#menaretrash und das ideologische Brett vor dem Kopf

Die Feministin Sibel Schick hat vor zwei Tagen den Hashtag #menaretrash, also «Männer sind Müll» oder häufiger übersetzt mit «Männer sind Scheisse», in die Welt gesetzt. Der Hashtag ist natürlich etwas dumm, weil er gerade die Werte, die man eigentlich vertreten will, ad absurdum führt: Keine Abwertung nach Rasse, Geschlecht, Herkunft, sexueller Ausrichtung oder Identität.

Man schiesst in einer eigentlich gut gemeinten Aktion übers Ziel hinaus. Kann passieren, kenn ich von mir selbst. Der Hashtag, der alle Männer Scheisse findet, ist zwar unglücklich, aber kein Weltuntergang. Eigentlich hätte man schnell hinstehen und sagen können: «Sorry, Folks, ging in die Hose. Ihr wisst, was ich meinte, aber ich hab einen dämlichen Hashtag draus gemacht.» Die Geschichte wäre gegessen.

Nun, so gings aber nicht. In meiner linksfeministischen Blase wurde die offensichtlich idiotische Aussage bis aufs Blut verteidigt. Wer den Hashtag nicht gut fand, war einfach nicht «Feminist» genug. Der Hashtag wurde zur grossen Kritik an strukturellem Sexismus stilisiert. «Endlich spricht man über strukturellen Sexismus! Dank des Hashtags!», hörte man da. Als ob es vor diesem Hashtag keinen Feminismus und keine Kritik an strukturellem Sexismus gab.

Sah man die Diskussion dann genauer an, merkte man, dass der Hashtag eigentlich das Gegenteil  bewirkte: Er riss Gräben auf und nützt der angestrebten Gleichwertigkeit in der Gesellschaft einen Scheissdreck. Im Gegenteil: Jeder feministisch engagierte Mensch ist plötzlich wieder entweder Männerhasserin oder aber kastriert.

Das kommt aber nicht von dem Hastag alleine. Es kommt vorallem von den linken Bekannten, die es ums Verrecken nicht schaffen, einen  Fauxpas in den eigenen Reihen zuzugeben, deren ideologisches Brett vor dem Kopf wichtiger ist, als Schaden für die Sache abzuwenden. Es ist, als würde ihnen der Kopf explodieren, wenn sie einen Fehler zugeben müssten. Und es ist peinlich.

Ich hab diese Tage viel verschwurbelten Scheiss anhören müssen, wieso der Hashtag eigentlich genau das richtige war.

Nur eine Frage hat mir keiner gerade heraus, ohne «Ja, aber … »- oder «Nein, aber ..»-Geschwafel beantworten können:

Entspricht die Aussage «Männer sind Scheisse» deinen Werten und Überzeugungen?

Eine Plattform für Populismus?

Man geht ihnen nicht aus dem Weg. Man stellt sich vor sie hin und brüllt: «Stopp, so nicht!»

Man geht ihnen nicht aus dem Weg. Man stellt sich vor sie hin und brüllt: «Stopp, so nicht!»

«Man darf diesen kranken Typen nicht auch noch eine Plattform bieten», hörte ich die letzten Tage in der Auseinandersetzung um das unsäglich frauenfeindliche Verhalten und das Verbreiten von Falschinformationen des SVP-Nationalrats Andreas Glarner. Man solle Hetzern und Trollen dieses Kalibers die Öffentlichkeit entziehen und sie so ins Leere laufen lassen. Die Medien sollen sie totschweigen, weil diese Persönlichkeiten mit narzisstischer Störung und ohne jegliche Ethik im Rampenlicht nur aufblühten. Man gebe ihnen eine Bühne, die sie nicht verdienen.

Nun, 1980 hätte das vielleicht noch funktioniert. 2016 sind die herkömmlichen Medien nur noch die Mittagsvorstellung solcher Auftritte von Lügnern, Hetzern und Antidemokraten. Die Premiere und Hauptvorstellung finden in den sozialen Medien statt. Das widerliche Verhalten dieses speziellen Volksvertreters begann auf Twitter und spielt sich jetzt auf Facebook weiter ab. Die Medien sind geduldete Zuschauer, wie der Rest der Öffentlichkeit.

