Selbstdarstellung auf Kosten von Anschlagsopfern. Kotzen im Strahl.

Offener Brief an Daniele Ganser

Sehr geehrter Doktor (das ist Ihnen ja wichtig) Ganser

Ich bin sonst nicht oft knapp an harten Worten, aber dieses widerliche Masturbieren des eigenen Egos auf Kosten von Opfern und Angehörigen hat mir zuerst die Sprache verschlagen. Sie suhlen sich zum tragischen Jahrestag des Terroranschlags in Berlin, an dem die ganze Qual bei den Betroffenen wieder hoch kommt, in ekelerregenden Selbstdarstellung.

Einige meiner Freunde denken, Sie glauben wirklich an den von Ihnen formulierten Scheiss. Ich bin da anderer Meinung. Ich denke, es ist Ihnen scheissegal, was Sie gerade behaupten, Hauptsache, Sie kriegen damit Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit. Was Sie hiermit bekommen. Sie kriegen die nötige Antwort auf Ihren kranken, menschenverachtenden Dreck.

Zu den «wissenschaftlichen» Methoden, die Sie und Ihre VT-Kollegen benutzen: In der Kommunikation nennen wir das «Mindfuck» oder «Reality Hack». Ich arbeite täglich im Bereich taktischer Kommunikation in den Medien und Social Media. Mein Job ist es, Framing und Mindfuck aufzudecken, Lügner zu outen und ihnen etwas entgegenzuhalten. Ihre Art des Reality Hacks ist so alt wie die Propaganda per se.

Sie nehmen einige ausgewählte Fakten und reihen sie so auf, dass sie nur eine mögliche Antwort implizieren. Dann treten Sie zurück und sagen: «Zieht selbst Schlussfolgerungen». Dazu liefern Sie Thesen, die Lücken in der Dokumentation (die es immer gibt, weil wir nicht in einer total überwachten Welt leben) in Ihrem Sinne füllen. Sie verschweigen Wahrscheinlichkeiten und zitieren nur «Kollegen», die Ihre These stützen. Alle anderen wissenschaftlichen Erkenntnisse werden ausgeblendet. So lügen Sie nicht explizit, aber Sie ficken die Realität. Big Time.

In meiner täglichen Arbeit begegne ich normalerweise zwei Arten von Leuten, die diese Art der Manipulation benutzen:

Politische Akteure, die die öffentliche Meinung in ihrem Sinne manipulieren möchten. Das sind in meinen Augen die Bösen.

Dann nicht besonders reflektierte Menschen, die ihre Informationsquellen nach ihrer Bias auswählen. Also nur Quellen trauen, die sie in ihrem Weltbild bestätigen. Das sind die Opfer.

Und Sie sind jetzt als dritte Art vermerkt. Sie machen das Ganze um ihr Ego aufzublasen, Ihren kranken Messiaskomplex zu befriedigen UND um damit Geld zu machen. Das ist in meinen Augen die ethisch verwerflichste Version. Sie schüren Hass und sind ein nihilistischer Zyniker.

Das Traurigste daran ist wohl, dass sie damit nicht Ihre Gegner verarschen oder irgendwas für den Frieden oder die Wahrheit leisten. Sie mindfucken eigentlich nur Ihre treuesten Fans und lassen sie als leichtgläubige Vollidioten dastehen, während diese Sie reich machen.

Und natürlich verlieren Sie dadurch jegliche Integrität als Wissenschaftler und Mensch. Aber damit müssen Sie leben.

Genauso, wie Sie morgens aufstehen und Ihr Gesicht im Spiegel ansehen müssen, nach dem Sie diesen widerlichen Scheissdreck auf Ihr Facebook-Profil geladen haben.

Sie haben mein Mitleid.

Offener Brief an die SVP-Wähler

Liebe SVP-Wähler

wieder einmal hat ein SVP-Politiker, also einer der Menschen, die ihr wählt und die eure Partei in der Öffentlichkeit vertreten, extrem rassistische Kackscheisse verbreitet. In einem Sprach-Overlay einer Szene aus dem Film «300» hört man eine Stimme sagen «Asyl? Sicher nöd in Buebike, du Scheiss-Neger». Daraufhin wird der Schwarze in eine Grube getreten.

