Köppel, Nazis & Politmarketing

Um es vorweg zu nehmen: Roger Köppel ist kein Nazi, auch wenn er sich medienwirksam mit Nazis ablichten lässt.

Als Journalist ist ihm ein ziemlich guter Coup gelungen, als er sich entschied, nach Chemnitz an genau die Versammlung von Nazis, Reichsbürgern, Fremdenhassern und Hetzern zu reisen, über die die hiesige Presse nur hinter der weit entfernten Tastatur berichtete und kommentierte. Wir geben ihm jetzt mal die Credits, dass er den richtigen Riecher hatte und nicht Insiderinformationen aus Nazi-Netzwerken.

Da sieht man also auf Bildern Journalist Köppel gemeinsam mit den übelsten, verurteilten Nazigrössen des derzeitigen Deutschlands marschieren. Aber natürlich ist er nicht Teilnehmer, sondern Beobachter, wie sein demonstrativ in der Hand gehaltener Schreibblock explizit unterstreichen soll.

Wie gesagt, ein ziemlich geiler journalistischer Coup. Aber Köppel ist nicht nur Journalist. Roger Köppel ist gewähltes Mitglied unseres gesetzgebenden Parlaments. Man könnte meinen, er habe das vergessen, im Eifer seines journalistischen Triebs. Hätte er kurz nachgedacht, hätte er vielleicht WeWo-Captain Philipp Gut oder WeWo Private Alex Baur oder noch besser WeWo Rekrut Florian Schwab an die die rechte Front geschickt, um eine Geschichte zu machen. Einfach damit er nicht als Mitglied unserer verfassungsgebenen Versammlung mit Nazis rumspielt.

Nun, nein. Köppel hat nichts vergessen. Köppel war nicht dort, um eine geile Geschichte zu schreiben (seine WeWo-Geschichte war absehbar und eher lahm, er hätte sie von zuhause aus schreiben können).

Köppel war zu Marketingzwecken da. Er wollte wieder mal ins Gespräch. Das Parlament eignet sich nicht für Öffentlichkeitsarbeit und der Narzisst Köppel langweilt sich da zu Tode. Er kann echte politische Arbeit nicht von Politmarketing unterscheiden.

Unter Freunden: Köppel mit einem Demonstranten, der per Zufall das versteckte Nazi-Symbol "Thors Hammer" als Amulett um den Hals trägt.

Unter Freunden: Köppel mit einem Demonstranten, der per Zufall das  Insider-Nazi-Symbol „Thors Hammer“ als Amulett um den Hals trägt.

Es musste wieder mal knallen. Seit dem rassistischen Cover sind schon wieder zu viele Wochen vergangen und niemand hat sich über die Weltwoche aufgeregt. Da eignete sich diese Demo, die zum Pogrom ausartete ungemein.

Man sieht das nur schon an diesem kleinen Schreibblock. Kurz zum Handwerk: Kein ernstzunehmender Journi schreibt im Gehen auf einer Demo auf einen kleinen Block. Entweder man filmt oder nimmt Audio auf, oder aber man beobachtet und setzt sich später hin, um in einer ruhigen Minute das Erlebte in Worte zu fassen. Einen Block benötigt man vielleicht bei einem Interview. Der Block ist eine offensichtliche Requisite für die Rolle.

Köppel hat sich inszeniert, und zwar als Journalist, der sich unter die Menschen mischt, um ein echtes Bild der Situation zu bekommen.

Vorhang fällt, soziale Medien pawlowschen wie erwartet

*Klapp*Klapp*Klapp*

Auch dass er Selfies mit Nazis machte, die ihn eben als Teil des Marsches und nicht als Beobachter outen, ist dabei eher Kalkül als Gesinnung.

Dass er dabei die Würde des Schweizer Parlaments, dessen Mitglied er ist, in den Dreck gezogen hat, ist ihm einerlei.

