrität im Notfall auch mit Gewalt zu schützen.

Ein Nein ist ein Nein ist ein Nein. Fragen darf man. Wenn man trotz Nein oder ohne zu fragen zudringlich wird, gibts eins in die Fresse. Das scheinen dann selbst diese Neandertaler zu verstehen.

Köln, die Medien & die Heuchelei

Sexuelle Übergriffe werden von Arschlöchern begangen, nicht von Ethnien.

Sexuelle Übergriffe werden von Arschlöchern begangen, nicht von Ethnien.

Zwei Vergewaltigungen (die gleiche Frau, zwei Täter), unzählige sexuelle Übergriffe und das trotz über 2000 Polizeieinsätzen … oh, sorry, das war nicht Köln, das war das Müncher Oktoberfest 2015. Gerade mal 3 1/2 Monate her und schon vergessen.

Damals gabs keine Sonderberichterstattung. Es gab keine Aussagen wie «Mit dem kulturellen Hintergrund war sowas ja zu erwarten. Die leben faktisch noch im Mittelalter, reine Machokultur». All die Journalistinnen und Journalisten, die sich jetzt «für die Opfer stark machen», verurteilten nicht ganz Bayern, oder jeden Lederhosenträger. Sie machten sich nicht mal die Mühe, die Mechanismen hinter den Übergriffen zu hinterfragen oder nur schon aufzuzeigen. Es gab keine politischen Sondersessionen, keine betrübt wirkenden Politiker zischten wütende Sätze in die Kameras der gespannt wartenden Presse.

Versteht mich nicht falsch: Ich will die Übergriffe in Köln nicht mit denen in München entschuldigen. Sexuelle Übergriffe werden von Arschlöchern begangen, immer und überall. Da gibts nichts zu entschuldigen. Arschlöcher haben keine Nationalität, sondern nur ein Verhalten.

Mir gehts nicht um die Täter, um die soll sich der Rechtsstaat kümmern. Mir gehts um die politische und wirtschaftliche Instrumentalisierung der Übergriffe von Köln. Damit lassen sich Menschen mobilisieren, damit lässt sich hetzen – und nicht zuletzt: Damit lässt sich in den Medien Geld verdienen.

Jede dritte Frau in Europa musste sexuelle Gewalt erleben, jede Frau hat Erfahrungen mit Situationen, die an sexuelle Übergriffe grenzen. Am 25. November war der Tag gegen Gewalt an Frauen. Keine der grösseren Newsplattformen brachte eine grössere Geschichte zu diesen Millionen von Frauen. Das sind die ganz alltäglichen Opfer. Offenbar sind die nicht so interessant, weil sie sich nicht so gut verkaufen lassen wie die Horden aus Nordafrika.

Niemand spricht von kulturellem Defizit, niemand fordert stärkere Massnahmen. Seit 1992 ist Vergewaltigung in der Ehe in der Schweiz strafbar, seit 2004 ein Offizialdelikt. Seit 2004!

Und genau die Kräfte, die zur Zeit am stärksten gegen eine ganze ethnische Gruppe hetzen, haben sich damals geschlossen gegen den Straftatbestand der Vergewaltigung in der Ehe ausgesprochen. Kulturelles Defizit, my ass.  Wenn man böse wäre, könnte man behaupten, die Täter von Köln hätten sich ganz gut in unsere Kultur und unseren Umgang mit Frauen integriert.

Und jetzt werfen sich Leute heroisch in die Brust, um Frauen zu schützen, deren  Rechte ihnen an den restlichen 364 Tagen total am Arsch vorbeigehen.

Also, erzählt mir keinen verfluchten Scheiss, ihr besorgten Bürger. Es geht euch einen Dreck um die Frauen. Ihr wittert eine Möglichkeit, die Straftaten der Arschlöcher von Köln zu euren Zwecken zu nutzen und missbraucht die Opfer gleich nochmals. Einfach mit euren widerlichen populistischen Organen.