Ich weiss, dass die meisten SVP-Wähler und SVP-Politiker keine rassistischen Arschlöcher sind. Ich kenn persönlich einige SVP-Politiker und Wähler, ganz anständige Menschen, die zwar politisch nicht auf meiner Linie stehen, mit denen ich aber ohne Probleme auch mal lachen oder diskutieren kann, ohne Groll.

Ich weiss auch, dass die SVP keine «Nazi»-Partei ist. Rechtspopulistisch, oft faktenfrei und meist fremdenfeindlich, klar. Aber eben, viele SVPler sind grundsätzlich anständige Menschen und keine hassgeifernden Rassisten.

Das Problem ist nicht, dass alle SVPler Rassisten sind. Das Problem ist, dass alle Schweizer Rassisten und Nazis die SVP super finden. Und nicht nur die Schweizer. Auch der Schlächter Breivik hat die SVP lobend in seinem Manifest erwähnt. Einige der SVP-Politiker treten an klar rechtsradikalen Veranstaltungen in Europa auf, Blocher verteidigt ein Konzert, bei dem 5000 Nazis immer und immer wieder «Heil Hitler» schreien und den Nazigruss zeigen. Es sind nicht die Gegner, die ihr euch würdig verdient habt, die euch immer wieder in Schwierigkeiten bringen. Es sind die widerlichen Freunde und Fans, die euch oft als eine Partei von seelisch kaputten, verhetzten Hasskappen dastehen lassen.

Ihr seid eine wichtige, grosse Schweizer Partei. Ihr bestimmt oft die politische Agenda. Aber habt ihr es als Schweizer wirklich nötig, eure Partei von solchen Personen vertreten zu lassen? Es ist eure Partei, ihr seid die Basis, ihr bestimmt, wie eure Partei Politik machen soll. Und ich glaube wirklich nicht, dass die Mehrheit von euch herzlose Widerlinge sind.

Aber um nicht so wahrgenommen zu werden, müsst ihr euch gegen den Dreck innerhalb und ausserhalb eurer Partei wehren. Genau wie die SP sich von den 1.Mai-Randalierern klar abgrenzen muss, seid ihr dafür verantwortlich, dass man euch nicht als Nazi-Partei wahrnimmt. Vorallem wenn man berücksichtigt, dass die Rassisten und Neonazis um einiges schlimmer sind als die paar Bubis, die an einer Demo randalieren.

Aufgrund solcher Idioten wie dem SVP-Vorstandsmitglied von Rüti werdet ihr, liebe SVP-Wähler, alle als Rassisten, Unmenschen und vom Hass verkrüppelte Vollidioten wahrgenommen und dargestellt. Aber die Art, wie man euch in der Öffentlichkeit wahrnimmt, liegt in eurer Hand. Ihr wählt eure Vertreter.

Ein schönes 2017 wünsch ich.

«Sollen sie doch da bleiben und kämpfen …»

Hinter jedem Gesicht steckt eine Geschichte.

Hinter jedem Gesicht steckt eine Geschichte.

Ich kann den Scheiss nicht mehr hören. In jedem Kommentarfeed zum Thema Flüchtlinge kommt mindestens ein aufrechter Schweizer Vollidiot, der lakonisch und in völliger Ignoranz der Kriegsrealität einwirft: «Diese jungen Männer sind Feiglinge! Sollen sie doch da ihre Familien und ihr Land verteidigen!»

Diese martialischen Freizeit-Rambos und Tastaturhelden kennen den Tod nur aus «Tatort», haben noch nie einem sterbenden Menschen in die Augen geschaut, halten sich aber für die letzte Bastion der Männlichkeit. Helden der Waffenmagazine auf dem Klo. Es gab sie immer. Früher hiess es mit Blick aufs Sturmgewehr im Wohnzimmer: «Wenn der Russe kommt! Ha, dem werde ichs schon zeigen.» Ihr Kriegsverständnis stammt aus den Hollywoodfilmen der 80er, in denen irgendein Ex-Soldat stellvertretend für die USA den Vietnamkrieg im Nachhinein ganz alleine gewinnt.