Ich hab zu Beginn gesagt, Köppel sei kein Nazi. Und das stimmt. Er ist nicht mal ein echter Rechter. Köppel ist ein opportunistischer Narzisst, der per Zufall und durch Zeitgeist rechts gelandet ist, und gerne am Erwachsenentisch „Kacka“ ruft, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Köppel provoziert nicht politisch. Er provoziert nur, um Köppel im Gespräch zu halten.

Nun ja, das Problem mit seinem Anti-Mainstream-Konzept ist, dass jede Provokation ihn weiter nach rechts rückt, weil sich sonst niemand mehr darüber aufregt.

Inzwischen ist er so weit rechts, dass er, um aufzufallen, an einen Nazimarsch seinen Kopf so tief im Hintern der Heil-Hitler-Fans hat, dass er die braune Sauce wohl nicht mehr abkriegt. Vielleicht geht ihm irgendwann auf, dass er als Nazi-Freund in die Geschichte und Wikipedia  eingehen wird. Dass das Bildmaterial noch in 100 Jahren zeigt, wie er mit Holocaustleugnern, Antisemiten und Neonazis von C18 marschiert.

Und dabei lächelt, als wüsste er genau, dass er fotografiert wird.

 

Die rechten Midlife-Crisis-Revoluzzer

Es sind gesetztere weisse, privilegierte Männer in führenden Positionen wie Roger Köppel oder Andi Kunz, die endlich mal auf den Putz hauen dürfen, endlich mal «Das wird man wohl noch sagen dürfen“-Scheiss sagen dürfen. Sie definieren sich als «furchtlos», weil sie «antimainstream» sind, weil sie Haltungen äussern, die noch vor ein paar Jahren als unmenschlicher Scheissdreck geächtet wurden. Und natürlich gehen sie damit kein Risiko ein, sie sind ja sicher versorgt.

Nachdem Rechtsaussen-Parteien Fremdenhass, Rassismus und Unmenschlichkeit wieder salonfähig gemacht haben, ist es kein Problem mehr für diese Möchtegern-Rocker (Köppel hört AC/DC und Gotthard, Kunz The Clash), sich als wilde Revoluzzer der rechten Szene zu geben, ohne dabei wirklich eigene Gedanken zu haben. Während Köppel sich wie ein Kompass am «Mainstream» ausrichtet und jeden Donnerstag wie ein Uhrwerk das Gegenteil behauptet, plappert Andi Kunz (in seiner neuesten Kolumne) einfach die Lügen der rechtsnationalen Parteipropaganda nach, ohne auch nur zu prüfen, ob der Scheissdreck, den er da von sich gibt, den empirischen Fakten entspricht.

Beide sind als Journalisten natürlich nicht mehr ernst zu nehmen, da es ihnen nicht um die Sache geht, sondern Köppel um den Impact und Kunz um das Masturbieren seines Egos in rebellischer Pose. Würde mich nicht wundern, wenn er zu Clash vor dem Spiegel in seine Haarbürste singt und Luftgitarre spielt, wenn er seinen Text beendet hat.

Zum Glück sind die Leser nicht so dämlich. Diejenigen, die den gleichen Scheiss schon in rechtsnationalen Facebook-Gruppen gelesen und geglaubt haben, denen ist sowieso nicht zu helfen. Und die anderen, die haben langsam die Nase voll von der Hetze.

Man ist kein Rebell, wenn man laut «Kacka» am Erwachsenentisch ruft, man ist nicht mutig, wenn man den Scheissdreck der Internet-Hater wohlformuliert in eine Kolumne giesst. Man ist nur ein Mann, der in seiner Jugend nie wirklich rebelliert hat, und sich jetzt krass mutig fühlt, wenn er aus sicherer Position normale Menschen mit seinem Brunz vor den Kopf stösst. Privilegiert und mächtig, aber so tun, als sei man Underdog und Rebell, und sitze nicht fett auf dem Thron.