Die Akteure sprechen mit den Journalisten, nachdem sie  bereits auf der Bühne waren. Man kann niemanden totschweigen, der seine eigenen Medienkanäle hat. Im Gegenteil, man muss die Lügen und die Hetze sichtbar machen, damit anständige Menschen aus allen politischen Richtungen sich davor ekeln und auf Distanz gehen können. Bei Glarner scheint das langsam zu fruchten. Nicht einmal seine Parteikollegen wollen sich noch vor ihn stellen. Was bei einer Partei wie der SVP schon viel bedeutet.

«Man muss diesen Typen auf sachlicher Ebene begegnen, nicht die Person zusätzlich ins Rampenlicht stellen», war ein Argument, das aus dem Pulk meiner Journalistenkollegen fiel. Nun ja, wenn Populismus die Vernunft ansprechen würde, gäbs ihn nicht.

Populismus funktioniert charismatisch, nicht rational. Wäre Politik Musik, dann spielten die Vernünftigen die netten Melodien, die man mitsummt. Die Populisten aber klopfen den Bass, nachdem die Menge stampft. Populisten mit Vernunft begegnen zu wollen ist, wie mit einem Buttermesser in eine Artillerieschlacht zu ziehen.

Man soll diese Typen auch nicht als DAS BÖSE stigmatisieren, denn  das wäre kontraproduktiv. Sie versuchen sowieso schon, bei jedem Angriff die Opferrolle zu besetzen. (Man darf sie aber durchaus «Opfer» nennen, das hören sie nicht so gerne :D) Aber das sind sie nicht. Sie sind meist eklig, lächerlich, dumm, verlogen und ungeheuer von sich selbst eingenommen. An jedem dieser Punkte sind sie angreifbar.  Nicht, dass sie dadurch ihre treuen Anhänger verlieren. Aber die sind sowieso verloren.

Aber die unpolitischen Mitläufer, die bei oberflächlichem Hinhören auf den Dreck und die Lügen der Populisten hereinfallen,  informieren sich genauer, wenn die Scheisse rund um eine Persönlichkeit richtig am Dampfen ist. Sie plappern den Hetzern nicht mehr einfach nur nach, weil sie sich fürchten, die Scheisse könnte auf sie überspritzen. Sie werden achtsam. Und achtsame, vorsichtige Wähler sind Wähler, die für den Populismus verloren sind.

«Nur keine Publicity ist schlechte Publicity», versuchen die Campaigner und die Kommunikationsverantwortlichen ihren Kunden einzureden, wenn sie ihren Job Scheisse gemacht haben. Das stimmt nicht. Unreflektierte Narzissten trifft man mit einer öffentlichen Demontage tausendmal mehr als mit einer vernünftigen Diskussion. Nach aussen hin lassen sie die Angriffe an sich abprallen, aber schmerzhaft getroffen sind sie trotzdem, wie die Löschung des Twitteraccounts von Andy Glarner zeigt.

Wenn der Klügere immer nachgibt, steht er irgendwann am Abgrund oder mit dem Rücken zur Wand. Es ist in der Geschichte noch niemals ein Demagoge totgeschwiegen worden. Auch wurde noch kein Rechtspopulist durch ignorieren von seiner Mission abgehalten.

Wenn die radikalen Hetzer aufstehen, bleibt man nicht sitzen, man geht ihnen nicht aus dem Weg. Man stellt sich ihnen entgegen – auf allen Kanälen – und brüllt laut: «So nicht, Arschloch!». Alles andere ist zwar kultivierter, aber tödlich für eine freiheitliche Demokratie.

Und bei Leuten, die nur die Menschen als «Volk» oder «Schweizer» betrachten, die sie oder ihre Partei wählen oder in ihrem Sinne abstimmen, gehts wirklich um die Substanz unserer freiheitlichen Demokratie.