Also, kurz und vereinfachend, zum Verständnis der Art von Krieg, wie er in Syrien stattfindet:

Nehmen wir an, lieber Hansruedi Rambo, dein Dorf wird von sechs verschiedenen Kriegsfraktionen umkämpft. Du kennst keine dieser Fraktionen, die Soldaten kommen aus Gegenden, in denen du noch nie warst, haben Ziele, die du nicht verstehst. Alle Gruppen interessieren sich einen Scheissdreck für dein Dorf. Sie wollen nur alle den Hügel, von dem ihre Mörser die Stellungen der Feinde besser massakrieren können.

Ok, soweit, so klar. Nun ist es aber so, dass jedes Mal, wenn eine Fraktion etwas vorrückt, alle anderen Fraktionen dein Dorf mit Bomben und Kugeln einstampfen, damit keiner einen Vorteil hat. Du, und natürlich deine Familie, sind Kollateralschäden. Dein Haus ist jeden Tag Deckung für eine andere bewaffnete Gruppe.

Welcher Fraktion würdest du dich anschliessen?

Was diese Männer machen, ist, dass sie ihre Familien in möglichst sichere Gefilde bringen, vielleicht nur ins Nachbardorf, vielleicht aber auch ins nächste Flüchtlingslager. Da es meist Bauern, Handwerker und kleine Leute sind, können sie sich nicht vorstellen, dass der Krieg sich über hunderte Kilometer in alle Richtungen erstreckt. Und dass alle paar Kilometer ein anderer kleiner Kommandant mit anderen Prioritäten seine Ziele verfolgt, in denen Flüchtlinge und Dorfbewohner wenig Platz einnehmen.

Die jungen Männer sammeln dann alles Geld der Familie und machen sich auf den Weg nach Norden, um dort einen sicheren Platz für ihre Angehörigen zu suchen. Die, die es bis zu uns schaffen, sind meist die besser Gebildeten. Was in diesem Setting heisst, dass sie mehr als 5 Jahre die Schule besucht haben und eine Karte lesen können. Vielleicht hatten sie sogar ein eigenes kleines Geschäft, da hinten, in den Bombentrümmern.

Nun, die Frage: Warum gehen die jungen Männer und nicht die jungen Frauen mit den Kindern?

Ganz einfach: Der Weg durch aktives Kriegsgebiet ist nicht gerade das, was man seinen Kindern und seiner Frau zumuten will. Der Mann hat die Verantwortung, kann sich am besten wehren und hat die grössten Chancen, den Weg zu überleben.

Hier angekommen, traumatisiert, einsam, wütend, verloren, sollen sie sich grad vom ersten Tag an wie Europäer verhalten, um ein Anrecht auf Hilfe zu bekommen. Natürlich gibts bei einzelnen dieser jungen Männern Schwierigkeiten bei der anfänglichen Anpassung. Natürlich wollen sie nach ein paar Wochen ihre Familien nachholen. Das ist ja der Grund, warum sie sich überhaupt auf den Weg gemacht haben. Oder würdet ihr, grosse Helden der dummen Kommentare, eure Familien im Kriegsgebiet lassen wollen?

Also, liebe Sofahelden, haltet einfach mal die Fresse. Während ihr euch bei «Bauer sucht Frau» an den Eiern kratzt und darüber jammert, dass ihr euch keinen Zweitwagen leisten könnt, haben diese jungen Männer mehr Tod, Verzweiflung und Angst gesehen, als ihr bei all euren Fernsehkrimis, Kriegsfilmen und Russia Today gemeinsam.

Falls ihr mir nicht glaubt, spendiere ich euch gerne die Reise nach Homs, Aleppo oder einer der anderen Destinationen, in denen ein Menschenleben gerade mal eine Kugel wert ist.