Ach ja, und noch was zum Inhalt: Man ist nicht neutral oder objektiv, wenn man sich zwischen Fremdenhassern und Rassisten auf der einen Seite und anständigen Menschen auf der anderen Seite platziert.

Dann ist man ein halber Fremdenhasser und ein halber Rassist. Die Mitte liegt nicht zwischen Hass und Menschlichkeit. Niemals.

Rassismus? Köppels infantiler Klamauk

Der Solariumbräune nach küsst hier Roger Schawinski eine Schwedin.

Der Solariumbräune nach küsst hier Roger Schawinski eine Schwedin.

Roger Köppel ist kein Rassist, trotz des neuen «Weltwoche»-Covers. Er ist ein opportunistischer Provokateur, ein Kind, das am Erwachsenentisch laut «Kacka!» ruft, um sich Aufmerksamkeit zu verschaffen. Er handelt rassistisch, doch nicht aus Überzeugung, sondern aus  billigem Kalkül.

Köppel hat keine rassistischen Überzeugungen. Er hat gar keine Überzeugungen bzw. seine Überzeugungen glichen sich über die Jahre nachweislich dem an, was ihm am meisten nutzt. Köppel glaubt nur an Köppel.

Dass er mit dem Cover den echten Rassisten Auftrieb gibt, ist ihm egal oder er freut sich wie ein Bub, der ein kleines Feuer gelegt hat. Er will, dass jetzt alle RASSIST! schreien, um sich als Opfer des Mainstreams inszenieren zu können. Aber er ist kein Rassist. Echte Rassisten würden sich für Köppel schämen.

Natûrlich ist Bösartigkeit und Menschenverachtung aus Kalkül schlimmer als Rassismus aus Dummheit.

Wo Köppel vor langer Zeit noch elegant provozierte, Sachen in Frage stellte und den Finger manchmal auf die richtige Stelle legte, ist heute nur noch infantiler Trotz und kindischer Radau. Es ist so, dass sich kaum einer mehr aufregt, weil vorhersehbar.

Wenn man die von Köppel so verschrieene «Mainstream»-Presse liest, weiss man genau, was die Weltwoche am Donnerstag bringen wird. Köppel und sein Blatt definieren sich über die anderen Medientitel wie die Satanisten über die Bibel. Inzwischen ist es nicht nur langweilig, sondern auch ziemlich peinlich.

Das Ausloten der Grenzen des politischen Kampagnenjournalismus wie ihn Fox-News in den USA betreibt, hat die Weltwoche in letzter Zeit immer wieder vor den Richter gebracht. Das könnte man als Opferhaltung («Meinungsfreiheit!!!111!!») ausschlachten. Nur besagen die Urteile nicht, dass die «Weltwoche» etwas nicht sagen darf. Sie besagen, dass die «Weltwoche» journalistisch einfach Scheisse arbeitet.

Einer kleinen Stammklientel kann man das dann trotzdem noch verkaufen. Aber selbst überzeugte Konservative gähnen inzwischen über die «Weltwoche», und die paar professionell arbeitenden Journis, die Kadavergehorsam nicht über ihren Berufsethos stellen, werden sich nach besseren Angeboten umsehen. Man will schliesslich nicht für ein Blatt arbeiten, dessen Provokationen an eine Schülerzeitung aus den späten 80ern erinnern.

Nun, es wird sicher so weitergehen. Immer ausfälligere Provokationen mit immer weniger Inhalt, immer weniger ernsthafte Journalisten, die für das Blatt arbeiten wollen, immer weniger Relevanz.

Wenn Köppel sich für die Blocher-Nachfolge positionieren will und irgendwann einen Bundesratssitz anvisiert (das tut er), dann können wir froh sein, dass der Ruf seines eigenen Blattes, auch innerhalb der SVP, seine Ambitionen zunichte macht.

Also, Roger, ab in die Ecke. Schämen! Und dann hundert Mal schreiben: «Ich darf nicht mit Rassismus spielen».