«Attacke!» – Social-Media-Helden und Memmen

Nicht nur austeilen, sondern auch einstecken können.

Nicht nur austeilen, sondern auch einstecken können.

(Warnung an meine Stammleser: In diesem Beitrag wird nicht geflucht, geschimpft oder brutal angegriffen. Der Beitrag ist zahm. Er erschien zuerst auf der Plattform Swisscom Storys, musste dann aber auf Druck der SVP entfernt werden.)

Diese Woche hat der SVP-Politiker Andreas Glarner seinen Twitteraccount geschlossen. Der berühmt-berüchtigte Social-Media-Kämpe ging sozusagen in einem technischen K.o. zu Boden, weil er die verbalen Konterschläge nicht mehr aushielt.

Die meisten Leute, die in den sozialen Medien unterwegs sind, verhalten sich höflich, berücksichtigen gewisse ungeschriebene oder sogar geschriebene Verhaltensregeln. Das ist so löblich wie langweilig.

Wenn man sich emotional engagiert, darf man aber manchmal einfach auch den verbalen Zweihänder hervornehmen und sich fluchend und keifend für seine Sache in die Bresche werfen, darf hart austeilen und muss dann genauso hart einstecken. Auch wenn dies in der zurückhaltenden Streitkultur der Schweizer verpönt ist.

Normalerweise gilt, dass jeder in der Sprache und Tonalität Antwort bekommt, in der er austeilt. Nicht alle halten das aus. So hat der SVP-Twitterkrieger Andreas Glarner die letzten Jahre hart ausgeteilt und jetzt sozusagen seine Tastatur ins Korn geworfen, weil die anderen Twitterteilnehmer in der gleichen Tonalität und Intensität zurückschossen. Sie seien gemein zu ihm gewesen, gibt er in einem Facebookstatus (!) bekannt. Er hat den Feind unterschätzt und wittert eine staatlich finanzierte Verschwörung.

Ohne Kommentar.

Ohne Kommentar.

Die Schlachtweisheit, die Herr Glarner in der Hitze des Gefechtes nicht berücksichtigt hat: «Viel Feindʼ, viel Ehrʼ» – wer sich am lautesten mit dem Schwert auf den Schild schlägt, zieht die meisten Feinde an. Der edle Social-Media-Ritter steht dann knietief in erschlagenen Kommentaren und schwingt seine Tastatur gegen jede neue Welle von Anfeindungen. Das macht den Spass von Social-Media-Schlachten aus. In epischen Auseinandersetzungen kann es sein, dass man sich über Tage mit dem Gegner verbale Scharmützel liefert. Das kann ungeheuer Spass machen. Und es kann passieren, dass man unterliegt.

Wer sich nicht bewusst ist, dass er mit jeder Polemik eine Welle von Myrmidonen mit spitzen Worten und scharfen Kommentaren auf sich zieht, sollte auf bewusste Provokationen à la Glarner verzichten und sich nicht in die Social-Media-Schlachtfelder begeben, sondern gemütlich auf Twitter-Tearoom-Ecke-Konversation machen.

Wie gesagt, es ist nicht jedermanns Sache, sich in die Schlacht zu werfen. Wer es aber dennoch tut, sollte ein paar grundsätzliche Regeln beachten: Man sucht sich keine schwächeren Gegner aus, das wäre Mobbing. Man benutzt die Waffen des Gegners. Je härter das Gegenüber draufdrischt, umso härter darf man selbst antworten. Wenn der Gegner am Boden liegt, tritt man nicht nach.

Und zum Schluss am wichtigsten:

Wenn man selbst unterliegt, heult man nicht. Man steht auf, klopft sich den Staub von der Tastatur und wischt sich das Blut von der Maus – um sich dann irre grinsend in die nächste Schlacht zu werfen.

Wir werden dich und deine ungezielten, wilden Rundumschläge vermissen, Andy Glarner. Wir werden deinen toten Account unter einem Kreuz begraben und davor salutieren.